Mit elf Jahren nackt im Playboy: Eva Ionesco verklagt Mutter

Mit elf Jahren nackt im Playboy
Mit elf Jahren nackt im Playboy © picture alliance / dpa, Stephanie Pilick

Eva Ionesco - von der Mutter ausgebeutet

Im Oktober 1976 zeigte der ‚Playboy‘ Nacktfotos eines erst elfjährigen Mädchens aus Frankreich namens Eva Ionesco. Die Aufnahmen erschienen auch im ‚Penthouse‘. 1977 illustrierte der ‚Spiegel‘ mit einem der Nacktfotos eine Geschichte über Kinder auf dem Sexmarkt – und wurde dafür vom Presserat gerügt. Im Herbst 2012, also 36 Jahre später, verklagt die heute 47-jährige Schauspielerin und Regisseurin ihre Mutter Irina.

Von Christiane Mitatselis

Im vergangenen Jahr hatte Eva Ionesco mit den autobiographischen Film 'My little Princess' ihr Regie-Debüt vorgelegt, er zeigt ihre schwierige Kindheit und beschreibt, wie die Mutter die Tochter ausbeutet, indem sie die Tochter als Erotikmodell missbrauchte – im Alter von vier bis elf Jahren.

Dafür fordert Eva Ionesco nun 200.000 Euro Schadensersatz von ihrer Mutter. Deren Anwalt bringt zur Verteidigung vor, die damalige Zeit sei halt anders, nämlich "liberaler und freizügiger" gewesen.

Freizügiger vielleicht, liberal ist jedoch der falsche Ausdruck, viele Eltern gingen damals gedanken- und ahnungslos mit den Kindern um. Fünfjährige wurden losgeschickt, am Kiosk Zigaretten zu kaufen, bei Autofahrten qualmte man die Kleinen ohne Rücksicht auf Verluste zu. Man war rücksichtsloser als heute.

Die erotischen Fotos, die Irina Ionesco von ihrer minderjährigen Tochter machte, waren in den 70ern lediglich umstritten. Heute würde eine solch verantwortungslose Mutter wegen Kinderpornografie verklagt werden, kein legales Magazin würde sich mehr trauen, die Bilder zu zeigen. Pädophile müssen ihr pornografisches Material heute illegal im Internet suchen.

Kinderbilder: Was einmal online ist, bleibt online

Schaut man aber weiter in unsere digitale Zeit, so ist eine bedenkliche Tendenz zu erkennen. Viele Eltern gehen viel zu leichtfertig mit den Fotos ihrer Kleinen um. Geblendet vom Stolz auf den Nachwuchs, stellen sie so gut wie jedes Fotos ihrer Lieblinge in soziale Netzwerke, frei zugänglich für jedermann: Die niedliche, kleine Marie unterm Weihnachtsbaum, der süße Leander beim Bauen einer Sandburg, die putzige Lioba auf dem Klettergerüst.

Natürlich sind solche Fotos im Grunde harmlos, die Eltern haben jedoch ein wichtiges Gesetz des Internets nicht vor Augen: Was einmal online ist, ist immer online. Sie fragen sich nicht, wo die Fotos landen könnten, was man mit ihnen anstellen kann. Sie vergessen, dass sich Pädophile im Netz herumtreiben und Fotos von potenziellen Opfern sammeln, dass Bilder digital bearbeitet, verfremdet und in einen anderen Zusammenhang gestellt werden können.

Und sie vergessen vor allem, dass auch Minderjährige ein Recht am eigenen Bild haben, das ihnen durch die Veröffentlichung im Internet geraubt wird. Kinderfotos gehören nicht ins Internet. Es muss reichen, besonders schöne Bilder per Email an ausgewählte Freunde zu verschicken. Wer sich ein größeres Forum wünscht, kann sich eine eigene, passwortgeschützte Webseite zulegen. Kinder können nicht entscheiden, welche Fotos von ihnen gemacht und verbreitet werden. Sie sind auf verantwortungsvolle Eltern angewiesen.

Und natürlich: Das anfangs erwähnte Verhalten der Mutter von Eva Ionesco war von einem anderen Kaliber, es war nicht ahnungslos, sondern bewusst diskriminierend und ausbeuterisch. Das Urteil fällt am 17. Dezember in Paris, 200.000 Euro Schadensersatz erscheinen aufgrund der Abscheulichkeit des Falls als viel zu niedrig.

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