Missbrauch im Kloster: Ex-Nonne klagt an

Sektenartige Strukturen bei ‚Familia Spiritualis Opus‘

Sie war erst 15 Jahre alt, aber da wusste Doris Wagner schon: Ich will Nonne werden. Sie brannte für Gott und wollte etwas Außergewöhnliches mit ihrem Leben machen. Mit 19 trat Doris Wagner in den Orden ‚Familia Spiritualis Opus‘ (FSO), kurz ‚Das Werk‘ ein. Heute ist sie 30 und überlegt, ob sie aus der Kirche austritt. Doris Wagner wurde im Kloster missbraucht.

Den Orden hat die Ex-Nonne im Jahr 2011 verlassen und ein Buch über ihren Leidensweg geschrieben: ‚Nicht mehr ich – Die wahre Geschichte einer jungen Ordensfrau‘. Die Vorwürfe, die die ehemalige Ordensfrau erhebt, sind gravierend und sie kommen uns so bekannt vor.

Wagners Erfahrung: Sie wurde im Kloster entmündigt, unter Druck gesetzt, von einer ranghöheren Mitschwester begrapscht und von einem Pater vergewaltigt. Immer wieder. Auf ihrem Zimmer und sogar im Beichtstuhl. Als sie sich zu einer ersten Anzeige bei der deutschen Polizei durchringt, wird das Verfahren niedergeschlagen. Auch eine zweite Anzeige in Österreich, der Heimat ihres Vergewaltigers, bringt nichts. Der Priester behauptete einfach, der Sex sei einvernehmlich gewesen.

Die Ex-Nonne ist dennoch mit Gott im Reinen: „Ich sehe meine Geschichte so, dass Gott eingegriffen und mich herausgeführt hat“, wird sie in Medienberichten zitiert. Derzeit promoviert sie in einer deutschen Universität. Ihre Kritik gilt den sektenartigen Strukturen und Gruppen innerhalb der katholischen Kirche und den internen Umgang mit Unrecht, das innerhalb solcher Strukturen geschieht.

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