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Milchzähne: Die richtige Pflege für das Milchgebiss

Zahnpflege schon früh beginnen
Zahnpflege schon früh beginnen Eltern können Karies übertragen 00:03:20
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Darum sind Milchzähne so wichtig

Der erste Milchzahn ist ein Event: Das Datum wird im Babytagebuch festgehalten und Mütter von gleichaltrigen Kindern begleiten mit Argusaugen, wer wann wie viele der Zähnchen schon hat oder eben noch nicht. Herzallerliebst sind die kleinen Beißerchen, machen sie doch das Babylächeln perfekt. Wenn sie ausfallen, kommen Zahnfee und Co. und zum guten Schluss sammeln wir sie in extra niedlichen Döschen. Man könnte schon von einem richtigen Milchzahn-Hype sprechen - aber was sollten wir wissen, wie sieht es mit der Pflege aus und warum ist ein Milchgebiss eigentlich so wichtig?

Darum sind Milchzähne so wichtig
Das Milchgebiss ist Platzhalter und Sprachhelfer in einem

Da Milchzähne sowieso irgendwann einmal ausfallen, könnte der Verdacht aufkommen, dass man es mit der Pflege gar nicht so ernst nehmen muss. Weit gefehlt - Milchzähne bilden die Basis für ein späteres gesundes Gebiss und sollten sorgfältig gepflegt werden.

Da kein Kind mit Karies-Erregern auf die Welt kommt, ist der Grund für kranke Zähne schnell gefunden. Das Kind steckt sich bei anderen an - meist bei der Mutter. Durch engen Kontakt und die Angewohnheit von vielen Müttern, den Schnuller sauber zu lecken oder die Brei-Temperatur mit dem eignen Mund zu testen werden die hartnäckigen Kariesbakterien weitergegeben. Schlechte Zähne sind also kein vererbbares Schicksal. Haben es die Karies-Bakterien einmal in den Mund geschafft, wird man sie ein Leben lang nicht mehr los. Genau aus diesem Grund ist eine gute Mundhygiene wichtig. Sie hält die Bakterien in Schach und ermöglicht kaum Chancen auf einen "Angriff".

Insgesamt wachsen bis ungefähr zum dritten Lebensjahr 20 Milchzähne in einem Kindergebiss. Normalerweise fallen sie auch in der Reihenfolge aus, in der sie gekommen sind. Dieses Kapitel spielt sich meist um das siebte Lebensjahr herum ab. Es gibt aber auch Spätzünder, die mit 12 oder 13 Jahren ihren letzten Milchzahn in den Händen halten. Das ist dann der Zeitpunkt, zu dem die sogenannten 12-Jahr-Molaren (Backenzähne) wachsen. Verantwortlich für das Ausfallen sind die bleibenden Zähne, die schon in ihren Startlöchern stehen.

Falls ein Zahn schon wackelt, kann man mit der Zunge oder den Fingern daran herumspielen, bis der Zahn herausfällt. Die Wurzel des Milchzahnes hat sich zu diesem Zeitpunkt schon aufgelöst. Das ist die Aufgabe der sogenannten Fresszellen, die sich mehrere Jahre damit beschäftigen, die Milchzahnwurzeln zu zerstören, um Platz für das bleibende Gebiss zu schaffen. Das Ausfallen der Milchzähne verursacht, im Gegensatz zum Zahnen, keine Schmerzen. Klagt Ihr Kind trotzdem, kann das an einem wachsenden Backenzahn liegen. Mit einem leichten Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol können Sie nach Absprache mit dem Arzt Ihrem Kind ein wenig Linderung verschaffen.

Milchzähne - darauf sollten Sie achten

- Jedes Mal, wenn Ihr Kind Zucker in Form von Trauben-, Frucht-, oder Milchzucker zu sich nimmt, ist der Zahnschmelz in Gefahr. Auch Muttermilch enthält Zucker und kann frisch geschlüpfte Milchzähne schädigen, wenn es z.B. regelmäßig an der Brust einschläft. Nahrungsmittel, die an den Zähnen haften blieben sind ebenfalls Gift für die Beißerchen. Dazu gehören Honig, Bananen oder ganz schlimm Schokolade, Karamell oder Chips. Ganz auf Süßes verzichten ist welt-, bzw. kinderfremd. Daher sollte der Süßigkeitenkonsum auf einmal am Tag beschränkt werden. So hat der angegriffene Zahnschmelz Zeit, um sich zu reparieren. Führen Sie feste Zeiten, z.B. nach dem Mittagessen ein. Ihr Kind wird sich an dieses Ritual gewöhnen und, wenn Sie konsequent bleiben, zu anderen Zeiten nicht quengeln.

- Richtig putzen ist der zweite Baustein für ein gesundes Milchgebiss. Kinder sind erst ab dem neunten Lebensjahr in der Lage selbst gründlich genug zu putzen. Bis dahin müssen Eltern beim Zähneputzen tatkräftig unterstützen. Zahnärzte empfehlen, dabei immer gleich vorzugehen: Auf den Kauflächen hin- und her bürsten, dann die Außenfl ächen kreisend putzen, anschließend die Innenfl ächen von Rot nach Weiß streichend reinigen. Dreimal ist perfekt, zweimal täglich realistisch. Morgens nach dem Frühstück und abends nach dem Abendbrot reicht für eine gute Zahnhygiene aus.

- Fluorid Tabletten werden heute nicht mehr empfohlen. Der Grund:Zu viel eingenommenes Fluorid kann später Zahnverfärbungen auslösen. Bis zum sechsten Lebensjahr ist eine fluoridhaltige Kinderzahncreme sinnvoll. Danach kann auf eine stärker dosierte Erwachsenenzahncreme umgestiegen werden. Für alle Familienmitglieder als vorbeugende Maßnahme ist fluoridiertes Speisesalz beim Kochen sinnvoll. Als zusätzlicher Schutz kann eine wöchentliche Fluoridgel-Anwendung Sinn machen. Das am besten mit dem Zahnarzt besprechen, der alle sechs Monate die Zähne kontrollieren sollte.

- So lange noch keine Schäden und damit keine Füllungen in den Zähnen vorhanden sind, kann man Zähne versiegeln lassen. Das ist besonders bei den bleibenden, zweiten Backenzähnen zu empfehlen, da sie Grübchen, Rillen und Furchen (sogenannte Fissuren) haben, die nur sehr schwer mit der Zahnbürste erreicht werden können. Je enger die Vertiefungen, umso geringer die Chance, den Belag zu entfernen. Die Kassen bezahlen die Maßnahme an den großen bleibenden Backenzähnen, die an den kleineren ("Prämolaren") und an den Milchzähnen muss man selbst bezahlen (15 bis 50 Euro pro Zahn). Geputzt werden muss trotzdem, da auch eine Versiegelung defekte Stellen haben kann und dem Karies dort die Türen öffnet.

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