LIEBE LIEBE

Midlife-Crisis beim Mann: Neues Glück oder alte Liebe?

Midlife-Crisis beim Mann: Neues Glück oder alte Liebe?

Midlife-Crisis: Wenn der Mann in die Jahre kommt

Es gibt Probleme in der Liebe, die halten sich, die sind unausrottbar, da beiße ich mir immer wieder die Zähne aus, wenn ich die Liebe leicht machen will. Ich denke an die Fälle von Frauen, die sich regelmäßig in einen Mann verlieben, der ihnen nicht gut tut. Ein weites Feld, ein hartes Brot für die betroffenen Frauen und für mich.

Es gibt aber auch Probleme, von denen habe ich gedacht, dass sie längst ausgestorben sind. Ich habe lange nichts mehr gehört von Männern, die in einer Midlife-Crisis sind. Das hat mich erleichtert, denn gerade dieses Problem finde ich unsäglich. Männer zwischen 40 und 50, die solide und gut und glücklich verheiratet sind und gestern noch beteuert haben, wie toll alles sei in ihrer Ehe, die Gattin ein Traum – und die von jetzt auf gleich nölen und nörgeln, wie sie leiden unter der Monotonie der Ehe und unter der Monotonie ihrer Frau.

Weil die Frauen schrecklich langweilig seien, graue Mäuse allesamt, körperlich, seelisch, geistig - täglich grüßt das gleiche graue Mäuslein. Und da draußen tobt das Leben, es lockt, viele andere Frauen locken, jede von ihnen eine Erfrischung in jeder Hinsicht, schön witzig, bunt.

Dazu locken neue Jobs, neue Sportarten, neu, neu, neu. Auch neue Haare. Denn viele dieser Herren werden schon grau, und weil sie sich ja so großartig und jugendlich und aufregend finden im Gegensatz zu ihren schnarchigen Graue-Maus-Ehefrauen, müssen sie dieses klitzekleine äußere Indiz ihres Alters tilgen. Und so färben sie sich die Haare und sehen aus wie Graf Zahl aus der „Sesamstraße“. Graf Zahl ist niedlich, die Männer mit seiner Haarfarbe lächerlich. Oder die Männer verschwenden ihr Geld für Haarwuchsmittel, weil die Geheimratsecken keine Ecken mehr sind, sondern ihren ganzen Kopf bevölkern.

Sie sind derart betriebsblind, diese Ausbrecher, dass sie gar nicht sehen, dass ihre Ehefrauen vielleicht noch wunderbar volles und nicht ergrautes Haar haben. Sie halten sich für den Nabel der Welt. Und erwarten Mitleid und Verständnis von ihren Mitmenschen, dass sie gestraft sind mit ihren langweiligen Ehefrauen und diese deshalb verlassen müssen.

Midlife-Crisis nur eine Ausrede, um zu flüchten

Da das alles unerträglich ist, war es für mich ein Segen, dass mich kaum noch Botschaften von Frauen erreicht haben, deren Männer sich in dieser albernen Krise befinden. Ich ging davon aus, dass der Mann als solcher vielleicht ein besserer Mensch geworden ist. Wir Frauen haben uns ja auch entwickelt, man siehe nur die herrliche Emanzipation, die wir hingelegt haben. Da kann der Mann doch auch seine Steinzeit-Attituden hinter sich lassen. Dachte ich! Ich bin eben Idealistin.

Nun aber werde ich gerade bombardiert von schlechten Nachrichten. Traurige Frauen schreiben mir, dass ihre Männer mit wehenden Fahnen (und wehenden falschen Haaren) Haus und Hof verlassen. Um endlich zu leben, jawohl! Vielleicht liegt dieser Irrsinn daran, dass wir keinen richtigen Winter haben, es riecht nach Frühling an vielen Tagen, vielleicht kriegen die Männer diesen Duft in den falschen Hals. Anders kann ich mir das heftige Aufkommen an Krisen nicht erklären. Oder der Mann als solcher ist kein besserer Mensch geworden, diese Option muss ich auch erwägen.

Jedenfalls kann ich hier nur sagen: Das ist alles ganz großer Mist, was diese Krisen-Männer erzählen. Das klingt so dramatisch und pathetisch und fast philosophisch, dass man quasi eine Erleuchtung gehabt habe, eine Erkenntnis, dass das Leben ein Horror sei, dass es nicht auf diese Weise weitergehen dürfe. Dass man die Liebe suchen müsse, endlich! Die Wahre, die nicht im eigenen Heim zu finden sei. Ich kann mir nur die Ohren zuhalten, nicht aushaltbar das Geschwätz.

Das ist dummes Zeug. Das ist eine Illusion, eine Ausrede.

In Wahrheit verstehen diese Männer nichts von der Liebe. Diese hat Zeiten: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Wenn man sie lässt! Wenn einem nicht die Hormone aus der Hose ins Hirn steigen! Wenn man den Blick offen lässt für das, was war, was ist und was sein kann: Die Liebe, gelebt mit der eigenen Frau, die man gestern noch unwiderstehlich fand.

So einfach ist das.

Liebe leicht gemacht. Für den, der es kann! Dazu braucht man, ich werde jetzt salopp: Eier! Im Herzen!

Eure Birgit

Anzeige