Michelle Obama: Das Geheimnis ihrer Beliebtheit

Michelle Obama: Das Geheimnis ihrer Beliebtheit
© dpa, Shawn Thew

Michelle Obama - Eine ehrgeizige und beliebte Frau

Was täte dieser Mann nur ohne seine Frau? Seit fast einer Woche steht fest, dass Barack Obama für vier weitere Jahre US-Präsident bleibt. Ohne seine erste Wahlkämpferin Michelle Obama wäre sein Sieg gegen Mitt Romney wahrscheinlich nicht so klar ausgefallen. Die First Lady ist in den USA populärer als ihr Mann. In einer Umfrage der 'Washington Post' fanden 67 Prozent der Befragten Michelle Obama sympathisch, sie lag damit zwölf Prozent vor ihrem Mann. Warum ist diese Frau so beliebt?

Von Christiane Mitatselis

Es kommt vieles zusammen. Einerseits sieht die 48-Jährige blendend aus, sie groß, schlank, vital und sehr sportlich. Legendär sind ihre perfekt getunten Oberarme, die sie in ihren ärmellosen Designer-Kleidern so gern zeigt (Ich gebe zu, dass ich mich bei einem Fitnesstrainer erkundigt habe, was man tun muss, um solche Arme zu bekommen – das Vorbild habe ich trotz intensiver Arbeit noch nicht erreicht).

Andererseits ist Michelle Obama klug. An den Elite-Universitäten Princeton und Havard studierte sie Soziologie und Jura mit brillanten Abschlüssen. Und sie hat das alles aus eigener Kraft geschafft. Sie ist in Chicago in einfachen Verhältnissen aufgewachsen, ihre Mutter war Sekretärin, ihr Vater Maschinist.

Als sie ihre berufliche Karriere aufgab, um First Lady zu werden, verdiente sie als Managerin eines Krankenhauses mehr als der drei Jahre ältere Barack Obama, der Senator in Washington war.

Michelle Obama, Mutter der Töchter Malia (14) und Sasha (11), bezeichnet sich nun selbst gern als „Mom in Chief“, also Chef-Mutter – und natürlich ist Ironie im Spiel. Sie ist keine hauptberufliche Mutter, die – wie etwa einst Jacky Kennedy – nur schöne Kleider trägt und das Haus geschmackvoll dekoriert.

Die Tätigkeiten der ersten afroamerikanischen First Lady sind anspruchsvoll. Sie redigiert die Reden ihres Mannes und tauscht sich mit ihm in allen wichtigen Dingen aus. Zudem betreibt sie Aufklärungsarbeit gegen die in den USA besonders weit verbreitete Fettleibigkeit von Kindern. Sie hat im Weißen Haus einen ökologischen Gemüsegarten angelegt, sie kümmert sich um gebeutelte Familien von Soldaten im Kampfeinsatz. Außerdem, nicht unwichtig in einem kostspieligen Wahlkampf, sammelte sie fleißig Spenden für ihren Mann Barack.

Einen ihrer seltenen Fauxpas erlaubte sie sich, als sie 2009 beim Staatsbesuch in Großbritannien gegen das Protokoll verstieß und die verdutzte Queen umarmte. Die meisten Amerikaner fanden das aber eher lustig als peinlich.

Barack bedankt sich öffentlich bei seiner Michelle Obama

Am Abend des Triumphs fand Barack Obama hübsche Worte, um sich bei seiner Frau zu bedanken. „Michelle, ich wäre nicht der Mann, der ich bin, wenn du vor 20 Jahren nicht zugestimmt hättest, mich zu heiraten“, sagte er am vergangenen Dienstag in Chicago. „Ich war niemals stolzer zu sehen, dass sich auch der Rest von Amerika in die First Lady unserer Nation verliebt.“ Mal ehrlich, wem standen da nicht die Tränen in den Augen? Es geht in den USA auch in der Politik um eine gute Show – und das war eine. Die Worte waren zwar ein bisschen kitschig, ohne aber ins Schmierige abzudriften. Und vor allem wirkten sie ehrlich.

Wenn man nun an dieser Stelle weiterdenkt, kommt man zu dem Punkt, der erklärt, warum Michelle Obama so strahlen und sich entfalten kann. Sie hat einen Mann gefunden, der sich darüber freut, dass seine Frau so viel kann. Viele andere Männer würden neben einer wie ihr von Minderwertigkeits-Komplexen befallen werden, sich klein und schwach fühlen.

Barack Obama scheint sich dagegen ehrlich über die vielen Fähigkeiten seiner Michelle zu freuen, da sie ihn stärkt und inspiriert. Das ist ein Zeichen von gesundem Selbstbewusstsein – und sehr sympathisch.

Und ach ja, das mit der Karriere: Man braucht sich keine Sorgen um Michelle Obama machen. Wenn die Amtszeit Barack Obamas im Jahr 2016 endet, wird sie mühelos eine interessante neue Aufgabe finden. Und wahrscheinlich bald wieder mehr verdienen als ihr Mann.

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