Michelle Obama: Brauchen starke Männer Frauen wie sie?

Verdankt Obama seine Karriere seiner starken Ehefrau?
Verdankt Obama seine Karriere seiner starken Ehefrau? © dpa, Tannen Maury

Michelle Obama begeistert Wähler für ihren Mann

In den USA tobt der Wahlkampf: Nun hat Michelle Obama als perfekte First Lady eine mitreißende Rede gehalten und ihren Mann voll unterstützt. Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau: Vielleicht gibt Michelles Rede sogar den Ausschlag bei den Wählern. Aber wer steht hinter mächtigen Frauen?

Von Jutta Rogge-Strang

Da hat Michelle Obama kräftig die Werbetrommel für ihren Mann gerührt: In ihrer emotionalen Rede stellte sie sich im heißen US-Wahlkampf hinter ihren Mann und begeisterte die Wähler: "Ich liebe meinen Mann mehr als vor vier Jahren." Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau, das hat Michelle Obama eindrucksvoll bewiesen: Die Umfragewerte für Barack Obama gingen nach ihrer umjubelten Rede direkt nach oben!

Michelle Obama ist eine tolle Frau: attraktiv, hoch gebildet, sympathisch und ehrgeizig steht sie ihrem Mann, dem US-Präsidenten Barack Obama, seit vier Jahren zur Seite. Jetzt geht es um die Wiederwahl und im Kampf mit dem Rivalen Mitt Romney hat Obama seinen Joker gezogen. Die Zustimmungswerte für Ehefrau Michelle sind höher als seine eigenen. Und die First Lady gibt nun in der Öffentlichkeit die Ehefrau und Mutter, die ihren Mann bedingungslos unterstützt. Zuletzt so gesehen in den Sechzigern, als Jackie Kennedy - wenn auch eher als Mode-Ikone - ihrem John F. den Sprung ins Präsidentenamt erleichterte.

Hat Michelle Obama den Wahlkampf entschieden?

Die Zustimmung für Michelle färbt auf den Ehemann ab - tatsächlich gingen die Umfragewerte für Barack Obama hoch, er liegt nun wieder vor seinem Rivalen Mitt Romney. "Wir müssen noch einmal zusammenkommen und zusammenstehen für den Mann, dem wir vertrauen können, dass er dieses Land weiter nach vorn bringt", so Michelle - und wenn sie ihm vertraut, dann kann das ja wohl auch der Rest der Nation. Oder zumindest wieder die Schwarzen und Latinos, die zuletzt ein wenig an Baracks Messias-Qualitäten gezweifelt hatten.

Tatsächlich steht Michelle nicht nur hinter ihrem Mann, sondern eigentlich neben ihm, als gleichberechtigte Partnerin. Sie gilt als laut und sehr selbstbewusst, und das ist im Wahlkampf eigentlich gefährlich. Denn es geht darum, so viele Stimmen wie möglich zu erreichen und auch die konservativen Wähler nicht mit einem neuen gewagten Rollenbild zu verschrecken.

Die einzige weitere Frau, die in den USA ganz oben in der Politik mitmischt, ist Hillary Clinton. Sie kandidierte 2007 für das Präsidentschaftsamt, verlor aber in den Vorwahlen gegen Barack Obama und ist seit 2009 Außenministerin der USA. Sie gilt als extrem fleißig und als jemand, der gerne auch mal Klartext redet. Dabei hatte sie es wirklich nicht leicht: Ehemann Bill Clinton betrog sie in seiner Zeit als US-Präsident 1998 mit der Praktikantin Monica Lewinsky. In einem unglaublichen Kraftakt verzieh sie ihm die öffentliche Demütigung und verfolgte danach erfolgreich ihre eigene politische Karriere. Ohne wahrnehmbare Unterstützung von Bill.

Aber wie sieht es bei anderen mächtigen Frauen aus? Hinter Bundeskanzlerin Angela Merkel steht in der Öffentlichkeit erstmal niemand. Ihr Ehemann, Quantenchemiker Joachim Sauer, hält sich zurück, gemeinsame öffentliche Auftritte sind äußerst selten. Nie äußert er sich zur Politik, er gilt als das unsichtbare Phantom hinter seiner mächtigen Ehefrau.

Das bedeutet allerdings nicht, dass er sie nicht unterstützt. Den anstrengenden Job einer Bundeskanzlerin kann man nicht ausüben, wenn zuhause der Haussegen schief hängt. In einem Interview verriet Angela Merkel, die Gespräche mit ihrem Gatten seien "fast lebenswichtig", weil sie sonst "eindimensional" werde. Unterstützung durch den Partner muss also keineswegs öffentlich sein. Und sollte es vielleicht auch gar nicht: In punkto Charisma nimmt es mit Michelle Obama so schnell niemand auf - Joachim Sauer schon gar nicht.

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