Micaela Schäfer: Nackt eine Gefahr für die Moral?

Micaela Schäfer nackt - Schnee von gestern?

Wir vermuten ja, dass hinter dem ganzen Vorgang die knallharte Lobbyarbeit der bayerischen Textilindustrie steckt: Die hat vermutlich in nächtelangen geheimen Klausurtagungen Druck auf Politik und Ämter ausgeübt. Mit dem Ziel, dass zumindest ab und zu dafür gesorgt wird, dass im Freistaat niemand auftreten darf, der weniger als zwanzig Quadratzentimeter Stoff am Leibe trägt. Nur so können die Arbeitsplätze in der Textilindustrie erhalten bleiben,und so weiter, und so fort. Vielleicht hat auch nur jemand guten Geschmack bewiesen. Oder sich daran erinnert, dass es nicht immer politisch korrekt ist, wenn Frauen mit ihrem Körper hausieren gehen. Wir wissen es nicht. Wir wissen nur, dass DJane Micaela Schäfer sich kürzlich auf Druck einer Behörde gezwungen sah, ihre Arbeit nicht wie sonst in fast völliger Nacktheit sondern in einem Minikleid zu erledigen.

Micaela Schäfer: Nackt eine Gefahr für die Moral?
Micaela Schäfer zeigt sich gerne nackt. Wird ihr das jetzt vom Ordungsamt verboten?

Von Ursula Willimsky

Zunächst ein paar Sätze zur Orientierung vorneweg für alle die, die nicht jeden Tag das Schicksal von "Promis" verfolgen. Heute widmen wir uns einer Frau, die man vor allem wegen dem kennt, was sie nicht anhat. Bereits im Dschungel-Camp machte sie durch größtmögliche Textilfreiheit von sich reden. So erhielt ein von ihr favorisierter roter Restbikini rasch den Kosenamen "Freundschaftsband". Besorgte Gemüter spekulierten, ob die Arme nicht ganz einfach krank sei und an einer krassen Form von Textilallergie leidet. Wie dem auch sei: Weil das mit dem ungehemmten Ja zum eigenen Körper im Camp so gut geklappt hat, sah Frau Schäfer auch nach ihrem Rausschmiss aus dem Dschungel augenscheinlich keinen Grund, sich wieder anzuziehen.

Micaela Schäfer nackt: Verstoß gegen die Moral

Seither geht sie als DJane "La Mica" auf Tour, legt gelegentlich eins ihrer ohnehin spärlichen Kleidungsstücke ab und dafür Platten auf. Da Kreative wie sie ja auch immer auf der Suche nach tollen neuen Locations sind, hat sich die Gute für ihre Tour auch etwas ganz, ganz besonderes einfallen lassen: Sie verrichtet ihre Arbeit nämlich geschmackssicher auf Damentoiletten von Diskotheken und Clubs. Nun gut.

Im Bayerischen Aschaffenburg fand man nach Informationen der "Bild-Zeitung" das ein oder andere Detail von Frau Schäfers Musikshow nicht ganz so prickelnd. Das Ordnungsamt mischte sich ein. Nicht – wie wir zunächst vermuteten – aufgrund hygienischer Bedenken. Nein. Vielmehr wurde aufgrund von moralischen Bedenken Frau Schäfer – beziehungsweise ihr Auftritt – laut Bild mit einigen behördlichen Auflagen bedeckt. Um "das seelische und geistige Wohl von Minderjährigen" nicht zu gefährden, durften nur Leute über 18 zu der Show im Klo.

Der Veranstalter musste dafür sorgen, dass "sich Besucher der DJane nicht unsittlich nähern" oder sie gar "unsittlich berühren können." Die Begründung: Durch die explizite Darstellung ihres Körpers in der Öffentlichkeit sei Frau Schäfer "in erhöhtem Maße in Gefahr, als Sexualobjekt betrachtet zu werden." Da wir Frau Schäfer nicht persönlich kennen, wissen wir natürlich nicht, ob sie sich bisher dieser Gefahr bewusst war. Ja, ehrlich gesagt haben wir immer geglaubt, dass genau das ihr Ziel ist.

Aber ein behördliches Feigenblatt ist nun mal ein behördliches Feigenblatt, und Frau Schäfer musste sich beugen, beziehungsweise anziehen. Und erlebte etwas für sie wohl Neues: einen Auftritt im Anstandskleid. "Ich hatte mir extra etwas langes angezogen, ein Minikleid.", so Schäfer. Der Boulevardpresse entnehmen wir, dass der Armen nicht wohl in ihrer Haut und ihrem Kleid war: "Weil zwei Zivilbeamte vor Ort waren", fühlte die Arme "sich beobachtet". Ach.

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