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#mia und #ana: Die Sucht hinter scheinbar liebevollen Hashtags

#mia und #ana: Die Sucht hinter scheinbar liebevollen Hashtags
© picture-alliance/ dpa/dpaweb, Lehtikuva Tuomas Marttila

Mehr als jedes fünfte Kind zwischen 11 und 17 Jahren hat eine Essstörung

Beine dünn wie Zahnstocher, knochige Arme, hervorstehende Rippen: Im Internet sind solche Bilder häufig unter den scheinbar harmlosen Hashtags #mia und #ana zu finden. Aber dahinter versteckt sich eine schlimme Krankheit. #mia steht für 'Bulimia nervosa', die Ess-Brech-Sucht, #ana für 'Anorexia', besser bekannt als Magersucht.

Und es sind viel mehr Jugendliche betroffen, als es scheint. Mehr als jedes fünfte Kind zwischen 11 und 17 Jahren weisen Symptome einer Essstörung auf - meistens sind es Mädchen. Im Internet finden die Betroffenen Zuspruch und Motivation - für jeden 'Like' essen sie eine Stunde nichts, für jedes verlorene Kilo werden sie gefeiert.

Um sich besser miteinander vergleichen zu können, gibt es sogenannte 'Challenges'. Bei der #bellybuttonchallenge wird ein Arm um den Rücken herum bis zum Bauchnabel geschlungen - wer es nicht schafft, seinen Nabel zu berühren, ist - laut der Meinung der essgestörten Mädchen im Netz - zu dick. Bei der #thighgapchallenge machen junge Frauen Fotos von ihren Beinen: Umso größer die Lücke zwischen den Oberschenkeln ist, desto schöner angeblich ihre Figur. Und auch die #collarbonechallenge soll Aufschluss darüber bringen, ob man noch zu dick ist. Je mehr Münzen auf das Schlüsselbein passen, desto dünner und 'attraktiver' soll man sein.

Für junge Mädchen ist mangelndes Selbstbewusstsein die häufigste Ursache, sagt die Expertin Katja Rauchfuß von jugendschutz.net: "Man hadert allgemein natürlich als Mädchen während der Pubertät mit seinem Gewicht, mit seinem Aussehen und als internetaffiner Jugendlicher gucke ich dann natürlich im Netz. Diese Postings sind unserer Einschätzung nach schon sehr sehr gefährlich."

Im Internet gerät man eben zu schnell an falsche Unterstützung. Anstatt wirklich Hilfe zu bekommen, werden Jugendliche oft weiter in ihre Sucht getrieben. Aber: Im Netz finden sich auch seriöse Beratungsangebote, nur diese müssen die Jugendlichen erstmal finden. Hilfe gibt es zum Beispiel beim Jugendschutz oder bei 'ANAD'.

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