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Menopause: Das Älterwerden genießen statt der Jugend hinterher zu trauern!

Reife Frau lächelt in die Kamera
Die Menopause tritt bei den meisten Frauen zwischen 51 und 50 Jahren ein

Hilfe! Die Wechseljahre kommen - Kann man darüber froh sein?

Forever young! Von wegen! Angelina Jolie bringt es sehr schön auf den Punkt: „Ich möchte nicht mehr jung sein“. So richtig alt ist sie mit ihren 40 Jahren zwar auch noch nicht, aber durch die präventive Entfernung der Eierstöcke befindet sie sich schon jetzt in den Wechseljahren. „Ich mag es, in der Menopause zu sein“ kommentiert die Schauspielerin, Regisseurin, Mutter, etc. diese Veränderung. Es kommt, wie es kommt – und wie es ist, ist es gut. Wer es schafft, wie Jolie mit dieser Einstellung durchs Leben zu gehen, erspart sich wahrscheinlich eine Menge Hadern mit dem Lauf der Dinge und den Auswirkungen der Schwerkraft, die nun mal vor keinem Halt machen.

Von Ursula Willimsky

Ein bisschen mehr Gelassenheit und Akzeptanz kann beim Thema Älterwerden tatsächlich nicht schaden. Man entdeckt auf einem Prospekt des Sanitärfachhandels plötzlich, dass es an der Zeit ist, sich über ein Bad Gedanken zu machen, das den „speziellen Anforderungen der älteren Generation“ entspricht? Man kommt sich plötzlich doof vor, wenn man in der Teenager-Abteilung nach Klamotten stöbert? Man stört sich auf einmal daran, dass es in der favorisierten Kneipe verdammt laut ist?

Tja, dann ist es wohl an der Zeit zu sagen: „Ich mag es“. Ich mag die Bad-Ausstattung, die eigentlich auch jetzt schon ganz bequem wäre. Ich habe mich weiterentwickelt und mein Geschmack auch. Ich mag´s ein bisschen ruhiger und sitze gerne mit den Freunden zuhause bei einem gemütlichen Abendessen zusammen. All das kann man außerdem – wenn man noch keine Lust hat, zuzugeben, dass man nicht mehr jung ist – prima mit irgendwelchen Cocooning-Trends verbrämen.

Schwierig könnte es hingegen werden, den Jolie-Satz „Ich mag meine Meno-Pause“ überzeugend zu sagen. Aber muss man die Menopause tatsächlich mögen? So wie es Jolie im Interview mit dem „Daily Telegraph“ behauptet hat? Wäre es nicht schon ein großer Schritt sagen zu können: „Mir ist meine Menopause so was von egal!“ Irgendwann – statistisch gesehen am häufigsten mit 50 oder 51 Jahren – hören meine Eierstöcke eben auf zu arbeiten. Was soll´s? Sollen sie sich halt ins körpereigene Rentnerparadies zurückziehen, an meinem Leben ändert das nichts. Oder kaum etwas.

Die Menopause belegt unsere Erlebnisse

Klar gibt es die klassischen Wechseljahres-Beschwerden von Hitzewallungen bis zu Stimmungsschwankungen, von denen viele Frauen heimgesucht werden. Und sonst? War früher wirklich alles besser? Damals, als es eine bestimmende Frage war, ob man es trotz Pickel knapp unterm Haaransatz wagen darf, auf die Party zu gehen? Als ein T-Shirt der falschen Marke gefühlt schwerer wog als die vielzitierte Weichenstellung für die Zukunft?

Und überhaupt: Was heißt schon „jung“? Die Zeiten, in denen Frauen ab einem bestimmten Alter nur noch in Kittelschürze und mit Dutt anzutreffen waren, sind ja nun mal vorbei. Der ganze Jugendkult könnte ruhig neben die Kittelschürze ins Regal für die Auslaufmodelle umsortiert werden. Es gibt 26-Jährige, die alt aussehen, wenn man überlegt, was sie sich vom/im Leben noch so erwarten. Und es gibt 76-Jährige, die sowas von jung sind. Alles eine Frage der Definition.

Bei der Ausrichtung der eigenen Lebenseinstellung hatte zumindest Angelina tatkräftige Unterstützung. Ehemann Brad Pitt (auch kein Jugendlicher mehr) habe ihr sehr deutlich gezeigt, dass er sie nicht wegen ihres Körpers liebt, sondern wegen ihrer „Klugheit, ihres Talents und ihrer Fürsorge für die Familie“. Ein Satz, der für Jolies Operationen gilt – und für Jolies Älterwerden. Dem 'People Magazin' sagte sie schon vor einiger Zeit: „Brad und ich haben Glück, weil wir die Schönheit in der Veränderung des anderen sehen. Ich finde sein 50-jähriges Ich interessanter als sein 40-jähriges Ich“.

Gegen das Älterwerden kann niemand etwas ausrichten, noch nicht einmal die beste Kosmetikerin. Selbst Jolie, die diesbezüglich über hervorragende Connections verfügen dürfte, sieht heute anders aus als in ihren Lara-Croft-Zeiten. Und? Wer will heute noch so aussehen wie auf dem furchtbaren Foto von der Schulabschluss-Feier?

Das vergisst man ja ganz gerne mal, wenn man übers eigene Älterwerden jammert: Zwar bringt jedes Jahr neue Falten im Gesicht und irgendwann die Frage, ob man den Ansatz nicht doch tönen sollte. Andererseits bringt jedes Jahr auch mehr Erfahrung, mehr Coolness und Souveränität im Umgang mit dem Leben und dem eigenen Ego. Was ist ein bisschen Rücken und der Griff zum warmen Jäckchen in einer eigentlich lauen Sommernacht schon gegen das Gefühl, sagen zu können: Schön war´s bisher, ne Menge erlebt – so kann´s gerne weitergehen.

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