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Menarche: Was das Alter bei der ersten Regelblutung über die Gesundheit verrät

Menstruation: So funktioniert der weibliche Zyklus
Menstruation: So funktioniert der weibliche Zyklus Das passiert jeden Monat im Körper einer Frau 00:01:50
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Die Menarche entscheidet über die Gesundheit einer Frau

Die erste Periode verrät viel über unsere Gesundheit. Je später sie bei einem Mädchen einsetzt, desto gesünder geht sie durchs Leben. Allerdings bekommen Mädchen der westlichen Welt heute ihre erste Periode schon mit durchschnittlich 12,5 Jahren. Woran liegt das, und was bedeutet es für die Mädchen?

Menarche: Was das Alter bei der ersten Regelblutung über die Gesundheit verrät

Jutta Rogge-Strang Jutta Rogge-Strang

Mädchen, die ihre erste Periode sehr früh (also jünger als 10) oder sehr spät (älter als 17) bekommen, haben ein 27 Prozent höheres Risiko, an einer Herzkrankheit zu sterben. Zu hoher Blutdruck ist zu 20 Prozent wahrscheinlicher, das Schlaganfall-Risiko steigt um 16 Prozent. Zudem erhöht sich das Risiko um 20 Prozent, später an Brustkrebs zu erkranken, so eine Studie der britischen University of Oxford. Dummerweise sinkt das Durchschnittsalter, in dem Mädchen heute ihre Tage bekommen, immer weiter ab, in Deutschland liegt es bei 12,5 Jahren. Zum Vergleich: Vor 100 Jahren waren es 17 Jahre. Woran liegt das?

Uns geht es gut, niemand muss hungern, die Versorgung mit Fleisch, Fett, Milchprodukten und Vitaminen ist nahezu optimal. Unsere Kinder bekommen, was auch immer sie für ihre Gesundheit brauchen, aber das ist gleichzeitig auch kalorienreicher und fetter als früher. US-Forscher vermuten, dass das Fettgewebe mit der Bildung des hormonähnlichen Eiweißes Leptin das Signal für den Beginn der Pubertät gibt. Wenn der Körper also einen bestimmten Anteil an Körperfett hat, ist er bereit für eine Schwangerschaft und bildet Leptin: Der Körper bekommt ein Go!

Auch kann eine genetische Veranlagung die Ursache für eine frühe Pubertät sein, Mutter und Oma haben es vielleicht schon vorgelebt. Vermutet werden auch Hormone im Essen, Chemikalien in Plastik oder andere Umweltfaktoren, einig sind sich die Forscher nicht. Offenbar spielen auch psychische Faktoren eine große Rolle: Wer von seinen Eltern wenig Unterstützung bekommt, bereitet sich unterbewusst frühzeitig darauf vor, die Familie zu verlassen, um eine eigene zu gründen. Britische Forscher fanden einen Zusammenhang zwischen früher Periode und einem geringen Geburtsgewicht, Belastung durch Tabakrauch, Bewegungsmangel und Übergewicht heraus. Schlechte Bedingungen in der Kindheit veranlassen den Körper wohl dazu, schneller in den Reifeprozess einzutreten.

Mädchen werden bei ihrer ersten Periode immer jünger

Aber was bedeutet es für Mädchen, die eigentlich noch Kinder sind, wenn ihr Körper plötzlich erwachsen wird? Wer schon in der Grundschule einen Busen bekommt, rückt automatisch in den Mittelpunkt des Interesses. Es ist nicht leicht, sich selbst an den neuen Körper zu gewöhnen und dann von den Mitschülern vielleicht sogar ausgelacht zu werden. Gerade bei sehr jungen Mädchen ist die seelische Entwicklung noch nicht auf dem Körperniveau angekommen. Zwar sind sie innerlich noch Kinder, werden aber als kleine Lolitas wahrgenommen. Für die Mädchen eine schwierige Situation.

Für pubertierende Kinder ist die soziale Anerkennung bei den Gleichaltrigen lebenswichtig. Wenn dann die körperliche Entwicklung bis zu Ausgrenzung führt, ist das eine dramatische Situation. Kein Wunder, dass Mädchen, die zu früh dran sind, stärker zu Depressionen neigen als ihre Altersgenossen. Da hilft nur die Geborgenheit des Elternhauses – bis es ans Eingemachte geht.

Eltern neigen dazu, ihre eigenen Ängste und Sorgen in die Jugendlichen zu projizieren. Aber in der Pubertät geht es um Abgrenzung. Wer heute noch die schützende Hand über sein Kind halten durfte, wird morgen schon dafür angemacht. Die gute Nachricht: Eltern von Elfjährigen sind genauso besorgt wie die Eltern von 16-Jährigen. Denn wenn das Kind pubertiert, erleben Eltern früher oder später einen kompletten Kontrollverlust. Die schlechte Nachricht: Je länger Eltern die jungen Erwachsenen als Kinder behandeln, um so länger brauchen die, um in die eigene Freiheit zu finden. Pädagogen plädieren daher für Gelassenheit: Der Weg in die Selbstständigkeit ist oftmals holprig – für alle Beteiligten.

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