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Melanie Gaydos: Model trotz Gendefekt

"Es geht nicht nur darum, wie du aussiehst und geboren wurdest"

Schön, makellos und im Grunde perfekt. Das ist das Bild, das wir eigentlich von einem Model haben. Die New Yorkerin Melanie Gaydos aber ist anders und genau deshalb ist sie in der Branche so beliebt. Denn Melanie leidet an einem seltenen Gendefekt, der sich hauptsächlich auf ihre Haare, die Zähne und den Knochenbau auswirkt. Sie ist ein Model mit Makeln.

Melanie Gaydos ist Model trotz Gendefekt
Gerade wegen ihrer Andersartigkeit ist Melanie Gaydos ein gut gebuchtes Model

"Ich weiß, an der Art wie viele Menschen mich behandeln, dass sie denken, ich kann das nicht", erzählt Melanie Gaydos im Interview. Aber sie glaubt an ihre Fähigkeiten. "Es ist wirklich wundervoll, dass ich jetzt modeln darf. Endlich kann ich das machen, was ich immer wollte." Melanie fällt auf - immer und überall. "Weil ich so aussehe, wie ich aussehe, werde ich schon oft angestarrt. Dabei ist es einfach nur ein körperlicher Unterschied.“

'Ektodermale Dysplasie‘ heißt der seltene Gendefekt, der sich hinter Melanies Aussehen verbirgt. Melanie ist 26, hat keine Haare und kaum Zähne. Der Kopf und viele andere Knochen ihres Körpers sind verformt. Dennoch arbeitet sie als High-Fashion-Model: "Die Melanie, die modelt ist kämpferisch und furchtlos. Vor allem vor der Kamera, denn da gibt es keine Grenzen", sagt sie.

In der Branche ist sie - gerade wegen ihrer Fehlbildungen - beliebt: "So viele Models haben ein und denselben Look. Es ist das exakt gleiche Gesicht. Sie verkörpern ein und dieselbe Rolle. Melanie sticht da natürlich hervor. Sie sorgt dafür, dass du innehältst und dir das Foto ansiehst, gerade weil es anders ist", erklärt Fotograf und Designer Fred Attenborough.

Doch hinter dieser Andersartigkeit verbirgt sich auch eine traurige Seite. Denn Melanie war nicht immer so selbstbewusst wie heute: "Als Kind wurde ich oft gehänselt und alle haben mich angestarrt." Melanie war einsam. Zumindest bis sie einsieht, dass sie akzeptieren muss, anders zu sein, als die anderen. "Als ich 15 Jahre alt war, war ich depressiv. Ich wollte mich umbringen. Ich wollte nicht mehr leben. Ich war am Boden zerstört, doch dann beschloss ich, mich der Kunst zu widmen. Und über die Kunst habe ich überleben gelernt. Und Modeln ist eine Art Kunst für mich."

Fotografiert zu werden und im Fokus zu stehen nutzt Melanie heute als Plattform: "Es geht darum, zu realisieren, dass es nicht immer darum geht, wie du aussiehst und geboren wurdest." Und so schafft es Melanie sogar bis auf die Fashion Week nach New York. Dahin, wo jedes Model hin will.

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