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"Meine Kinder sind mein Hobby": Warum ist diese Aussage so umstritten?

"Meine Kinder sind mein Hobby": Warum ist diese Aussage so umstritten?
Sigrid Evelyn Nikutta, Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe © picture alliance / dpa, Stephanie Pilick

Umstrittene Aussage einer Managerin

Können Kinder ein Hobby sein? Sigrid Evelyn Nikutta, die Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe, hat ihren Nachwuchs gerade als ein solches bezeichnet - und damit eine kontroverse Diskussion ausgelöst. Darf eine Mutter so sprechen? Ist die Haltung der Managerin realistisch - oder womöglich verantwortungslos?

Von Christiane Mitatselis

Frau Nikutta (Foto) ist 45 Jahre alt, sie hat vier Kinder und einen Doktor in Psychologie. Sie arbeitete lange bei der Deutschen Bahn und ist seit vier Jahren Vorstandsvorsitzende und Vorstand Betrieb der Berliner Verkehrsbetriebe, des größten Nahverkehrsunternehmens Deutschlands. "Der Knochenjob geht an eine Frau", schrieb die 'Berliner Zeitung', als sie 2010 den Dienst antrat.

Zu Nikuttas ersten Aufgaben gehörte es, die Unternehmenskultur der BVG zu verbessern, Personal zu motivieren und neue Fahrgäste zu gewinnen - sie hatte Erfolg. 2012 wurde sie mit dem Preis 'Managerin des Jahres' ausgezeichnet, 2013 wurde ihr Vertrag vorzeitig um fünf Jahre verlängert.

"Meine Kinder sind mein Hobby, ich spiele eben nicht Golf oder gehe segeln", sagte Nikutta unlängst in einem Interview mit der 'SZ'. Wäre sie ein Mann, so würde sich niemand darüber wundern, ihre Aussage komisch, zu locker oder gar verwerflich finden. Doch sie ist eine Frau und erntet viel Kritik, in der oft folgende Haltung durchscheint: So leger darf eine Mutter nicht sprechen, Kinder müssen für eine Frau mehr sein als ein Hobby.

Dabei ist das Zeitpensum, das einer Top-Managerin für die Familie bleibt, genauso begrenzt wie das eines männlichen Kollegen in einer Spitzenposition. Es geht gar nicht anders, eine verantwortungsvolle Aufgabe im Management ist zeitraubend. Bei Männern mit Kindern nimmt daran selten jemand Anstoß.

Hobby-Väter gegen Hobby-Mütter

Viele Manager sind Hobby-Väter, das heißt: Wenn es ihnen der Job erlaubt, unternehmen sie schöne Dinge mit den Kleinen. Eis essen, schwimmen gehen, Fußball spielen, ins Kino gehen, was auch immer allen zusammen Spaß macht. Den Alltag mit den Kindern erledigt in solchen Familien die Mutter - meist unterstützt von der ein oder anderen Nanny.

Gegen die Kinder-Hobby-Gleichsetzung ist im Übrigen nichts einzuwenden. Ein Hobby ist schöne Sache, mit der man seine Freizeit gern und entspannt ausfüllt. Passionierte Hobby-Väter werden meistens sogar dafür bejubelt, dass sie nicht golfen gehen, sondern sich Zeit für ihr Hobby, den Nachwuchs, nehmen. Eine Frau steht hingegen sofort unter Rabenmutter-Verdacht.

Nikutta schafft es, wie sie der 'SZ' erzählte, zweimal pro Woche beim Abendessen mit den Kindern zu Hause zu sein, Termine wie Weihnachtsbasteln halte sie sich frei. Den Rest übernimmt der Ehemann, denn in dieser Familie ist offenbar der Vater der Haupt-Verantwortliche für die tägliche Kinderbetreuung. Das nennt man Gleichberechtigung. Und es zeigt sich wieder einmal: Eine Frau, die Karriere machen, Kinder haben und alles harmonisch unter einen Hut bringen will, braucht vor allem eines: den richtigen Mann.

Wer immer noch Einwände hat, sollte das Ganze einmal aus der Kinder-Perspektive betrachten: Eine Mutter, die zwar oft spät nach Hause kommt, in ihrer Freizeit aber immer für schöne Unternehmungen zu haben ist, setzt Highlights im Alltag und bereichert das kindliche Leben. Den Papa sieht das Kind ja jeden Tag.

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