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Mein Kind mobbt: Was tun, wenn das eigene Kind Täter ist?

Mein Kind mobbt: Was tun, wenn das eigene Kind Täter ist?
© dpa, Alina Novopashina

Kinder, die mobben, leben gesünder als ihre Opfer

Mobbing in der Schule macht krank – auch noch nach vielen Jahren. Forscher fanden nun heraus, dass Kinder und Jugendliche, die in der Schule gemobbt wurden, auch später noch eine chronische Entzündung im Körper tragen. Wer selber mobbt, lebt allerdings gesund: Die Entzündungswerte sind niedrig. Aber was können Eltern tun, wenn das eigene Kind ein Mobber ist?

Jutta Rogge-Strang

Wer in der Schule gedemütigt oder schikaniert wird, reagiert auch körperlich darauf. Die Entzündungswerte steigen, das Immunsystem ist geschwächt. US-Forscher haben nun entdeckt, dass bei Kindern und Jugendlichen auch noch nach Jahren die Werte des sogenannten C-reaktiven Proteins (CRP) erhöht sind. Das bedeutet, dass der Körper sich gegen Krankheitserreger schlecht wehren kann und anfällig wird für Krankheiten. Viel besser sieht es für die Kinder aus, die andere beleidigen und einschüchtern: Sie haben besonders niedrige CRP-Werte im Blut. Wer mobbt, lebt also gesund.

Aber was sind das für Kinder, die andere mobben? Und was kann man tun, wenn das eigene Kind ein Mobber ist? Mobbende Kinder haben selbst – genauso wie ihre Opfer - ein geringes Selbstwertgefühl, das sie auf Kosten anderer stärken möchten. Es geht um eine Führungsposition in der Klasse, aber auch Rachegefühle oder Langeweile können Motive für Mobbing sein. Fakt ist: Viele Mobber waren schon selbst einmal Mobbing-Opfer und wissen genau, wie das geht. Da helfen nur ganz klare Ansagen – und genauso viel Liebe und Aufmerksamkeit von den Eltern wie für Mobbing-Opfer.

Es muss ganz klar sein, dass Mobbing ein unerwünschtes Verhalten ist, das auch bestraft wird. Aber das ist nur die eine Seite der Medaille. Denn auch die "Täter" brauchen Hilfe. Psychologen sagen: Mobbing ist eher Schwäche als Stärke. Wer selber glücklich ist, hat kein Interesse daran, andere zu quälen. Was kann man also tun?

Was können Eltern gegen das mobbende Verhalten ihres Kindes tun?

Regel Nummer eins, die eigentlich für alle Eltern gilt: Versuchen Sie, das Selbstbewusstsein Ihres Kindes zu stärken und nutzen Sie dazu ausgiebig das einfachste Mittel: Loben Sie Ihr Kind! Mindestens ein Mal am Tag sollten Sie Ihr Kind in den Arm nehmen und es auch für einen Versuch loben. Jeder möchte um seiner selbst geliebt werden, und nicht, weil er irgendetwas besonders gut kann. Das gilt auch für Erwachsene. Also loben Sie, auch wenn etwas schief gegangen ist: Immerhin hat sich Ihr Kind Mühe gegeben.

Seien Sie für Ihr Kind da, auch wenn etwas missglückt. Sagen Sie Ihrem Kind am besten täglich: Ich mag dich, ich bin froh, dass es dich gibt. Und sollten Sie mal Kritik äußern müssen, halten Sie sich zurück. Sagen Sie: Ich mag dich, aber dein Verhalten in dieser Situation gefällt mir nicht. Vergleichen Sie Ihr Kind nicht mit anderen (Geschwistern), sondern geben Sie Ihrem Kind Liebe, weil es einzigartig ist. Aber packen Sie Ihr Kind nicht in Watte: Fehler machen gehört zum Leben dazu.

Mobbende Schüler wollen ihre Position in der Klasse stärken oder ausbauen. Sie wollen vielleicht ihren Frust über Misserfolge abreagieren und dabei die Achtung und Bewunderung ihrer Mitschüler gewinnen. Dazu wählen sie aber das falsche Mittel. Sie sind aggressiv, aber auch, weil sie es sich leisten können. Meist sind sie in einer Gruppe von Mitläufern fest integriert und erhalten von ihnen Rückhalt für ihr Verhalten. Aber viele Mobber waren oder sind selber Mobbing-Opfer. Ein Kreislauf, den man nur durchbrechen kann, indem man das Selbstwertgefühl der Kinder stärkt - und ihren Grenzen aufzeigt.

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