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Mein Kind hat Magersucht: So erlebt Mutter Jana die Anorexie ihrer Tochter Emily

Mein Kind hat Magersucht
Mein Kind hat Magersucht So erlebt eine Mutter Anorexie 00:03:40
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'Frühkindliche Fütterstörung' im Babyalter führt zu Anorexie

Wie schlimm muss es für eine Mutter sein, wenn das eigene Kind Magersucht hat? Jana hat über diese Erfahrung ein Buch geschrieben – denn ihre 15-jährige Tochter Emily leidet unter Anorexie. Und nicht nur Emily leidet, sondern die ganze Familie.

Mutter Jana fühlte sich von Ärzten und Kliniken allein gelassen.
Auch aus dem Bekanntenkreis bekam Jana oft keine Unterstützung.

Im Alter von zehn Jahren bekam Emily Michael offiziell die Diagnose Essstörung. Diese Krankheit hat nicht nur ihr eigenes Leben komplett verändert, sondern auch das ihrer Familie. Bereits als Baby wollte sie nie essen, weigerte sich regelrecht. "Frühkindliche Fütterstörung" wird das von Therapeuten genannt: Kinder entwickeln kein Hungergefühl und schreien beim Essen. In bis zu zehn Prozent der Fälle kann das zu einer Essstörung führen – so wie bei Emily.

Nicht nur der Körper des Mädchens war belastet, sondern auch das Verhältnis zu seiner Mutter. Emily konnte anfangs nicht verstehen, wieso ihre Mutter leidet, obwohl sie unter der Krankheit leidet. Mit der Zeit habe sie aber verstanden, dass ihre Mutter genauso kämpft wie sie und die Krankheit sie auch belastet. Von Ärzten, Kliniken und Experten habe sich Jana Michael allein gelassen gefühlt und nur Vorwürfe zu hören bekommen. Deshalb habe sie immer sich selbst die Schuld an der Magersucht ihrer Tochter gegeben. Auch im Bekanntenkreis habe sie oft keine Unterstützung erfahren: "Dann kommen noch im privaten Umfeld die sogenannten Klugscheißer, die dir erzählen wollen: Du musst deinem Kind nur das Lieblingsessen geben, dann wird das schon."

Unter einer Essstörung leidet die ganze Familie

Emily hat mittlerweile vier Klinikaufenthalte hinter sich. Bei ihrem ersten Besuch dort, habe sie auch erstmals Hunger verspürt. Sie wusste bislang gar nicht, was das ist. Als das Gefühl aufkam, hätte sie ihre Ernährungsberaterin danach gefragt und die habe ihr erklärt, dass sie das erste Mal wirklich Hunger hat. Da habe sie beschlossen, etwas dagegen zu tun. Gesund ist Emily noch nicht, aber sie ist auf einem guten Weg. Sie kämpft nicht nur für sich selbst, sondern auch für ihre Mutter und ihren Bruder Chris. Der kam wegen ihrer Anorexie oft zu kurz.

Mutter Jana hat aus der Vergangenheit gelernt und rät: "Es ist ganz wichtig, sich schnell Hilfe zu suchen. Auch für sich selbst, sich schneller einzugestehen: Ich kann nicht mehr, ich brauche Hilfe." Eine Freundin brachte sie auf die Idee, ihre eigenen Erfahrungen in einem Buch festzuhalten. So will sie anderen Eltern zeigen, dass sie nicht alleine dastehen.

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