LESEN LESEN

'Mein Chef ist eine Frau': Juliane Gringer über weibliche Führungskräfte

'Mein Chef ist eine Frau': Juliane Gringer über weibliche Führungskräfte
Sind Frauen doch die besseren Chefs? Juliane Gringer untersucht es in 'Mein Chef ist eine Frau'. © Schwarzkopf & Schwarzkopf

Leseinfo zu 'Mein Chef ist eine Frau'

Frauen findet man immer noch sehr selten in den deutschen Chefetagen. Sie verdienen bei gleicher Arbeit oft rund ein Viertel weniger als ihre männlichen Kollegen. In ihrem Buch 'Mein Chef ist eine Frau' beschäftigt sich die Journalistin Juliane Gringer daher mit den weiblichen Führungsqualitäten und fragt, ob Frauen nicht vielleicht sogar die besseren Chefs sind, wenn man sie Chef sein lässt.

In 24 Interviews berichten Männer und Frauen ganz konkret über ihre Erfahrungen mit weiblichen Vorgesetzten. Aber auch Chefinnen schildern, wie sie sich und ihre Rolle im Berufsalltag einschätzen.

Über 'Mein Chef ist eine Frau

Egal ob Professorin, Friseurin, Anwältin, Chefredakteurin, Autohaus- oder Yogastudiobesitzerin - die von Juliane Gringer gesammelten Erfahrungsberichte zeigen zwei Dinge: Einerseits, dass sich Chefinnen mittlerweile fast in jeder Branche finden lassen. Andererseits, dass es von ihnen leider überall viel zu wenige gibt.

Die Mehrheit der Interviewten, darunter auch die Männer, ist überraschend positiv auf ihre Chefin zu sprechen. Allerdings scheint es auch unter den weiblichen Führungskräften Exemplare zu geben, die schwer zu ertragen sind. So ist Controllerin Christiane Mayer beispielsweise voller Bewunderung für ihre kompetente und ausgeglichene Chefin, während PR-Redakteurin Sarah Lahmen von der Drückebergerei und wimpernklimpernden Koketterie ihrer Vorgesetzten im höchsten Maße frustriert ist.

Liefert das Buch tatsächlich eine Antwort auf die Frage, ob Frauen die besseren Chefs sind? Es fällt immer wieder auf, dass Frauen viele Eigenschaften, die sie ohnehin schon haben, in einer Führungsposition zugutekommen. Im Gegensatz zu Männern setzen sie beispielsweise häufiger auf flache Hierarchien und fühlen sich besser in die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter ein. Durch den Alltag mit Kindern sind Frauen zudem organisierter und verantwortungsvoller als so manch chaotischer Mann. Trotzdem sind sich aber alle Interviewten einig: ein schlechter Chef ist ein schlechter Chef, egal ob Mann oder Frau. Juliane Gringer sagt hierzu, dass Frauen eben „keine besseren Menschen als Männer“ seien. Sie hätten aber „einen anderen Blickwinkel aufs Leben."

Besonders beeindruckend ist das Interview mit Marion Horn, die sich durch harte Arbeit, Disziplin und Mut bis an die stellvertretende Spitze der BILD-Chefredaktion gearbeitet hat. Sie weiß, warum Frauen trotz gutem Führungsstil häufig nicht bis in die Chefetagen vorrücken: „Wir müssen unbedingt aufhören, uns immer in Frage zu stellen.“ Horn beklagt, dass Frauen oft nicht das Selbstbewusstsein hätten, sich hinzustellen und zu schreien „Hier, ich mach das!“ Männer hätten dieses Selbstbewusstsein allerdings schon: „Den Satz 'Ich bin nicht gut genug' habe ich in 26 Jahren im Job noch nie von einem Mann gehört.“

Juliane Gringers Buch ‚Mein Chef ist eine Frau‘ ist vor allem deshalb interessant, weil es sein Thema nicht durch irgendwelche statistischen Hochrechnungen, sondern durch reale Fälle behandelt. Einziger Wehrmutstropfen: Die Autorin streut zwar am Ende eines jeden Interviews bewertende Kommentare ein, trotzdem wäre es noch interessant gewesen, zu lesen, wie sie ihre Ergebnisse gesamtgesellschaftlich bewertet.

Über die Autorin Juliane Gringer

Juliane Gringer, Jahrgang 1981, schreibt als freie Journalistin für Tageszeitungen und Magazine. Nach einem Journalistik-Studium in Leipzig lebt und arbeitet sie in Berlin. Bei der Recherche zu diesem Buch hat sie besonders beeindruckt, wie Frauen ihre weiblichen Qualitäten im Job umsetzen können – wenn sie die Chance dazu bekommen. Im Frühjahr 2011 ist bereits ihr Buch 'Zickenalarm' erschienen.

(Text: Isabel Schaefer)

Anzeige