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Mehr Zeit für mich: Wenn Mama eine Auszeit braucht

Viele Mütter sehnen sich nach mehr Zeit für sich

Mutter, Ehefrau, Hausfrau – und nebenbei noch arbeiten. Katja Brandt ist, wie viele andere Frauen, zeitlich eingeschränkt und opfert all ihre Freizeit der Familie und dem Haushalt. Es ist fast schon selbstverständlich, dass die 36-jährige morgens das Frühstück vorbereitet, die Wäsche macht, kocht und putzt. Während Katja nur an das Wohl der anderen denkt, kommt eine Person zu kurz: sie selbst.

Das soll sich jetzt ändern! Eine Woche lang hat Katja mehr an sich gedacht und das mit versteckter Kamera gefilmt. Ihre Familie wusste davon nichts. Das Ergebnis: Katjas zwei Söhne Malte und Julian sowie ihr Ehemann waren – wenn auch nicht immer zu hundert Prozent – bereit mit anzupacken und haben Katja im Haushalt entlastet. Doch eins war schnell klar: Katja selbst ist es sichtlich schwer gefallen, loszulassen und nichts zu tun. Immer wieder hat sie mit angepackt. "Frauen fällt es oft schwer loszulassen. Sie versuchen, Haushalt, Familie, Beruf perfekt unter einen Hut zu bekommen und laufen dabei ganz oft im Hamsterrad, ohne dabei an sich zu denken und Oasen der Ruhe einzubauen", weiß die Erziehungswissenschaftlerin Annette Baukes-Neichel.

Im Experiment nimmt sich die zweifache Mutter bewusst Ruhepausen und fordert ihre Familie auf, selbst zu kochen und aufzuräumen. Was anfangs holprig begonnen hat, klappt plötzlich ganz gut. Am Ende der Woche wird die Situation aufgelöst. Katjas Mann ist die veränderte Situation nicht entgangen: "Mir ist aufgefallen, dass die Wäsche nicht mehr so schnell bearbeitet wurde, wie es vorher der Fall war. Aber das war jetzt nicht so schlimm, dass hier das totale Chaos ausgebrochen ist. Mir ist auch aufgefallen, dass sie ab und zu was für sich gemacht hat. Das kann man beibehalten, wenn es denn mit dem Haushalt so weiter geht."

Katja hat die freie Zeit genossen und will sich diese auch weiterhin nehmen. Damit das klappt, braucht jedes Familienmitglied eine eigene Aufgabe im Haushalt. Damit werden klare Regeln und Strukturen geschaffen. Wichtig ist es zu lernen, Hilfe anzunehmen und nicht alles selbst zu machen. Und: Wenn es zu viel wird, sollte der Wunsch nach mehr Auszeit geäußert werden - und zwar ohne sich dafür zu rechtfertigen!

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