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Mehr Vater-Kind-Kuren: Jetzt kommen auch die Papas in Erziehungsstress!

Anstieg bei Vater-Kind-Kuren
Auch immer mehr Männer leiden unter der Doppelbelastung von Beruf und Familie. © Getty Images, Geber86

Zahl der Vater-Kind-Kuren stieg um 24 Prozent

Nicht nur Mütter brauchen ab und an eine Auszeit von der Erziehungsarbeit - jetzt steigt auch die Anzahl der Väter, die eine Eltern-Kind-Kur beantragen. Die Verantwortung für die Familie scheint die Männer immer mehr ins Burn-out zu treiben.

Von Merle Wuttke

Jetzt also auch die Väter. Immer mehr Männer brauchen eine Kur, weil die Familienarbeit und die Verantwortung Job und Kindern gerecht zu werden, sie zu sehr schlaucht. Das Müttergenesungswerk, das zuständig ist für Eltern-Kind-Kuren, verzeichnet einen Anstieg bei den Anträgen von Vätern um 24 Prozent allein im letzten Jahr!

Im Vergleich zu den Müttern nehmen Väter zwar noch in recht geringer Zahl eine Kur in Anspruch - nur 1.600 Männer beantragten eine Auszeit vom Alltag. Dagegen gingen 49.000 Frauen mit ihren Kindern auf eine Kur. Allerdings gibt es auch erst seit wenigen Jahren Angebote für erschöpfte Väter - lediglich 16 von 76 Kliniken bieten Männern die Möglichkeit an, sich einmal gemeinsam mit dem Kind zu erholen.

Genauso wie bei den Frauen sind aber auch bei den Männern Erschöpfungssyndrome die Gründe für die Teilnahme an einer Kur. 70 Prozent von ihnen sind davon betroffen. Und 60 Prozent der Väter klagen über die Doppelbelastung, die Beruf und Familie bei ihnen auslöse. Manchen stehen sogar kurz vor dem Burn-out. Vor allem Männer, die der Haupternährer der Familie sind und dabei mehr als 40 Stunden die Woche arbeiten und die gleichzeitig versuchen ihrer Aufgabe als Vater voll gerecht zu werden, leiden unter diesem Berg an Verantwortung - dies ist für zwei Drittel der Väter ein Grund eine Kur zu beantragen.

70 Prozent der Männer beklagen außerdem den ständigen Zeitdruck, dem sie ausgesetzt seien. Und ein Fünftel der Väter gibt an, dass die Sorge vor finanziellen Problemen und Schwierigkeiten mit der Partnerin sie dazu gebracht hätten, sich eine Kur bewilligen zu lassen. 30 Prozent geben zu, dass einer der Gründe, Erziehungsprobleme mit den Kindern seien.

Kranke, erschöpfte Väter

Die Hauptaltersgruppe der betroffenen Männer liegt dabei zwischen 36 und 45 Jahren. Kein Wunder, das sind mittlerweile die typischen Jahre der Familiengründung, aber auch in denen die Karriere vorangehen soll. Doch welche Symptome bringen die Väter mit? Die meisten (69 Prozent) leiden unter Erschöpfung, Schlafstörungen, depressiven Verstimmungen oder Belastungsstörungen.

Bei einem Drittel äußern sich die Beschwerden körperlich statt psychisch, durch Rückenschmerzen, Gelenkschmerzen, Arthrose oder Bandscheibenvorfällen. Über ein Zehntel der Männer entwickelt Bluthochdruck oder ein Herz-Kreislauf-Leiden - bei Frauen liegt die Anzahl dagegen nur bei fünf Prozent. Und bei neun Prozent der Männer legt sich der Stress auf die Atmung: Sie haben Asthma, ständige Infekte, Entzündungen im Hals-Nasen-Bereich.

An all diesen Dingen zeigt sich, was Mütter schon lange wissen und immer wieder erfahren: Kindererziehung ist kein Zuckerschlecken. In Zukunft wird die Zahl der Väter, die aus gesundheitlichen Gründen mit ihren Kindern eine Kur besuchen, wahrscheinlich sogar noch steigen, da junge Mütter mehr und mehr Gleichberechtigung in der Familienarbeit einfordern.

Auf der einen Seite zeigt das, dass unsere Gesellschaft nach wie vor weit entfernt davon ist, das Familien- und Berufsleben in Deutschland für Eltern zu erleichtern. Auf der anderen Seite wird - so zynisch das klingen mag - vielleicht endlich mal in dieser Richtung etwas passieren, eben, weil mehr und mehr Väter nicht mehr können. Solange nur Frauen von der totalen Erschöpfung betroffen waren oder sind, interessierte das Politik und Gesellschaft ja nicht sonderlich.

So schlimm es also für den Einzelnen sein mag, für uns alle, könnte das endlich mal das Signal an die Entscheider in Politik und Wirtschaft sein, die Sorgen und Nöte von Familien ernst zu nehmen.

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