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Mehr Sex, mehr Freunde: Das gilt nur für Jungs - Frauen sind immer noch die 'Flittchen'

Mehr Sex, mehr Freunde
Mehr Sex, mehr Freunde? Nur bei Männern! © Artem Furman - Fotolia, Photographer: Artem Furman

Eine Frau, die mit der Moral eines Mannes lebt

Eine Studie aus den USA hat herausgestellt: Unter Heranwachsenden kann von Geschlechter-Gleichgleichberechtigung keine Rede sein. Jungs, die in der Pubertät Sex haben und davon erzählen, punkten und vergrößern ihren Freundeskreis. Mädchen, die sich sexuelle Freiheiten erlauben, verlieren hingegen Freunde und werden tendenziell ausgegrenzt und schlecht beleumundet.

Von Christiane Mitatselis

Die Studie, die im August vorgestellt wurde, lässt sich sicher nicht eins zu eins auf deutsche oder europäische Verhältnisse übertragen. Denn erstens ist sie nicht gerade taufrisch: Zwischen 2003 und 2007 befragten die Soziologen insgesamt 921 elf- bis 16-jährige Schüler, die zweitens aus 28 ländlichen Gemeinden in den Bundesstaaten Iowa und Pennsylvania kamen. Prüderie und althergebrachte Rollenbilder sind auf dem amerikanischen Land fester verwurzelt als etwa in Großstädten wie Boston oder New York.

Trotz dieser Einschränkungen: Vorurteile und Klischees bestimmen in diesem Bereich auch das Denken vieler angeblich aufgeklärter Europäer. Man muss nur hinhören, wenn gelästert wird und genau auf die gängigen Begriffe achten. Eine Frau, die viele Männer hat, wird schnell als 'Dorfmatratze' oder 'Flittchen' geschmäht. Ein Mann, der es munter treibt, ist hingegen ein viel beachteter 'Don Juan', 'Womanizer' oder 'Frauenheld'.

Das gilt nicht nur für junge Mädchen. Auch eine 30- oder 40-jährige Frau, die munter die Partner wechselt, wird schnell zum Objekt von bösem Klatsch und Tratsch. Promiske Männer werden dagegen auch im höheren Alter als tolle Hechte betrachtet.

SIE ist die 'Dorfmatratze - ER ist der 'Frauenheld'

Die Ungerechtigkeiten gehen weiter: Geht ein ehemaliger Don Juan schließlich eine feste Bindung ein, dann gilt er als geläutert; als einer, der sich halt austoben musste, bevor er sich der Monogamie verschrieb. Frauen werden den Ruf der Schlampe nicht so schnell los, oft wird noch jahrelang über ihr Vorleben getuschelt.

Man kann nun anbringen, wenn der Ruf erst einmal ruiniert sei, dann lebe es sich ganz ungeniert. Das Sprichwort enthält einen Kern Wahrheit, muss aber ergänzt werden: Um nichts darauf zu geben, was die anderen tratschen, braucht man Selbstbewusstsein und Souveränität. Man muss im Stande sein, Anfeindungen auszuhalten, ohne zusammenzubrechen.

Glücklicherweise sind viele junge Mädchen mit viel Selbstvertrauen, das macht Hoffnung: Je weniger Frauen sich um abwertendes Gewäsch kümmern, desto größer ist die Chance, dass die alten Vorurteile an Kraft verlieren.

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