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Mehr Geburten in Deutschland - werden wir familienfreundlicher?

Durch mehr Geburten steig die Geburtenrate in Deutschland.
Viele junge Familien wohnen mittlerweile lieber in der Stadt als auf dem Land. © Getty Images, Geber86

Kleiner Babyboom in Deutschland

Es ist zwar kein riesen Sprung nach vorn, aber immerhin: Deutschland liegt nicht länger auf dem letzten Platz der weltweiten Geburtsstatistik. Es scheint, als würde sich langsam eine Trendwende abzeichnen und Frauen und Männer wieder mehr Lust auf Babys haben.

Von Merle Wuttke

Die gute Nachricht: Wir sind nicht mehr auf dem letzten Platz. Die schlechte Nachricht: Dafür liegen wir jetzt auf dem vorletzten. Die Rede ist von der internationalen Geburtenrate. Nur die Japaner bekommen noch weniger Kinder als wir. Trotzdem: Auch, wenn sich die Steigerung erst einmal nach keinem großen Sprung anhört, deutet sich seit wenigen Jahren eine vorsichtige Trendwende in Sachen Familiengründung an – die Deutschen scheinen tatsächlich wieder mehr Lust auf Baby zu bekommen.

Das zeigen auch Zahlen des Statistischen Bundesamtes – 2014 kamen erstmals so viele Kinder zur Welt wie 1990 bei der Wiedervereinigung, und auch Familiensoziologen stellen seit 2012 fest, dass die Geburtenzahlen kontinuierlich ansteigen. Die Gründe dafür sind auch für die Forscher schwer zu fassen. Zum einen, so vermuten sie, sei die Stimmung im Moment einfach positiv im Bezug aufs Kinderkriegen. Zum anderen könnten auch familienpolitische Instrumente wie das Elterngeld tatsächlich Wirkung zeigen.

Belegt ist zudem, dass Frauen mit Migrationshintergrund mehr Kinder bekommen. Dass aber der Zustrom von Flüchtlingsfamilien sich in der Statistik niederschlägt, halten die Wissenschaftler für kaum relevant. Was also könnte es sein, dass die Leute bewegt wieder Kinder zu bekommen?

Das Leben in der Stadt ist für Familien leichter

Klar ist, dass die Familie in den letzten Jahren in der Öffentlichkeit neu aufgestellt wurde. Politiker haben ihre Wichtigkeit für die Gesellschaft erkannt, berufstätige Mütter bekommen mehr politische Unterstützung als noch vor zehn Jahren, auch wenn die Vereinbarkeit von Familie und Job nach wie vor ein Problem ist. Die jungen Männer und Väter heute gehen mit einem anderen Selbstverständnis an die Familiengründung heran: Sie möchten teilhaben an der Erziehung und sehen die Familienarbeit als gemeinsame Aufgabe an. Das wiederum führt dazu, dass Frauen sich eher für Kinder entscheiden.

Auch die finanzielle Unterstützung durch den Staat mit der Einführung des Elterngeldes erleichtert die Entscheidung sowie die neue Selbstverständlichkeit der Frauen, dass man sein Kind mit einem Jahr in die Krippe gehen kann, um wieder zu arbeiten – ohne schlechtes Gewissen. Auch der Krippenausbau und die teilweise in vielen Städten kostenlosen Kitaplätze bewegen junge Frauen und Männer dazu, Familien zu gründen.

Außerdem haben viele Prominente vorgemacht, dass Kinder zu ihrem Lebensentwurf ganz selbstverständlich dazu gehören, Models verstecken ihre Schwangerschaften nicht länger, Schauspielerväter wie Matt Damon präsentieren sich als Super-Dad. Auch diese Bilder erzielen unbewusst eine gewisse Wirkung, was die eigene Haltung in Sachen Kinder angeht.

Moderne Elternhefte wie Brigitte MOM und Nido zeigen außerdem, dass Elternsein nicht automatisch mit einem Spießer-Dasein gleichzusetzen ist. Wer Kinder bekommt, zieht deswegen nicht sofort aufs Land ins Eigenheim, sondern – im Gegenteil – bleibt mitten in der Stadt wohnen. Das zeigen die Geburtenraten in Städten wie Köln oder Hamburg.

In großen Städten gibt es eben die bessere Infrastruktur, was Kitas, Schulen, Sportvereine angeht. Es gibt tolle Angebote für Eltern und Kinder. Und auch die Wege sind kürzer, was bedeutet, dass man vieles mit dem Rad erledigen kann und sich damit das Auto spart. Außerdem können Mama und Papa in der Stadt weiterhin ihrem „alten“ Leben frönen – ins Kino, Konzert oder Essen gehen.

Dafür nehmen jungen Eltern gern weniger Platz und höhere Mieten in Kauf. Die Luft mag auf dem Land besser sein, für Familien ist das Leben in der Stadt dennoch oft leichter. Und diese Leichtigkeit wiederum macht es einfach sich für Kinder Nummer Zwei und immer öfter auch Nummer Drei zu entscheiden.

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