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Medikamente rezeptfrei kaufen: Gefährliche Neben- und Wechselwirkungen möglich

Wechselwirkungen können gefährliche Folgen haben
Wechselwirkungen können gefährliche Folgen haben Die Deutschen schlucken zu viele Medikamente 00:05:52
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Zu Risiken und Nebenwirkungen am besten den Arzt oder Apotheker fragen

Die Wenigsten gehen wegen Kopfschmerzen, Zahnschmerzen oder einer Erkältung direkt zum Arzt. Viele Menschen kaufen sich lieber rezeptfreie Medikamente, die bedenkenlos geschluckt werden, bis die Symptome nachlassen. Das kann zu gefährlichen Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln führen.

Medikamente rezeptfrei kaufen ist nicht unproblematisch.
Tabletten schlucken bis die Schmerzen nachlassen - ein riskantes Rezept. © Sven Weber

Acht Milliarden Medikamente werden pro Tag als sogenannte Tagesdosis in Deutschland eingenommen. Damit hat sich der Medikamentenkonsum in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Viele verordnen sich die freiverkäuflichen Medikamente einfach selber, ohne vorher mit dem Arzt zu sprechen. Die wenigsten machen sich Gedanken über die Neben- oder mögliche Wechselwirkungen. Dabei kann schon ein harmloser Husten bei falscher Medikamenteneinnahme zur echten Gefahr werden. "Es gibt freiverkäufliche Hustenstiller, die in Form von alkoholischen Auszügen angeboten werden. Häufig nehmen die Patienten erheblich mehr, weil sie denken, sie tun sich damit etwas Gutes und der Alkoholspiegel ist dann ziemlich hoch", sagt Dr. Wolfram Landmann. Zum Alkohol kommt ja auch noch der Wirkstoff hinzu, der oft auch einen sedierenden Effekt hat.

Nach der Einnahme fällt man in eine Art Trunkenheit. Die möglichen Folgen sind Schwindelgefühl, Konzentrationsschwäche und eine eingeschränkte Motorik. Wer diese Medikamente längere Zeit einnimmt, muss mit schwerwiegenden Folgen rechnen, nicht selten sogar mit Alkoholsucht oder Leberzirrhose.

Aber auch bei der Dosierung machen viele Patienten Fehler - wer mehr schluckt als empfohlen oder die Pillen eigenmächtig absetzt, bringt sich in Gefahr. Apothekerin Margit Schlenk empfiehlt ihren Kunden hier eine Stammapothekenkarte: „Angenommen, ein Patient muss von einem Blutdruckmittel zwei Tabletten pro Tag einnehmen und er bekommt eine Hunderter-Packung. Und ich würde dann sehen, dass diese Hunderter-Packung fünf Monate hält. Dann kann ich den Herrn Meier oder Müller fragen, ‚Haben sie das Medikament nicht vertragen oder abgesetzt?", erläutert die Apothekerin.

Statt Medikamente ohne Rezept lieber Hausmittel nehmen

Auch die Selbstbehandlung von Rückenschmerzen sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Tabletten zu schlucken bis die Schmerzen nachlassen, ist ein riskantes Rezept. "Freiverkäufliche Schmerzmittel haben, wenn sie in höherer Dosis genommen werden, durchaus das Risiko, dass sie auf den Magen gehen und auch Magengeschwüre auslösen können", so Landmann.

Im Alltag können die Nebenwirkungen rezeptfreier Arzneimittel fatale Folgen haben. So ist man zum Beispiel unter Medikamenteneinfluss nicht mehr geschäftsfähig, das heißt man ist nicht uneingeschränkt fit und sollte dann auch lieber die Finger von Vertragsabschlüssen lassen. Auch das Autofahren kann zur echten Gefahr werden.

Der Arzt empfiehlt vor der willkürlichen Tabletteneinnahme lieber erst einmal auf gute alte Hausmittel zurückzugreifen. "Gerade bei Kopfschmerzen kann man mal eine kalte Kompresse auf die Stirn legen, etwas Grünen Tee trinken und ein bisschen Japan-Öl inhalieren, das hilft auch."

Also schlucken Sie nicht willkürlich Tabletten. Verordnen Sie sich lieber eine kleine Auszeit und gehen Sie zum Arzt, wenn die Beschwerden sich nicht bessern. Und generell ist es immer ratsam, dass Sie sich eine Liste aller Medikamente machen, die Sie regelmäßig einnehmen. Wenn der Arzt oder Apotheker danach fragt, haben Sie so alles griffbereit.

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