Matthias Schweighöfer: Probleme in der Beziehung sind normal

Matthias Schweighöfer über Beziehungsprobleme
Matthias Schweighöfer über Beziehungsprobleme © dpa bildfunk

Probleme gehören zur Beziehung dazu

Man ist ja inzwischen derart an Intrigen, Skandale und eigenartige Statements von Promis gewöhnt, dass man sich richtig aus tiefstem Herzen freuen kann, wenn einer von denen mal etwas ganz Normales, Vernünftiges erzählt. Matthias Schweighöfer hat das jetzt getan. Der Schauspieler und Produzent plauderte in einem Interview sehr offen über seine Beziehung zu Anni Schromm. Seit acht Jahren sind die beiden ein Paar. In guten wie in schlechten Zeiten. Oder wie er es formulierte: mit "Höllenzeiten".

Von Ursula Willimsky

Die beiden haben eine zweieinhalb Jahre alte Tochter. Und mit dem Kind, so scheint es, hat sich auch ihr Leben dramatisch verändert. "Am Anfang haben wir viel zusammen unternommen, jetzt fast gar nichts mehr. Das liegt vor allem daran, dass wir ein Kind haben und beide arbeiten", erzählt er in 'Brigitte Balance'. Aha, auch bei Schauspielern besteht der Alltag also noch aus etwas anderem als dem gemeinsamen Besuch von In-Partys und Szene-Restaurants. Wahrscheinlich haben die keine Oma am Ort, der Babysitter sagt immer kurzfristig ab und irgendwie warten wohl auch die darauf, dass das Kind größer wird und man wieder etwas als Paar unternehmen kann.

Schweighöfer: An Beziehung arbeiten

Wobei das gemeinsame auch nicht immer einfach ist. Wenn er bei einem Dreh ist und seine Freundin Zuhause, lebe jeder so sein Leben. Wenn sie sich dann wiedersehen, "streiten wir uns grundsätzlich erst mal. Jeder hat sich daran gewöhnt, Dinge alleine zu entscheiden. Wir müssen uns zunächst wieder als Paar zusammenraufen." Hah! Auch das kann man sich ja lebhaft vorstellen. Bei Schweighöfers gab es anscheinend viele Krisen und "Höllenzeiten. Krisen, die andere Paare auch erleben: Man überlegt, ob man sich trennt, ob man in getrennte Wohnungen zieht, wer das Sorgerecht bekommt", so Schweighöfer.

Nun freut es uns natürlich nicht, dass in der Beziehung des Schauspielers nicht immer alles glatt läuft, aber wir finden es toll, dass er das so selbstverständlich als Teil einer lebenden Beziehung ansieht - und darüber spricht. Wer von uns würde schon freiwillig erzählen, dass der Partner ihn zurzeit nervt? Dass man schon mal über Trennung nachgedacht hat oder ähnliches? Nach außen hin neigt man doch eher zur Frühstücks-Margarine-Familie mit Harmonie-Garantie.

Liebe und Beziehung nach Krise gestärkt

Dass man sich für eine Partnerschaft Zeit nehmen müsse, damit sie funktioniere erzählt er noch. Auch irgendwie banal - und irgendwie so was von richtig und wichtig. Man sagt ja, dass eine Beziehung Arbeit bedeutet. Wie die beiden konkret gegen ihre Krisen angearbeitet haben, verrät er uns leider nicht. Viele, viele intensive Gespräche? Einfach akzeptieren, dass die blaue Tasse im Küchenbord links steht und dort keine andere Tasse hingehört? Dem anderen Freiräume lassen und dennoch die Verbundenheit spüren lassen? Nicht wieder rumnölen, weil das Sofa mit Zeitschriften zugemüllt ist? Bekommt man so die Beziehungskurve, wenn Trennungsgedanken wie ein Damoklesschwert über jeder Diskussion hängen? Woher weiß man überhaupt, dass es noch Sinn macht, sich für den anderen Zeit zu nehmen?

Eigentlich kann man das ja erst erfahren, nachdem man es getan hat: Wenn die Beziehung nach einer "Höllenzeit" wieder funktioniert, war's wohl die richtige Entscheidung, in sie zu investieren. Nach wie vielen "Höllenzeiten" endgültig Schluss ist - diese Frage muss wohl jedes Paar für sich selbst entscheiden. Bestenfalls hat es so viel an sich gearbeitet, dass es eben kaum noch Höllenzeiten gibt.

An einer langen Beziehung zu arbeiten, hat ja durchaus seine Vorteile, so sieht es Schweighöfer. "Meine Freundin und ich vertrauen einander und fühlen uns für den anderen verantwortlich. Wir haben schon so viel miteinander erlebt und auch Höllenzeiten überstanden, das kann keine bloße Verliebtheit mehr aufwiegen."

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