Matratzen-Protest nach Vergewaltigung wird zur 'Carry that Weight‘-Bewegung

Matratzen-Prostest nach Vergewaltigung
Emma Sulkowicz soll an ihrem ersten Tag in der Uni vergewaltigt worden sein © Getty Images, Andrew Burton

Emmas Aktion wird zur Protestbewegung

Emma Sulkowicz soll an ihrem ersten Tag in der Uni vergewaltigt worden sein. Ihre Beschwerde gegen den Peiniger, einen Kommilitonen, die sie an der Columbia University (New York) einreichte, wurde nicht erhört. Also startete die Kunststudentin einen stillen Protest: Überall, wo sie hingeht, nimmt sie ihre Matratze mit, damit der Vorfall nicht vergessen werde, so die 21-Jährige. 'Carry that Weight' nennt sie die Aktion – über den Fall haben wir berichtet. Mittlerweile ist aus der Aktion einer jungen Frau eine richtige Bewegung entstanden, die auf die Lage und unterdrückte Rolle junger Frauen an Elite-Universitäten aufmerksam machen soll. Doch nicht nur das: Die blaue Matratze ist gleichzeitig Teil der Kunstperformance, die zu Emmas Abschlussarbeit werden soll.

Mittlerweile hat Emma jede Menge Anhänger, die sich über die Website 'carryingtheweighttogether.com' organisieren. Sie wollen mit der Künstlerin Solidarität bekunden – und das auch über Twitter und den Hashtag '#carrythatweight'. Nicht nur die angebliche Vergewaltigung, sondern auch die falsche Reaktion der Uni, nämlich das Ignorieren von Emmas Wunsch, den mutmaßlichen Täter vom Studium auszuschließen, wollen sie nicht länger hinnehmen. Aber kann die Columbia University überhaupt anders?

Eine Anzeige gegen den Studenten liegt erst seit wenigen Tagen vor – eine Verurteilung ist zum jetzigen Zeitpunkt also nicht zu erwarten, ebenso wenig wie eine Reaktion der Uni. Denn einzig auf die Aussage von Emma und anderen angeblichen Vergewaltigungsopfern wolle man sich an der Eliteuni nicht berufen. Rein rechtlich gesehen ist die Uni also auf der sicheren Seite - doch für Emma und ihre Anhänger ist das der Gipfel eines Systems, welches Frauen zu Opfern und Männer zu Tätern macht. Immerhin hätten sich bereits 23 Frauen gemeldet, die über ähnliche Erfahrungen mit Emmas mutmaßlichem Peiniger berichten.

Also treffen sich nun die Aktivisten und helfen Emma dabei, ihre Matratze zu tragen oder bringen eigene Matratzen mit. Sie tun es aus demselben Grund, aus dem Emma sich dafür entschied: "Ich nehme die Matratze mit, damit die Leute sehen, dass dies überall geschehen kann. Sie steht als Metapher für einen intimen Rückzugsort des Menschen, der an die Öffentlichkeit gezerrt wird", sagte Sulkowicz in einem ihrer Videos zur Aktion. Sie rechnet damit, dass die ihre Matratze mindestens bis zum Abschluss mit sich herum schleppen wird, denn eine mögliche Verurteilung sei vorher ohnehin nicht mehr zu erwarten.

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