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'Maternal Gatekeeping': Wenn die Mutter den Vater nicht lässt

12.06.14 10:59
'Maternal Gatekeeping': Wenn die Mutter den Vater nicht lässt
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Papas sind auch gute Mamas!

Wenn mein Sohn hinfällt und weint, dann ruft er Mama oder Papa, je nachdem, wer gerade auf ihn aufpasst. Sind wir beide da, entscheidet das Zufallsprinzip. Das finde ich ganz normal, schließlich sind wir auch beide seine Eltern. Ist es aber nicht, denn viele Kinder suchen nur bei Mama Trost. Lassen sich nur von Mama anziehen, wickeln, ins Bett bringen. Arme Mama? Mitnichten! Armer Papa muss es heißen. Denn Mama lässt ihn nicht. Das Ganze hat sogar einen Namen: 'Maternal Gatekeeping'.

Von Britta Dorn

"Lenchen, komm zu Mama" – ruft die Mutter quer über die Wiese. Dabei steht der Vater daneben und hat die Einjährige längst auf den Arm genommen. Die will sich nach ihrem Sturz gerade an ihn Kuscheln und beruhigen, da zetert die Mutter: "Nun gib sie mir schon!" Der Vater will widersprechen und da fängt Lenchen auch schon wieder lauthals an zu brüllen. "Siehst du, du kannst das nicht. Sie will von der Mama getröstet werden", sagt sie und reißt ihm das Kind aus dem Arm. Der Vater steht da wie ein Trottel, das Kind ist verwirrt. Solche und ähnliche Situationen habe ich schon oft beobachtet. Und ich kann mich nicht davon frei machen, dass auch ich direkt einen ähnlichen Impuls verspüre, wenn mein Sohn weint. Aber dem kann ich widerstehen, denn mein Mann tröstet ihn genauso gut wie ich – das hab ich schon tausendmal mitbekommen.

Ist das evolutionsbedingt, dass so viele Mütter sich eine festere Bindung zum Kind zusprechen als ihrem Partner? Dass sie der Meinung sind, nur sie würden die Gebrauchsanweisung für das Kind kennen? Das wäre eine Erklärung, schließlich sind auch sie es, die das Kind neun Monate unterm Herzen tragen. Aber mal ehrlich, ist das nicht schon Privileg genug? Mir geht es seit jeher eigentlich eher so, dass ich ein schlechtes Gewissen habe, weil ich erleben durfte, was mein Mann nur erahnen konnte. Erst nur ein leichtes Blubbern im Bauch, dann Tritte und Bewegungen. Ich konnte lange vor ihm mit unserem Sohn kommunizieren. Und nach der Geburt ging das so weiter – alle drei Stunden beim Stillen waren wir so innig, dass kein Haar zwischen uns gepasst hätte. Deshalb fand ich es so wichtig, dass er ihn wickeln und ins Bett bringen und mit ihm auf dem Bauch einschlafen konnte.

Es handelt sich jedenfalls um ein wissenschaftlich erforschtes Phänomen, das die Experten 'Maternal Gatekeeping' (Mütterliches Türstehen) nennen. Einer US-Studie der Brigham Young University von 1999 zufolge legen etwa 20 bis 25 Prozent der verheiraten Mütter so ein Verhalten an den Tag. Diese Frauen sehen ihren Partner – den Vater ihrer Kinder – fast ausschließlich als Ernährer. Nur sich selbst trauen sie die Erziehung und liebevolle Betreuung zu und setzen dabei völlig überhöhte Standards, die auch nur sie selbst erfüllen können. Der Partner hat überhaupt keine Chance.

Diese Mütterblockade tritt vor allem beim ersten Kind auf. Eine mögliche Ursache liegt in der Struktur unserer Gesellschaft. Leider ist es in vielen Familien immer noch so, dass die Väter durch besseren Verdienst in die Versorgerrolle gedrängt werden. Um auszugleichen, dass sie finanziell nichts mehr beitragen können, entwickeln die Frauen einen häuslichen Perfektionismus.

Wenn die Mama lieber alleine erziehen möchte

'Maternal Gatekeeping': Väter leiden darunter

Nichts desto trotz: Väter leiden darunter, wenn Mütter ihnen die Kinder entziehen. Ich weiß das, weil mir schon einige ihr Leid geklagt haben. Ein Freund konnte seinen Sohn das komplette erste Jahr nicht ein einziges Mal abends ins Bett bringen – weil seine Frau ihn immer in den Schlaf gestillt hat. Ein anderer hat noch keine Stunde allein mit seiner acht Monate alten Tochter verbracht, weil seine Frau sich nicht so lange von ihr trennen will. Sie meint, die Kleine sei noch nicht so weit. Aha. Hat sie das gesagt, oder was?

Aber wissen die Frauen gar nicht, was sie ihren Männern, aber vor allem sich selbst damit nehmen? Denn schließlich geben sie damit ja auch ihre eigenen Freiheiten auf. Ich war überglücklich, als ich drei Monate nach der Geburt endlich mal wieder mit meiner Freundin ausgehen konnte. Es waren nur ein paar Stunden und ich war – zugegebener Maßen – unentspannt. Aber es war ein erster Schritt und ich habe es genossen, mal wieder in meine alte Welt abzutauchen. Und ein tolles Learning: Beide Jungs lebten noch, als ich wieder kam. Aber jetzt mal im Ernst: Warum sollten sie nicht?!

Vielleicht musste ich auch von Anfang an so entspannt an die Sache herangehen, denn ich wusste, dass ich nach sieben Monaten wieder in den Job zurückkehre würde. Die nächsten sieben Monate blieb mein Mann zu Hause. "Dass du dich acht Stunden lang von deinem Baby trennen kannst, das verstehe ich nicht" – das war noch einer der netteren Kommentare von anderen Müttern. Mein "Aber er ist doch bei seinem Vater" rief jedes Mal verdutzte Gesichter hervor. Ja, stimmt eigentlich, mussten dann einige eingestehen. Andere ließen auch das nicht gelten. Zum Glück kann man den Kontakt zu diesen Müttern abbrechen.

Papas sind so wichtig für Kinder. Sie spielen ganz anders mit ihnen, sind oft viel weniger ängstlich und streng und damit ein gutes Gegengewicht zur Mama. Wenn ich mal länger nicht da bin, wird gerauft, was das Zeug hält. Laut Musik gehört und Pizza vor dem Fernseher gegessen. Dann freuen sich die beiden diebisch, dass ich mich total aufregen würde, wenn ich das jetzt wüsste. Ich weiß es natürlich, weil mein Mann und ich hinterher gemeinsam darüber lachen. Aber das Interessanteste ist ja: Am Ende steht unser Vierjähriger pflichtbewusst auf und putzt sich die Zähne, so wie Mama es ihm tagtäglich predigt. Es läuft also nicht alles aus dem Ruder.

Die sieben gemeinsamen Monate haben meinem Sohn, meinem Mann und vor allem mir sehr gut getan. Denn ich bin – im positiven Sinne – verzichtbar. Wenn ich morgens aus dem Haus gehe, dann sitzen die beiden im Kinderzimmer auf dem Boden und bauen zusammen Lego. Manchmal rufe ich ein "Tschüss" hinein, und keiner der beiden reagiert, so vertieft spielen sie. Dann bin ich nicht beleidigt, sondern glücklich. Dass die beiden sich haben. Und dass ich in Ruhe zur Arbeit fahren kann.

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