Massentierhaltung und Vegetarismus: Wie gehen wir damit um?

Warum sich Frauen bewusst für Vegetarismus entscheiden

Unser Fleisch wird immer billiger, die Qualität wird immer schlechter. Jetzt senkt Aldi sogar noch weiter die Fleisch-Preise. Das bringt die Tierschützer auf die Barrikaden und wirft die Frage auf: Wie gesund kann Billig-Fleisch aus Massentierhaltung eigentlich sein? Sollten wir uns nicht besser gesünder und umweltfreundlicher, also vegetarisch ernähren? Immerhin essen sowieso mehr Frauen als Männer vegetarisch. Woran kann das liegen?

Massentierhaltung und Vegetarismus: Wie gehen wir damit um?
Frauen ernähren sich bewusster als Männer © picture alliance / Bildagentur-o

Von Jutta Rogge-Strang

Experten sind sich einig: Ernährung ist geschlechtsabhängig. Männer sehen im Verzehr von Fleisch eher einen Zusammenhang mit Kraft und Potenz, Frauen haben eher ein ausgeprägteres Gesundheitsbewusstsein. Eine gesunde Lebensweise ist auch der häufigste Grund für den Verzicht auf Fleisch, das belegen Studien. Danach folgen ethische, ökologische und religiöse Motive.

Frauen haben einen engen Kontakt zur Ernährung: Sei es, weil sie oft die Nahrung zubereiten, sei es, weil sie sich mit den Inhaltsstoffen beschäftigen oder Wert legen auf kalorienarme oder gesunde Kost. In Deutschland ernähren sich etwa sechs Prozent der Bevölkerung vegetarisch. Der größere Teil davon ist in jedem Fall weiblich. Die Zahlen schwanken von einem Viertel bis doppelt so viel mehr als Männer. Zum Vergleich: In Indien sind etwa 30 bis 40 Prozent Vegetarier.

Die Gründe für eine vegetarische Lebensweise sind unterschiedlich: Einige wollen, dass kein Tier ihretwegen getötet werden muss, andere haben gesundheitliche Motive. Unbestritten ist, dass Vegetarier länger leben. Allerdings achten Vegetarier insgesamt auf eine gesündere Lebensweise: Sie sind im Schnitt körperlich aktiver und verzichten eher auf Nikotin und Alkohol. Das könnte der Grund für ein längeres Leben sein, denn empirisch konnte kein Zusammenhang zwischen vegetarischer Lebensweise und Lebensdauer bewiesen werden.

Gibt es in jedem Land Massentierhaltung?

Manche Vegetarier mögen einfach kein Fleisch, andere kümmern sich um den Umweltschutz und halten intensive Tierhaltung für umweltschädlich und verantwortlich für Hungersnöte in den Entwicklungsländern. Die meisten Vegetarier weltweit finden sich in Religionen indischen Ursprungs.

In den westlichen Kulturen hat sich der Vegetarismus auch durch die Feministinnen entwickelt. Sie halten das Essen von Fleisch für ein Symbol männlicher Dominanz. Vegetarisches Essen hingegen sei ein Symbol für weibliche Autonomie und die Ablehnung von männlicher Kontrolle und Gewalt. Aus welchen Gründen auch immer man sich vegetarisch ernährt, gesünder ist es auf jeden Fall. Und wenn man dazu noch auf eine ausgewogene vegetarische Ernährung achtet, macht es auch noch schlank. Das sind sehr gute Gründe, sich vegetarisch zu ernähren, und viele Frauen richten sich danach.

Allerdings gibt es in Deutschland auch massiven Widerstand gegen vegetarische Ernährung. Als die "Grünen" 2013 in deutschen Kantinen einen Veggi-Day pro Woche forderten, mischte sich sogar die Bundesregierung ein: Fleisch gehöre zum Essen dazu. Und die Bundesbürger nehmen das sehr ernst. Wir haben einen pro Kopf-Verbrauch von rund 60 Kilogramm Fleisch pro Jahr. Eine Studie der Techniker-Krankenkasse fand heraus, dass viele Bundesbürger nach wie vor zu viel Fleisch und Wurst essen - und zwar vor allem Männer. Während nur vier von zehn Frauen täglich Wurst oder Fleisch zu sich nehmen, sind es sechs von zehn Männern. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt seit langem, sich vorwiegend mit pflanzlichen Lebensmitteln zu ernähren.

Dabei ist es in Deutschland mittlerweile leicht geworden, sich vegetarisch zu ernähren: Von Restaurants bis hin zum Supermarkt-Regal finden sich die unterschiedlichsten vegetarischen Angebote. Und dass vegetarisches Essen überaus schmackhaft sein kann, hat nicht erst die indische Küche bewiesen - für Männer und Frauen.

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