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Masern-Todesfälle: Weltweit sterben täglich 400 Kinder an der Infektion

Forscher warnen: Nur 63 Prozent der Kinder sind geschützt
Forscher warnen: Nur 63 Prozent der Kinder sind geschützt Masern: Ist eine Impfpflicht notwendig? 00:01:07
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Ohne Impfung kann eine Masernerkrankung tödlich enden

Experten beschreiben Masern als ernstzunehmende Krankheit, da sie das Immunsystem schwächt und schwere Komplikationen wie Gehirnentzündungen mit sich bringen kann. Schwere Verläufe werden vor allem bei Säuglingen und Erwachsenen beobachtet. Trotz großer Erfolge im Kampf gegen die Masern sterben nach Angaben internationaler Organisationen weltweit noch jeden Tag etwa 400 Kinder an der Infektionskrankheit. Lückenlose Impfkampagnen könnten dies verhindern, heißt es im neuen Masern-Lagebericht. Die meisten Todesfälle gibt es demnach weiter in armen Ländern Afrikas und Asiens. Aber auch in Deutschland sei 2015 wegen einer zu geringen Impfquote ein Anstieg von Maserninfektionen verzeichnet worden. 

Weltweit gelang es dem Bericht zufolge, die Zahl der Masern-Todesfälle zwischen 2000 und 2015 um 79 Prozent zu senken. Dank Impfkampagnen seien in diesem Zeitraum mehr als 20 Millionen Menschenleben gerettet worden. Etwa 20 Millionen Kinder allerdings hätten allein im Jahr 2015 keine Impfung erhalten, 134.000 seien an Masern gestorben. Drei Viertel aller Todesfälle gab es in der Demokratischen Republik Kongo, Äthiopien, Indien, Indonesien, Nigeria und Pakistan, wo insgesamt zehn Millionen Kinder nicht geimpft worden seien. 

In Deutschland erkrankten 2015 nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) knapp 2.500 Menschen an Masern. 2014 war in Berlin ein Kind daran gestorben. Kleinkinder in Deutschland sind aus Forschersicht noch immer unzureichend gegen Masern geimpft. Nur 63 Prozent der Kinder erhalten vor ihrem zweiten Geburtstag die nötige Doppel-Impfung, wie Wissenschaftler vom Versorgungsatlas mitteilten. Mehr als 73.000 Kleinkinder der Geburtsjahrgänge 2009 bis 2012 sind demnach nicht gegen Masern geschützt. Veröffentlicht wurden die Zahlen in einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dem UN-Kinderhilfswerk (Unicef) sowie der US-Gesundheitsbehörde CDC und der Impfallianz Gavi. 

Kann eine Impfpflicht Kinder in Deutschland retten?

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) nennt die Entwicklung der Krankheitsfälle "besorgniserregend" und fordert eine Impfpflicht. "Diese Impflücken bei Kleinkindern können in Kindertagesstätten und -horten fatale Folgen haben, wenn die Infektion eingeschleppt wird", sagt der Leiter des Versorgungsatlas, Jörg Bätzing-Feigenbaum. In der Politik werde die Tatsache ausgeblendet, dass Eltern zum Teil durch sachliche Argumente nicht zu erreichen oder nachlässig bei Impfterminen seien. Gut gemeinte Kampagnen reichten nicht aus. "73.000 ungeschützte Kinder sind der Beweis. Und sie sind eine Mahnung: Wir brauchen eine Impfpflicht", sagte Fischbach. Eine solche Forderung wurde in den vergangenen Jahren auch in der Politik geäußert, konnte sich aber nicht durchsetzen. Was hingegen nun Pflicht ist, ist die Impfberatung. Doch die allein genüge  nicht: "Die verpflichtende Impfberatung, die inzwischen Gesetz ist, reicht leider nicht aus, um die Masern auszurotten und Kinder zu schützen", erklärte der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach. Eine Impfpflicht sei nötig zur Ausrottung der Masern und auch der Röteln. Fischbach attestiert Deutschland ein "gewaltiges Masernproblem". 

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