Mark Zuckerberg spendet Vermögen: Machen Kinder uns zu besseren Menschen?

Baby und Mutter liegen nebeneinander
Wenn ein Baby da ist, verändert sich bei Eltern vieles - auch die Weltansicht

Wenn ein Kind alles verändert

Na, das ist ja mal ein Statement! Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat angekündigt langfristig 99 Prozent seines Vermögens für wohltätige Zwecke zu spenden. Der Grund: Seine neu geborene Tochter Max. Er möchte ihr eine bessere Welt bieten als unsere heutige. Aber: Verändert ein Kind den Blick aufs Leben tatsächlich so sehr?

Von Merle Wuttke

Er galt bislang ja nicht gerade als sozial besonders kompatibel, sondern eher als kauzig. Und dass er ein großes Herz für Menschen hat, konnte man ihm bisher auch nicht wirklich nachsagen: Menschen und deren Bedürfnisse schienen für Mark Zuckerberg eher so etwas wie der Mittel zum Zweck. Nämlich, um sein digitales Imperium weiter auszubauen und dank der vielen gesammelten persönlichen Informationen, die in den Millionen von Profilen abrufbar sind, neue Technologien zu entwickeln, die seine unternehmerische Macht weiter stärken würden. Jetzt ist Zuckerbergs Tochter Max auf die Welt gekommen und - man reibt sich verwundert die Augen - der frischgebackene Papa wird über Nacht zum Wohltäter.

Und man fragt sich: Liegt diese Wandlung nun tatsächlich allein am Baby? Oder steckt doch auch Unternehmer-Kalkül dahinter? Wahrscheinlich ist es von beidem etwas. Sicher ist allerdings: Priscilla Chan, Zuckerbergs Frau, versuchte bisher vergeblich ein Kind zu bekommen - drei Fehlgeburten erlitt die 30-Jährige in den letzten Jahren. Erst im Spätsommer postete Zuckerberg auf Facebook eine Art offenen Brief, in dem er dazu aufrief, freier über das Tabu Fehlgeburten zu sprechen.

Das zeigt, wie schmerzvoll für ihn diese ständige Angst um das Leben eines Ungeborenen und die Ungewissheit, ob diesmal die Schwangerschaft bestehen bleiben würde, gewesen sein müssen. Umso größer ist garantiert jetzt seine Freude und Erleichterung, dass die kleine Max es tatsächlich ins Leben geschafft hat. Und unter diesen Umständen nimmt man ihm auch ab, dass er seiner Tochter "eine bessere Welt hinterlassen will" wie er es selbst beschreibt.

Kinder machen das Herz weich

Denn, dass sich der Blick auf das Leben, auf die eigene Endlichkeit und die Welt grundlegend ändert, sobald ein Kind geboren wird, dieses Gefühl kennen alle Eltern. Nichts, was vorher wichtig war, ist dann noch von Bedeutung. Der Job, der einen immer so in Anspruch genommen und ausgefüllt hat, der so unglaublich wichtig erschien - plötzlich merkt man wie banal das Ganze berufliche Brimbamborium oft ist.

Genauso wie die Shopping-Trips oder Städte-Reisen, die man machte, um sich etwas zu gönnen. Erst mit Kind wird einem bewusst, mit welchen oberflächlichen Dingen man sich auf diese Weise abgelenkt hat, um möglichst wenig von der echten Welt da draußen etwas mitzubekommen. Seid ich Kinder habe, kaufe ich immer noch gern ein - keine Frage, da kann ich auch nicht aus meiner Haut, aber ich versuche mir möglichst dabei die Frage zu stellen: Brauche ich das wirklich? Wie nachhaltig lebe ich? Was kann ich eigentlich dafür tun, dass man meine Enkelkinder später nicht mit Pol-Schmelze und Rohstoffmangel leben müssen? Ich spende auch wesentlich mehr, seitdem ich eine Familie habe. Bilder von Kindern auf der Flucht, von Waisen, kann ich nur schwer ertragen.

Kinder machen das Herz weicher, weil sie darin eine Kammer öffnen, von der man bislang nicht wusste, dass man sie überhaupt mit sich trägt. Sie erweitern das eigene Gefühlsspektrum um eine Größe, die man nur schwer Anderen erklären kann, weil man sie selbst erfahren muss. Ja, das klingt pathetisch, aber genau so fühlt sich das an.

Ich für meinen Teil glaube, dass ich erst zu einem wirklich emotional reifen und vollständigen Menschen geworden bin, seitdem ich selbst Kinder habe. Die Welt mit ihren furchtbaren, scheinbar oft unlösbaren Problemen, ist dadurch manchmal auch schwerer zu ertragen. Gleichzeitig wächst der Wille sie verändern zu wollen. Wenn auch nur im Kleinen. Und wenn jemand wie Mark Zuckerberg die Möglichkeit hat, dies im großen Stil zu tun - ich wäre die Letzte, die ihn aufhält.

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