Marilyn Monroe: Vom Aschenputtel zum Superstar

Was machte Marilyn Monroe zur Legende?

Marilyn Monroe war die berühmteste Sexbombe der Welt und ist es – 52 Jahre nach ihrem Tod – bis heute geblieben. Die platinblonde Marilyn – eigentlich Norma Jean Baker (oder als Geburtstname Norma Jeane Mortenson) – wurde in den 50er-Jahren zum absoluten Weltstar und war der Traum aller Männer. Was fasziniert die Menschen an Marilyn bis heute?

Marilyn Monroe: Sexsymbol und ernstahfte Schauspielerin
Schauspielerin und Sexsymbol Marilyn Monroe: Was macht sie so faszinierend? © picture alliance / dpa, Andre De Dienes / Julien's Aucti

Von: Jutta Rogge-Strang

Vielleicht ist es der Aufstieg vom Aschenputtel zum Superstar, der Marilyn schon zu Lebzeiten zur Legende machte. Sie wuchs in armen Verhältnissen auf, als ungewolltes Kind der Filmcutterin Gladys Pearl Baker, geborene Monroe, die sich erst aus finanziellen Gründen nicht um Norma kümmern konnte und in späteren Jahren wegen Depressionen und schizophrener Anfälle in der Psychiatrie behandelt wurde. Norma wurde von einer Pflegefamilie zur nächsten weitergereicht, ihr Vater ist letztlich nicht bekannt, es kommen mehrere Männer in Frage. Mit 12 Jahren wurde sie von einem 13-jährigen Cousin missbraucht, mit knapp 16 Jahren heiratete sie einen Jugendfreund, um ein weiteres Mal dem Waisenhaus oder einer Pflegefamilie zu entgehen.

Normas Karriere begann 1944, als ein Militärfotograf sie bei der Arbeit in einer Rüstungsfabrik ablichtete. Sie bewarb sich bei einer Modelagentur, änderte die Haarfarbe und ihren Namen und kam – ein paar kleine Schönheitskorrekturen an Nase, Kinn und Zähnen später – schließlich zum Film. In diese Zeit fallen auch ihre später berühmten Nacktaufnahmen. Ihre Begründung: „Ich musste meine Miete bezahlen!“

Nach und nach erkannten die einflussreichen Filmstudios Marilyns Potenzial und besetzten sie immer erfolgreicher als naive Sexbombe. Marilyn war es zwar bald leid, nur das blonde Dummchen zu sein, aber ihre ernsthaften Rollen blieben immer nur Achtungserfolge, das Publikum wollte den sexy Vamp sehen.

Nach ihrer traurigen Kindheit war sie privat immer auf der Suche nach Liebe und Rückhalt. Aber auch ihre zweite Ehe mit Baseballstar Joe Di Maggio wurde nach nur neun Monaten geschieden: Während der Dreharbeiten für den Film „Das verflixte 7. Jahr“ bekam Di Maggio vor Hunderten von Zuschauern einen Eifersuchtsanfall, als Marilyn die später weltberühmte Szene drehte, in der ihr weißes Kleid über einem U-Bahn-Schacht hochweht. Auch ihre dritte Ehe - mit Schriftsteller Arthur Miller, der für sie Vaterersatz und Beschützer in einer Person war - hielt nur fünf Jahre. So sehr sie sich eine Familie wünschte, blieb ihr dieses private Glück verwehrt: In ihrer Ehe mit Miller musste sie mehrere Fehlgeburten verkraften, bedingt durch ihre Endometriose.

Ihr Tod: War es Mord oder Suizid?

Mittlerweile war Marilyn tablettensüchtig, kam bei Dreharbeiten chronisch und oft Stunden zu spät, hatte ihren Text nicht gelernt oder vergessen und musste einzelne Sätze bis zu 60 Mal wiederholen, bevor Betonung und Artikulation perfekt waren. Sie konnte nur noch mit Schlaftabletten einschlafen, trank zuviel Alkohol. Zeitgleich erreichte sie 1959 mit "Manche mögen's heiß" den Höhepunkt ihrer Karriere.

Marilyns Affäre mit dem US-Präsidenten John F. Kennedy begann 1960 und ist eng mit ihrem Tod verknüpft. Im Mai 1962 hauchte Marilyn, gekleidet in einen hautfarbenen Hauch aus Nichts mit Perlenstickerei, ihr berühmtes „Happy Birthday, Mr. President“ lasziv ins Mikrofon, so dass bei den 17.000 Gästen im Madison Square Garden keine Frage offen blieb. Am 5. August 1962 war sie tot.

Um ihrem letztlich ungeklärten Tod ranken sich zahlreiche Legenden. In ihren letzten sieben Lebensjahren war Marilyn ständig in ärztlicher und psychiatrischer Behandlung. Offiziell verübte Marilyn „wahrscheinlich Selbstmord“ durch eine Überdosis des Schlafmittels Nembutal. Aber es wurden auch Mordtheorien laut: In der Nacht ihres Todes hatte Marilyn Besuch von Kennedy-Bruder Robert (mit dem sie nach John F. ebenfalls eine Affäre hatte) und dessen Schwager Peter Lawford. Hatte Marilyn die Beziehung zu zwei Kennedy-Brüdern nicht verkraftet? Hatten die politischen Gegner der Kennedys Einfluss auf Marilyns Tod? Hatte die Mafia ihre Hände im Spiel, um den Präsidenten unter Druck zu setzen? War es nur ein unglücklicher Unfall, dass Marilyn zwei Medikamente im Körper hatte, deren Zusammenspiel zum Tode führte?

Marilyn Monroe war immer mehr als nur ein Sex-Symbol: Ihr Ruhm gründet sich auf eine einzigartige Mischung aus naivem Kind, glamourösem Vamp und verletzlicher sensibler Frau. Ihr früher Tod mit 36 Jahren machte sie zum unsterblichen Mythos, der Künstler Andy Warhol setzte ihr mit seinem Pop-Art Serienmotiv 'post mortem' ein Denkmal. Marilyn Monroe hat den amerikanischen Traum gelebt – und ist an ihm zerbrochen.

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