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Margrieta Wever: Ich bin kein Fashion-Victim!

Verückt nach Mode - Ein Erlebnisbericht
Verückt nach Mode - Ein Erlebnisbericht

Kein Fashion-Victim, aber verrückt nach Mode

Es ist kein Zufall, dass ich die Mode-Kolumne schreibe. Ich bin verrückt nach Mode. Achtung, ich bin keineswegs ein Fashion-Victim: Denn Fashion-Victims sind Opfer der Trends, die jeden Hype aus der Modewelt nachlaufen- ob schön oder nicht. Und ebenso besitze ich keine fünf Kreditkarten, die alle mit Darlehen und Schulden behaftet sind. Aber ich liebe nun mal schöne Dinge: Ob Edelholzmöbel, eine selbstgekochte Mahlzeit, Kunst an der Wand, Live-Musik oder eben hübsche Kleidung in hochwertiger Verarbeitung.

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So komme ich auch immer mal wieder in verrückte Situationen: Zum Beispiel letztes Frühjahr, als ich für ein paar Hightop-Wedgesneaker überall herum telefoniert habe und extra weit gefahren bin... Übrigens landeten diese dann nach zwei Mal tragen in einem Online-Auktionshaus. Bei einer Größe von über 1,80 Meter fand ich es letztlich doch nicht so nötig im Alltag 10 cm Absätze zu tragen.

Und nun, während der großen Ausverkaufszeit, bin auch ich auf der Jagd nach Schnäppchen. Gute Basics braucht Jeder und so manches Kleidungsstück hat den letzten Sommer – ich habe zwei wilde Racker, die gerne kleckern und schmieren - nicht überlebt. Also habe ich mich mal bei einem größeren Damenbekleidungsshop umgeschaut und so einiges zum Anprobieren in der Umkleidekabine geschleppt. Meine persönlichen Sale-Favoriten sind in diesem Jahr schlichte Tops und Blusen in zartem Weiß und Crème, aus Chiffon oder Seide. Einige Stücke gefielen mir echt gut, bei einer Bluse ärgerte ich mich aber: Sie saß hervorragend, die halben Ärmel entsprachen genau meinem Geschmack, aber hinten am Rücken waren unschöne Flecken. Klebestreifenartige Striche, die man weder wegputzen, noch wegdenken konnte. Aber halb so schlimm, im Regal hatte ich noch ein weiteres Exemplar entdeckt.

So lief ich voller Freude auf das Regal zu, nur um festzustellen, dass just in diesem Moment jemand genau dieses Bluse herausgenommen haben musste. Ein Blick durch den großen Verkaufsraum war leider auch nicht sehr hilfreich: Ich sah weder jemanden mit dieser Bluse, noch sah ich jemanden, dem ich diesen Stil und diese Größe zutrauen würde. Also ging ich ein Stockwerk höher und sofort fiel mir eine Frau auf, die mehrere solcher Blusen unter den Arm geklemmt hatte. Mist! Jetzt hatte ich mich gerade gefreut und prompt läuft mir diese – Entschuldigung - Tussi mit dem schönen Stück davon. Ich erhoffte mir, sie würde erst mal in die Anprobe gehen und so stellte ich mich in eine Ecke um abzuwarten. Gleichzeitig sagte mir eine kleine Stimme: "Du bist verrückt!". Aber ich wollte nicht aufgeben! Nach einiger Zeit ging diese Frau endlich zur Anprobe.

Währenddessen lief eine Mitarbeiterin hin und her, um sämtliche Kleidungstücke zurück zu den Regalen zu bringen und so nutzte ich die Gelegenheit und sprach sie an. Ich erklärte ihr die Situation und bat sie die Bluse, sollte die andere Frau sie ausrangieren, für mich aufzuheben. Die Mitarbeiterin war sich nicht sicher, wen genau ich in der Umkleide meinte und sagte deshalb, dass sie mir nichts versprechen könne. Ich ärgerte mich einerseits über dieses Pech, andererseits fragte ich mich immer noch, ob ich mich nicht einfach in Fashion-Entzug begeben sollte. Ich nahm ein Magazin und blätterte etwas abwesend darin herum. Mein Handy klingelte und ich war gerade bereit dieses verrückte Warten auf (ja, auf was eigentlich?) aufzugeben, da kam die Mitarbeiterin mit drei hübschen Seidenblusen auf mich zu. Ob ‚meine’ dabei ist? Ja, das war sie! Juhuuu, ich nahm ‚meine’ Bluse und ging fröhlich zur Kasse. Verrückt? Ja vielleicht, aber die Bluse im Schrank lächelt mich jetzt jeden Morgen an und wartet bis der Frühling sich endlich durchsetzt, um dann voller Freude und ein bisschen Verrücktheit getragen zu werden.

Eure Margrieta