Manuela Schwesig will Transparenz bei Gehältern für mehr Chancengleichheit

Wollen Sie wissen, was der Kollege verdient?

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig will’s wissen. Und zwar, wer, was und wie viel in einem Unternehmen verdient. Sie plant ein Gesetz, das Firmen dazu zwingt, sämtliche Gehälter ihrer Angestellten offen zu legen. Damit will sie die nach wie vor bestehende Lücke zwischen Frauen- und Männerlöhnen schließen und die Löhne insgesamt gerechter gestalten. Eine gute Idee?

Manuaela Schwesig will ein Gesetz, nachdem Firmen die Gehälter ihrer Angestellten offenlegen müssen.
Manuela Schwesig will mehr Transparenz bei Gehältern. Aber was bringt das wirklich? © dpa, Gregor Fischer

Von Merle Wuttke

Nein, meinen die Wirtschafts- und Unternehmerverbände. Das führe nur zu einem "Klima des Misstrauens und der Ausforschung", sagt etwa der Zentralverband des Deutschen Handwerks. Und andere Zusammenschlüsse von Arbeitgebern warnen ebenfalls vor "Unruhe" und "Unfrieden". Auch die CDU ist dagegen. Aber warum eigentlich? Wieso diese Panikmache? Wovor fürchten sich die Arbeitgeber? Führt Transparenz, im Gegenteil, nicht eher zu gerechteren und qualitativ besseren Arbeitsverhältnissen? Wenn die Kollegen voneinander wissen, was der Andere jeweils verdient und verstehen, warum es vielleicht Unterschiede in der Entlohnung gibt, haben sie zumindest eine vernünftige Basis für Gehaltsverhandlungen.

Keine Chance dem Chef-Flüsterer

Denn seien wir mal ehrlich: Fair geht es in deutschen Unternehmen beim Lohn nicht besonders zu. Überall herrscht das große Schweigen, sobald die Sprache aufs Geld kommt. Bei den Chefs, sowie unter den Angestellten. Niemand spricht offen über seine Gehaltsklasse, über übertarifliche Zulagen oder Gehaltserhöhungen. Immer noch überwiegt in den Köpfen das Tabu und die alte Mär von "Über Geld spricht man nicht". Dabei wäre genau das dringend nötig - in anderen Ländern ist das ohnehin längst üblich.

So ist es in Skandinavien und in den USA völlig normal, dass die Gehälter der Angestellten transparent und für alle einsehbar sind. Ein Schwede etwa kann sich bei der Finanzbehörde über die Löhne seiner Kollegen informieren. Diese Transparenz nützt allen. Erstens, weil sie Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern abschafft, denn wie wir wissen, sind wir in Deutschland immer noch weit von dem Grundsatz "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" entfernt. Und zweitens lässt sich so der Wert der eigenen Leistung besser einschätzen. Denn natürlich ist es so, dass nicht immer automatisch der Fleißigste und Beste auch das Meiste verdient. Sondern der mit dem besten Draht zum Chef. Oder derjenige mit der größten Klappe, der sich nicht scheut, jedes Jahr kurz vor Weihnachten wieder einmal nach einer Gehaltserhöhung zu fragen.

Aber natürlich wird es für Chefs nicht leichter über Gehälter zu verhandeln, wenn alle im Unternehmen einschätzen können, was ihre Arbeit ungefähr wert ist. Sie können dann nicht länger der selbstgefälligen Nervensäge hundert Euro mehr geben, nur damit die endlich Ruhe gibt und die schüchterne Arbeitsbiene links liegen lassen, sondern müssen zu hohe und auch zu niedrige Gehälter mit stichhaltigen Argumenten rechtfertigen.

Und wer weiß, vielleicht würde diese Transparenz auch dazu führen, dass Frauen sich eben nicht weiterhin für eine gering bezahlte Teilzeit-Stelle entscheiden (mittlerweile arbeiten 58 Prozent der Frauen in Teilzeit!), weil es aufgrund ihres niedrigen Grundgehaltes sich nicht lohnt wieder Vollzeit einzusteigen, sondern eben doch wieder für 40-Stunden in der Woche in den Job zurückkehren, denn dann würden sie ja endlich angemessen dafür bezahlt werden. Seien wir doch ehrlich, wäre die Situation umgekehrt und Männer in unserer Lage: Sie würden nicht in die Teilzeitfalle tappen. Und erst recht nicht für weniger Geld arbeiten.

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