Manuela Schwesig: "Nicht nur zum Gutenachtkuss nach Hause"

Manuela Schwesig: "Nicht nur zum Gutenachtkuss nach Hause"
© Original-Bild: Marieke Sobiech

Manuela Schwesig persönlich

In der Frauenzimmer-Interview-Reihe "Von Frau zu Frau" befragen wir FRAUEN! Frauen, die etwas Besonderes geleistet, eine außergewöhnliche Arbeit, oder deren Wort in der öffentlichen Wahrnehmung ein besonderes Gewicht haben. Wir plaudern über wichtige Diskussionen in der Gesellschaft, aber auch über Privates. Den Auftakt macht unsere Familienministerin Manuela Schwesig.

Ihr Steckbrief:

Frühstück: Salzig oder süß? Salzig

Urlaub: Berge oder Meer? Meer

Was ist Ihr Lieblingsessen? Pasta

Was schauen Sie lieber: Fußball-WM oder Olympia? Olympia

Mit welcher Persönlichkeit würden Sie gerne Abendessen? Michelle Obama

Buch oder Film? Film

Dschungelcamp oder die Geissens? Keines

Hund oder Katze? Katze

Backen oder Kochen? Kochen

High Heels oder Sneakers? Beides

Was würden Sie machen, wenn Sie keine Politikerin geworden wären? Ich würde Theologie studieren.

Welcher Partei würden Sie zugehören wenn es die SPD nicht geben würde? Keiner

Welche Schlagzeile würden Sie gerne in vier Jahren über sich lesen?

Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessert.

Manuela Schwesig: "Jedes Paar muss für sich entscheiden"

Noch ist es nicht selbstverständlich, dass Männer die Elternzeit in Anspruch nehmen und Frauen ihrem geregelten Beruf nachgehen. Was muss Ihrer Meinung nach in der Gesellschaft passieren, dass das ein ganz normaler Schritt ist und nicht die Ausnahme bleibt, und was kann der Staat dazu beitragen?

Manuela Schwesig: Die Väter haben heute den Anspruch, nicht nur zum Gutenachtkuss nach Hause zu kommen. Viele Eltern wünschen sich mittlerweile, ihre Aufgaben im Beruf und in der Familie partnerschaftlicher zu teilen. Mütter und Väter wollen selbst entscheiden dürfen, wie sie leben wollen und sich nicht ständig dafür rechtfertigen. Hier sehe ich in den nächsten vier Jahren eine meiner Hauptaufgaben als Bundesfamilienministerin: Nämlich eine gesellschaftliche Debatte zu ermöglichen, in der "Zeit für die Familie" diskutiert wird. Ein erster konkreter Schritt ist das ElterngeldPlus. Hier soll jenen, die wieder früher in den Beruf einsteigen möchten, die Möglichkeit geboten werden, den vollen Anspruch des Elterngeldes zu nutzen. Und wenn sowohl Vater als auch Mutter Teilzeit arbeiten und sich gemeinsam um das Kind kümmern, soll es noch einen Partnerschaftsbonus geben.

Können Sie verstehen, dass manche Mütter, die bewusst zu Hause bei ihrem Kind bleiben, von der Diskussion "Kind und Karriere" genervt sind. Wie kann man diese Frauen unterstützen?

Schwesig: Ich werde keiner Mutter und keinem Vater vorschreiben, wie sie zu leben haben. Für viele Eltern ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein wichtiges Thema – und richtet sich nicht gegen die persönliche Entscheidung derer, die bewusst zu Hause bei ihren Kindern bleiben. Jedes Paar muss das für sich entscheiden.

Warum ist es Ihnen so wichtig, dass sich der Anteil von Frauen in Führungspositionen erhöht?

Schwesig: Frauen sind heute genauso gut, oftmals sogar besser ausgebildet als Männer. Dennoch nimmt der Anteil von Frauen mit steigender Hierarchieebene und Unternehmensgröße ab. In den Vorständen der DAX-30 Unternehmen ist der Frauenanteil trotz großer öffentlicher Aufmerksamkeit sogar wieder rückläufig. Deshalb ist sich die Bundesregierung einig, dass gesetzliche Regelungen erforderlich sind, um mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Ich werde in Kürze ein Gesetz vorlegen, das sowohl die entsprechenden Regelungen für die Privatwirtschaft als auch für den Bereich des Bundes zusammenfasst. Chancengleichheit für Männer und Frauen, der Fachkräftemangel und die Anforderungen unserer älter werdenden Gesellschaft sind Gründe genug dafür, dass die Frauenquote so schnell wie möglich auf den Weg gebracht werden muss.

Kein höheres Kindergeld, dafür mehr Geld für bedürftige Familien. Was ist ausschlaggebend für diese Überlegung?

Schwesig: Bei den materiellen Leistungen setze ich auf Kindergeld, Kinderzuschlag und Kinderfreibeträge.

Gerade in Ballungszentren fehlt es allerdings an Kita-Plätzen. Diese sind aber Grundvoraussetzung, dass berufstätige Eltern geregelt ihrer Arbeit nachgehen können. Wie wollen Sie dieses Dilemma lösen?

Schwesig: Moderne Familienpolitik besteht für mich aus einem Dreiklang: Geld, Zeit und Infrastruktur. Wir werden in den nächsten vier Jahren sechs Milliarden Euro zusätzlich für Kitas, Schulen und Hochschulen bereitstellen.

Genügend Plätze für die Kinderbetreuung heißt, dass Familien weniger auf den Staat angewiesen sind und nicht Gefahr laufen, bedürftig zu werden und so vom Staat abhängig zu sein. Würden Sie dieser These zustimmen?

Schwesig: Klar ist, dass Familien mit zwei arbeitenden Elternteilen oder berufstätige Alleinerzieher seltener von Armut betroffen sind. Insofern hilft Kinderbetreuung tatsächlich Eltern, erwerbstätig zu sein und finanziell auf eigenen Füßen zu stehen.

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