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'Mamabeat' von Saralisa Volm: Kinderkriegen und sich trotzdem selbst treu bleiben

'Mamabeat' von Saralisa Volm
Bildquelle: RTL interactive/ BELTZ Verlag

Rezension zu 'Mamabeat'

Kinder bekommen und sich trotzdem noch selbst treu bleiben – wie schwer das ist, wissen alle Eltern. Und deshalb füllen sich die Regale mit Büchern zu dem Thema. Zahlreiche Mütter erzählen von ihrem Alltag und ihren kleinen und großen Sorgen. Mal witzig, mal ernst, manchmal aber auch extrem schlecht geschrieben. Nicht so 'Mamabeat': Saralisa Volm erzählt zwar ebenfalls von ihrem Alltag als junge Mutter von zwei Kindern, sie spricht aber auch mit anderen Eltern über ihre Lebensentwürfe. Ihr Motto dabei: Schluss mit Perfektionismus und Spielplatzmelancholie – Eigensinn, Stil und Kreativität sind gefragt, um bei allem Elternsein man selbst zu bleiben.

Von Britta Dorn

Dieses Buch ist zwar anders, aber auch 'Mamabeat' kommt nicht ohne Abgrenzung aus. Und das ist ok, denn als Mutter grenzt man sich ständig ab – anders gelingt es kaum, sich zu definieren. Und so macht es auch Saralisa Volm. Selbstreflektierend erkennt sie beispielsweise den Spießer in sich selbst und versucht ihn zu überwinden – mit Erfolg. Allein die Erkenntnis, dass nicht die Kinder schuld sind, wenn man sich abends nicht mehr zu einer Party aufraffen kann oder den Galeriebesuch sausen lässt, hilft oft schon weiter. Denn eigentlich sind die Kinder nur eine bequeme Ausrede.

Volm spricht mir in vielen Punkten aus der Seele. "Kinder stellen keine Erfüllung dar. Sie sind eine persönliche Entscheidung, die wir heute treffen dürfen. Ich glaube, alles andere ist Schönfärberei von unglücklichen Eltern oder persönliche Empfindung." Genau so ist es, denn Kinder bedeuten zwar viel Glück, für das man sich bewusst entscheidet. Aber sie bedeuten gleichermaßen Stress – ein Symptom unserer Gesellschaft, in der wir, so spekuliert Volm, vielleicht einfach von allem ein bisschen zu viel haben: Zu viele Menschen, zu viele Möglichkeiten, zu viel Ökonomisierung.

Doch das Buch kommt nicht nur tiefgründig und philosophisch daher, sondern vermittelt auch das ganz bestimmte Lebensgefühl, das nur Mütter kennen, die sich selbst treu geblieben sind und sich nichts verbieten. Nachts im Club durchtanzen, zum Kettenraucher mutieren und an 364 Abenden in der Woche 'Breaking Bad' in Dauerschleife schauen – das als Mama? Ja klar! Wo steht geschrieben, dass sich das als Mutter nicht ziemt? Auch hier stimme ich der Autorin vollends zu. Glückliche Eltern, glückliche Kinder. Auch wenn die Wohnung mal nicht so aufgeräumt ist.

'Mamabeat' fokussiert sich nicht nur auf die Autorin, sondern bildet auch ab, wie andere Eltern – oder auch Nicht-Eltern – es machen. So zum Beispiel die junge Ärztin, die während ihres Studiums ein Kind abtrieb, weil sie und ihr Freund sich erst seit vier Monaten kannten und die äußeren Umstände nicht passten. Heute sind sie noch immer ein Paar, und zwar mit Kinderwunsch und Zeitplan. Oder das Paar, das ein wildes Leben führte und plötzlich Zwillinge erwartete. Und all das schreibt Saralisa Volm so natürlich, wertfrei und bildhaft auf, als würde man diesen Menschen direkt gegenüber sitzen.

Übrigens kommt das Buch nicht in chronologischer Kapitelabfolge daher, sondern mit abwechslungsreichen Passagen. Und jede für sich macht Lust auf die nächste. 'Mamabeat' ist ein tolles Plädoyer fürs Kinderkriegen oder Nicht-Kriegen. Denn es zeichnet sehr schön nach, wie man es machen, oder eben nicht machen kann. Und so oder so glücklich werden kann.

Über die Autorin

Saralisa Volm wurde 1985 geboren und verbrachte ihre Kindheit in Süddeutschland. In Hamburg studierte sie Philosophie und Kunstgeschichte. Aktuell lebt sie mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Berlin. Dort betreibt sie ihre eigene Filmproduktion und arbeitet als Schauspielerin.

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