ELTERN-KOLUMNE ELTERN-KOLUMNE

"Mama, ich hab dich lieb" - das lösen diese Worte bei uns Eltern aus

Kolumnistin Sabine Möller schreibt über das Leben mit Kleinkind.
Der Sohn unserer Kolumnistin Sabine Möller hat ihr seine Liebe gestanden. Dachte sie zumindest.

Ein Satz voller Glück

Wenn Kinder das erste Mal ihren Eltern gegenüber äußern, dass sie sie lieb haben, flippt mindestens eine aus: die Mama. In dem Fall ich. Doch ich kam schneller auf den Boden der Tatsachen zurück als mir lieb war.

Von Sabine Möller

Neulich im Supermarkt. Mein Zweieinhalbjähriger sitzt im Einkaufswagen, ich schiebe ihn durch die Gänge und durchsuche die Regale. Plötzlich sagt mein Sohn etwas, das mir die Tränen des Glücks in die Augen treibt: "Liebe dich!" Ich grinse übers ganze Gesicht und bin überglücklich.

Doch ich frage nach und will es genau wissen. "Meinst du mich?", frage ich ihn. Er reagiert nicht. Ich wieder: "Hast du gerade gesagt, dass du die Mama lieb hast?" Was sich dann entwickelt, ist ein irrwitziger Dialog zwischen mir und dem Kind, das gerade genug Brocken spricht, um sich mit mir zu verständigen. "Sam sagt." Ich bohre weiter: "Sam hat zu dir gesagt: 'Liebe dich'?" Die Antwort ist schmallippig, aber wohl typisch für einen Jungen: "Ja." Sam ist sein kleiner Kindergarten-Kumpel.

Kinder machen Liebe nicht mit Worten deutlich

Sofort bin ich wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Mein Sohn hat mir gerade leider nicht gestanden, dass ich - vorerst - die einzig wahre Liebe seines Lebens bin. Er hat einfach nachgeplappert, was er von anderen Kindern hört. Dabei war das Glücksgefühl in dem Moment enorm. Innerlich bin ich ausgeflippt - beim Einkaufen.

In dem Moment fällt all der Ärger und Stress des Tages von mir ab und ich weiß, was wirklich zählt: die Liebe meines Kindes. Bis zu dem Punkt, an dem ich das Glück hinaufbeschwören wollte und genauer nachfragte. Da bekam ich die Quittung für meine Neugier, und landete mit meiner Euphorie auf der Nase. Na gut, dachte ich mir, irgendwann wird er es schon zu mir sagen.

Am Abend war ich wieder besänftigt. Ich machte meinen Sohn fertig fürs Bett, deckte ihn zu und sagte „Gute Nacht“. Danach drückte ich ihm ein Küsschen auf die Stirn, wie jeden Abend, und sagte ihm, dass ich ihn lieb habe. Und dann machte mein Mutterherz doch einen Hüpfer, denn der Dreikäsehoch legte seine kurzen Ärmchen um meinen Hals und drückte mich ganz fest. In dem Moment wurde mir klar, dass er mir nicht sagen muss, wie sehr er mich lieb hat. Er tut es einfach. Und ich bin hin und weg.

Anzeige