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Mama hat einen neuen Freund: Wann stellt man Kindern den neuen Partner vor?

Sarah Lombardi: Unterwegs mit Sohn und Lover

Seit Ende Oktober gehen Sarah Lombardi und Noch-Ehemann Pietro getrennte Wege. Jetzt besuchte Sarah mit ihrer Jugendliebe Michal den Maastrichter Weihnachtsmarkt. Mit dabei: Söhnchen Alessio (1,5 Jahre alt). Ist das nicht etwas früh, dem Kind einen neuen Partner zuzumuten? Wann ist eigentlich der richtige Zeitpunkt, den Kindern die neue Liebe vorzustellen?

Der richtige Zeitpunkt

Für den richtigen Zeitpunkt gibt es kein Patentrezept: Ein erstes Treffen sollte jedoch erst dann stattfinden, wenn klar ist, dass Ihre neue Liebe auch wirklich Bestand hat. Am besten erklären Sie in einem Gespräch, dass sie jemanden kennengelernt haben. An der Reaktion der Kinder können Sie ablesen, ob ein baldiges Treffen überhaupt Sinn macht. Häufig glauben Kinder, dass ihre leiblichen Eltern vielleicht wieder zusammenkommen. Dann sollte man ihnen noch etwas Zeit geben, sich mit der Situation zurechtzufinden.

Wartet man aber zu lange, werden die Probleme riesig, wenn die Kinder den neuen Partner ablehnen. Bei kleineren Kindern sollte man sich auf sein Gefühl verlassen, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Mit größeren Kindern kann man zwar schon ein vernünftiges Gespräch führen, aber sie haben zu ihren leiblichen Eltern eine lange Bindung aufgebaut. Hier ist auf jeden Fall Fingerspitzengefühl angebracht.

Was geht in den Kindern vor?

Kommt ein neuer Partner in das Leben der Kinder, hat das häufig Ablehnung zur Folge. Denn dann ist ganz klar: Mein leiblicher Papa oder die leibliche Mutter kommen nicht mehr zurück. Die Folgen können Eifersucht, Aggressionen, Wut und Zurückgezogenheit sein. Vielleicht hat das Kind auch das Gefühl, jemand will mir jetzt auch noch Mama oder Papa wegnehmen. Das bedeutet: Gehen Sie das Kennenlernen geduldig an, geben Sie Ihren Kindern viel Zeit, sich an die neue Situation zu gewöhnen.

Wie sollte das erste Treffen aussehen?

Wichtig ist ein lockeres entspanntes Kennenlernen ohne Druck und Erwartungen. Vielleicht machen Sie mit kleineren Kindern einen Ausflug in den Zoo und Ihre neue Liebe kommt dazu. Lassen Sie dabei den Kontakt zu Ihrer neuen Liebe rein freundschaftlich aussehen, um keine Eifersucht zu provozieren. Wenn sich ein entspannter Umgang entwickelt, hat Ihr Kind sicher nichts dagegen, wenn der neue Freund auch mal zum Abendessen kommt. Geben Sie Ihrer neuen Liebe und Ihren Kindern die Möglichkeit, sich erst einmal unbefangen kennenzulernen. Das kann auch schon frühzeitig passieren, wenn klar ist, das die Beziehung zum neuen Partner auch wirklich tragfähig ist. Und sollte die neue Liebe dann doch nicht halten, müssen Sie nichts erklären.

So verhält sich der neue Partner gegenüber der Kinder

Wie soll sich der neue Partner verhalten?

Versuchen Sie auf keinen Fall, Mama oder Papa zu ersetzen! Der erste Platz im Herzen der Kinder ist besetzt, auch wenn man sich vielleicht lange nicht gesehen hat. Der Ex-Partner bleibt für immer ein wichtiger Teil im Leben eines Kindes. Bringen Sie sich als Freund der Familie ein, nicht als Erzieher. Das provoziert im schlimmsten Fall nur Ablehnung: „Du hast mir garnichts zu sagen!“ Als Freund sollten Sie das Kind eher unterstützen, vielleicht bei den Hausaufgaben helfen oder das Kind von der Schule abholen. Zusammen etwas Schönes zu unternehmen ist übrigens das beste Mittel gegen Neid und Eifersucht.

Was mache ich, wenn die Kinder meine neue Liebe ablehnen?

Patchwork-Kinder sind in einem Dilemma: Einerseits haben sie vielleicht nichts gegen den neuen Mann an Mamas Seite, anderseits verraten sie genau damit den leiblichen Vater. Das führt zu einem Loyalitätskonflikt. Da helfen nur Geduld und Zeit – manche Kinder brauchen eben etwas länger, um einen fremden Menschen kennenzulernen und Sympathie zu entwickeln. Üben Sie auf keinen Fall Druck aus, das würde die Situation nur verschärfen.

Was mache ich, wenn der Ex meinen neuen Partner verhindern will?

Nach einer Trennung wird oft der Kontakt zum Ex-Partner verweigert. Verletzte Gefühle, Eifersucht und Hass werden häufig auf dem Rücken der Kinder ausgetragen. Dabei regelt das Umgangsrecht in Deutschland einen regelmäßigen Kontakt zu den Kindern. Auch ein neuer Partner gehört zu den Rechten getrennt lebender Eltern und kann nicht verhindert werden. Der neue Partner darf das Kind aus dem Kindergarten und der Schule abholen, wenn er dazu in die Liste der zur Abholung berechtigten Personen eingetragen wurde. Für den anderen Elternteil gibt es keine Möglichkeit, dieses zu verhindern, es sei denn, es geht eine Gefährdung für das Kind aus, was meistens nicht der Fall sein wird. Auch darf der Neue mit dem Kind kuscheln, baden oder es wickeln, wenn er durch die sorgeberechtigte Person die Erlaubnis bekommen hat. Natürlich nur dann, wenn das Kind das auch möchte.

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