Malu Dreyer und Co.: Ein neuer Schlag von Politikerinnen

Malu Dreyer neue Ministerpräsidentin
Malu Dreyer neue Ministerpräsidentin © dpa, Fredrik von Erichsen

Malu Dreyer: Neue Frauen für das Land

Ein bisschen erinnert das ganze an die ewigwährende Diskussion darüber, ob im Radio eine 'Deutsch-Quote' eingeführt werden soll: Da wird viel diskutiert und gefordert und geredet – und plötzlich sind die Verkaufscharts voll mit deutschsprachigen Songs. Auch die Frauenquote ist ja nach wie vor ein sehr beliebtes Diskussionsthema: Macht sie Sinn? Brauchen wir die wirklich? Und dabei wird – so scheint es – manchmal übersehen, dass es schon jede Menge Frauen gibt, die beweisen, dass die Form der Chromosomen eigentlich egal ist. Auch oder gerade in der Politik. Mit Marie-Luise Dreyer sitzt nun auf einem vierten deutschen Ministerpräsidenten-Stuhl eine Frau.

Von Ursula Willimsky

Und das in einem Staat, der laut 'Forbes-Liste' von der mächtigsten Frau der Welt regiert wird. Zu Beginn ihrer ganz großen Karriere war Angela Merkel von vielen noch verbal als "Kohls Mädchen" getätschelt worden – heute gilt sie (ebenfalls laut Forbes-Liste) als zweitmächtigster Mensch der Welt.

Angela Merkel auf dem Chefsessel, mit Christine Lieberknecht, Annegret Kramp-Karrenbauer, Hannelore Kraft und nun Malu Dreyer in vier Bundesländern Frauen auf dem Chefsessel. Und im Bundeskabinett sitzen auch – wenn man Merkel nicht mitrechnet – fünf Frauen, ihnen stehen zehn Männer gegenüber. Zwar gibt es zwischen Kiel und München, zwischen Düsseldorf und Dresden nach wie vor deutlich mehr Ministerpräsidenten als Ministerpräsidentinnen. Aber es ändert sich was.

Auch der Stil der Frauen, die da an die Macht gelangen. Die 'Süddeutsche' titelt sehr schön: „Die Zeit der Trümmerfrauen ist vorbei“. Gemeint ist damit, dass nun offenbar auch Frauen eine Chance auf einen wichtigen Posten haben, ohne dass der Vorgänger „skandalös“ gescheitert ist oder "der Job zuvor so abgewirtschaftet" wurde, "dass Männer ihn nicht wollten". Es sind nicht unbedingt laute Hau-Drauf-Typen, die nun die Posten erobern. Eher kommunikations- aber auch entscheidungsfähige Frauen, die oft in "typisch weiblichen" Ressorts Erfahrungen gesammelt haben. In ihrer Antrittsrede in Mainz sagte die ehemalige Gesundheitsministerin denn auch: "Lassen Sie uns vor allem miteinander sprechen, weniger übereinander. Nicht die Herkunft einer Idee ist entscheidend, sondern ihr Wert und ihr Nutzen für unser Land.“

Malu Dreyer beliebt „wie Hitzefrei und Freibier“

Das Selbstbild der neuen Frauen in der Politik? Als Antwort auf diese Frage wird gerne ein Zitat der CSU-Politikerin Ilse Aigner kolportiert: "Auch eine Henne weiß, wann die Sonne aufgeht. Aber deswegen muss sie nicht jedes Mal krähen." Aber ab und zu krähen die Politik-Hennen dann schon, denn sonst würden sie vermutlich bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag auf den hinteren Bänken sitzen bleiben statt nach vorne auf den Chefsessel vorzurücken.

Politchefinnen-Neuzugang Malu Dreyer - von der Parteifreunde sagen, sie sei in etwa so beliebt "wie Hitzefrei und Freibier" - gilt vielen als "Gute-Laune-Politikerin". Sie wurde schon lange als potenzielle Nachfolgerin von Beck gehandelt. In ihrem neuen Kabinett hat sie vier Männer und fünf Frauen um sich geschart. Und auch andere hohe Posten sind mit Frauen besetzt.

Wer nun aber glaubt, dass die Frauen allmählich dabei sind, immer mehr Macht zu erobern – liegt nicht ganz richtig. Ganz streng genommen haben wir nämlich schon jede Menge macht. Nach den neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes gibt es an die 32 Millionen Frauen, die super-mächtig sind: Sie sind nämlich wahlberechtigt. Und können damit entscheiden, wer im Land das Sagen hat.

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