Malala ist ein großes Vorbild: Junge Mädchen kämpfen mutig für ihre Rechte

Malala ist ein großes Vorbild
Malala gibt anderen Mädchen große Hoffnung und Mut © dpa, University Hospitals Birmingham

Malala motiviert junge Mädchen auf der ganzen Welt zu kämpfen

„Wenn man der neuen Generation keine Stifte gibt, dann werden die Terroristen ihr Gewehre geben.“ Das Mädchen, das diesen Satz sagte, war damals 15 Jahre alt. Heute ist sie 16. Für den Friedensnobelpreis nominiert. Vom „Time Magazin“ zum wichtigsten Mädchen des Jahres gewählt. Hält eine Rede vor den UN. Und hat zwei Narben am Kopf – dort, wo die Kugeln von Taliban-Kämpfern sie trafen, um sie für immer zum Schweigen zu bringen.

Von Ursula Willimsky

Das pakistanische Mädchen Malala gilt vielen als Symbol einer neuen „Rebellion der Mädchen“, die die Welt nicht mehr so hinnehmen wollen, wie sie ist. Sie organisieren sich in Kampfsportgruppen, gehen zu Demonstrationen, stellen plötzlich Forderungen oder bloggen. Um sich zu wehren – und auch, um auf die Missstände in ihrem Leben und dem ihrer Freundinnen aufmerksam zu machen. Und zwar weltweit. Dank sozialer Netzwerke werden sie gehört und unterstützt.

So haben sich in Indien – einem Land, in dem nach offiziellen Angaben alle 22 Minuten eine Frau vergewaltigt wird - Schülerinnen zu einer Gruppe namens „Rote Brigaden“ zusammengetan (eine Bezeichnung, die sie auf Facebook gefunden haben). Statt der Saris tragen sie Jeans – unter anderem, weil Angreifer die schwerer zerreißen können. Sie üben, sich zu verteidigen und zu wehren. In einem Land, in dem es in manchen Gegenden schon bemerkenswert zu sein scheint, wenn nach der Vergewaltigung eines Kindes Anzeige erstattet wird.

Oder wie die 14-jährige Isadora, die in ihrem Blog „Klassentagebuch“ über die Missstände an brasilianischen Schulen schreibt – einem Land, das sehr viel Geld ausgibt für kommende sportliche Großveranstaltungen. Isadoras Blog lesen laut „Spiegel“ inzwischen über 30.000 Menschen. Für die „Financial Times“ gilt der Teenager als einer der 25 wichtigsten Menschen Brasiliens. Auch sie ist vom Kinderzimmer in die große Politik gewechselt.

Malala ist für alle unterdrückten Mädchen ein Vorbild

In Südafrika kämpfen Mädchen für ihr Recht auf Bildung. In Kenia verweigern Mädchen die traditionelle Genitalverstümmelung. In Bangladesch engagieren sich Jugendliche als „Wedding Busters“. In diesem Land werden laut Unicef 74 Prozent aller Mädchen noch vor der Volljährigkeit verheiratet – seit es die „Wedding Busters“ gibt, gibt es in der Region „kinderheiratsfreie Zonen“. Gebiete also, in denen Mädchen nicht mit 11 aus der Schule verschwinden und hart arbeiten, statt zu lernen oder mit ihren Freundinnen zu spielen. Oder im Kindbett sterben, weil sie selbst noch Kinder sind.

„Frauen müssen in ihren Herzen Muskeln entwickeln“ (Amma)

Mal sind es Gruppen von Mädchen, mal einzelne Teenager, die sich einsetzen, die nicht mehr schweigen und hinnehmen. Steht die Welt am Anfang einer globalen „Rebellion der Mädchen?“ Angeführt von Teenagern, die in Blogs, auf Podien, in Büchern und inzwischen auch in der „großen Politik“ für die Rechte der Mädchen eintreten? Die mit lautem Lärm wie beim „One Billion Rising“ zusammen mit erwachsenen Frauen darauf aufmerksam machen, dass eine Milliarde Frauen schon einmal Gewalt angetan wurde. Oder die mit stillen, aber effektiven Mitteln der globalen Kommunikation ihre Ziele verfolgen.

Im reichen Europa setzen sich Mädchen und Jungen häufig für ihre Altersgenossen in unterdrückten Ländern ein. Doch die ganz große politische Bewegung scheint die Teenager dieser Länder – noch – nicht erreicht zu haben. Vielleicht ja, weil sie in einem privilegierten Umfeld groß werden, das so etwas wie eine „unbeschwerte Kindheit“ und „Bildung auch für Mädchen“ zulässt? Meist sind es Mädchen und junge Frauen aus den ganz armen Gegenden dieser Erde, aus „Schwellenländern“ oder Gebieten, die von Kriegen heimgesucht wurden, die nun verbal und manchmal auch real Muskeln zeigen und die Gesellschaft, in der sie groß werden, verändern. Und die damit mitunter plötzlich sehr viel Verantwortung übernehmen. Vor allem, wenn man bedenkt, dass sie trotz der gefährlichen Welt in der sie leben und für deren Veränderung sie kämpfen, ja vor allem eines sind: Kinder. Die eigentlich von der Gesellschaft geschützt und gestützt und ganz selbstverständlich mit ganz vielen Stiften versorgt werden sollten.

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