Make-up in der Schule: Schminken nach Lehrplan?

Steht Kosmetik als Unterrichtsfach in der Schule für eine solide Ausbildung?
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Machen Make-up-Kurse Sinn?

Soll ich mich schminken, bevor ich in die Schule gehe? Bei vielen Mädchen ist diese Frage Thema. Es geht darum, ob und wie stark man sich schminkt. Es geht darum, ob bunter Lidschatten oder Lippenstift für die Schule okay ist. Und es geht darum, ob die Eltern es einem überhaupt erlauben, Make-up anzulegen, bevor man Richtung Schulbus losmarschiert. In England hat die Diskussion jetzt noch eine neue Ebene erhalten: Dort bot eine Schule ihren 14-jährigen Schülerinnen sogar professionelle Hilfe in Sachen Make-up an.

Von Ursula Willimsky

20 Mädchen nahmen an dem Pilot-Projekt teil und lernten von einer professionellen Stylistin, wie sie sich für verschiedene Anlässe am besten zurecht machen. Auf dem Schminkstundenplan standen Make-up für die Schule, fürs Vorstellungsgespräch und für Partys. Die Mädchen fanden das Angebot der Schulleitung vermutlich supi - viele der Eltern nicht. Und auch die britische Öffentlichkeit steht den Schminkstunden für Kinder recht skeptisch gegenüber. Die 'Daily Mail' berichtet von diversen kritischen Stimmen. So nannte der 'Family Ecucation Trust' es "unverantwortlich, dass Schulen Make-up-Stunden anbieten in Zeiten, in denen die zunehmende Sexualisierung von Kindern und Jugendlichen immer mehr zum Thema wird. Eltern schicken ihre Kinder doch nicht in die Schule, damit sie lernen, wie man sich schminkt, sondern damit sie eine anständige Bildung erhielten." Die Tatsache, dass die Initiative für diesen Kurs von den Schülerinnen ausgegangen sei, sei keine Entschuldigung.

Make-up im Kontrast zur anständigen Ausbildung?

Auch eine Mutter wird zitiert, die die Schminkstunden "völlig unangebracht" findet. So etwas sollten ihrer Meinung nach die Mädchen zuhause lernen und nicht in der Schule. Und eine andere Mutter fügte hinzu, dass ihrer Meinung nach 14-Jährige ohnehin noch viel zu jung seien, um sich mit Themen wie dem richtigen Make-up auseinanderzusetzen.

Die Schule selbst sieht die Sache etwas anders: Zum einen hätten alle Eltern im Vorfeld ihre Zustimmung geben müssen, damit die Mädchen überhaupt an dem Kurs teilnehmen durften. Und zum anderen sieht die Schulleitung in den Schminkstunden durchaus auch eine sinnvolle Investition in die Zukunft der Mädchen. Die stellvertretende Schulleiterin formuliert es in der "mail" so: "Ich bin Mathematik-Lehrerin, und würde nie von einem Kind erwarten, dass es eine Algebra-Aufgabe lösen kann, ohne dass ihm vorher jemand gezeigt hat, wie das geht." Mit dem Schminken sei es ähnlich: "Die Mädchen sollten lernen, wie sie sich für unterschiedliche Anlässe zurechtmachen können. Jetzt können sie angemessenes Make-up tragen - anstelle einer zentimeterdicken Schminkschicht."

Die Schule - es handelt sich um eine katholische Einrichtung - ist der Meinung, damit den Mädchen auch für die Zukunft geholfen zu haben: Schließlich stünden für die Teenager bald auch Bewerbungsgespräche an. Und egal, ob man sich für ein Berufspraktikum oder für einen College-Platz bewerbe - das Aussehen sei wichtig.

Was haltet Ihr von diesem Schulangebot? Ist es wirklich sinnvoll, dass eine Schule Teenager beibringt, wie sie sich am besten schminken? Wird dadurch der Schönheitswahn noch beflügelt? Oder den Mädchen geholfen, sich angemessen statt übertrieben hübsch zu machen? Was haltet Ihr überhaupt davon, dass viele Mädchen geschminkt zur Schule gehen?

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