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Magersucht: Hungern mit WhatsApp

Magersucht per Whatsapp: "Wer schafft es weniger zu essen?"

Es gibt einen erschreckenden Trend bei Mädchen: Magersüchtige Teenies schließen sich neuerdings immer häufiger in geschlossenen WhatsApp-Gruppen zusammen und stacheln sich dort mit ihrem Magerwahn an! Psychologen sagen: Das ist noch gefährlicher, als den Magersucht-Foren im Internet zu folgen.

Magersucht mit Smartphone und Whatsapp
Eltern haben immer weniger Einfluss und Einblick in das Leben ihrer magersüchtigen Kinder.

Wie in einer anderen Welt spielen die Mädchen ein gefährliches Spiel. Sie hungern sich Gramm für Gramm von ihren dünnen Körpern. Wer stirbt, hat gewonnen in diesem Spiel. So oder so ähnlich betreiben es Mädchen schon seit Jahren in "Ana-Foren" im Internet. "Pro-Ana" ist der harmlose Name für einen gefährlichen Trend, die Krankheit Anorexie oder Magersucht zu verherrlichen. Seiten, auf denen sich Pro-Ana-Anhängerinnen treffen, verharmlosen Magersucht als erstrebenswerten Lebensstil. Sie suchen hier nicht Hilfe, um die Krankheit zu überwinden, sondern stacheln sich gegenseitig an. Es gibt Gewichtstagebücher und Kalorientabellen, dazu Tipps um durchzuhalten. Es wurden immer wieder Pro-Ana-Seiten gesperrt, die dann schnell an anderer Stelle wieder auftauchten.

Doch nun gibt es in diesem lebensgefährlichen Wettstreit anscheinend neue Entwicklungen: Denn über WhatsApp - einer Art Chatraum für Smartphones, hungern viele, meist sehr junge, Mädchen jetzt gemeinsam in geschlossenen Magersucht-Gruppen. So sind sie den ganzen Tag mit ihren Leidensgenossen im Kontakt und niemand kann sie kontrollieren.

Expertin Maike Reimer warnt: "Es werden Tricks verraten, wie man seine Sucht vor der Umwelt verbergen kann, wie man die Menschen um einen herum über das Lebensthema hinwegtäuschen kann. Wer Zweifel hat, wird zurückgepfiffen, der Druck ist enorm hoch. Im Extremfall hat das Ganze einen sektenähnlichen Charakter."

Eltern magersüchtiger Kinder schauen oft nur hilflos zu

Die Flucht in einen Raum, der sich jeder Kontrolle entzieht, für viele Eltern neu und erschreckend!

Doch nicht nur die Anonymität ist gefährlich. Auch wenn sich die Szene jetzt hin zu WhatsApp zu verlagern scheint, das Prinzip ist gleich geblieben: Man versucht sich immer gegenseitig zu übertrumpfen. Wer schafft es weniger zu essen, wer schafft es wieder ein Kilo mehr abzunehmen? Und so startet man diesen Wettkampf, versucht alle anderen zu übertrumpfen und sich selbst zu Tode zu hungern. Zu Anfang müssen sich die Mädchen einordnen, um in der richtigen Gruppe aufgenommen zu werden. Bist du "Ana", "Mia" oder "Atte", werden die mageren Mädchen gefragt. Gemeint ist: "magersüchtig", "bulimiekrank" oder "Ana till the end - magersüchtig bis in den Tod"

Egal ob Internet-Blog oder WhatsApp - befinden sich die Mädchen erstmal in einer Magersucht-Gruppe, können sie sich so 24 Stunden täglich gegenseitig anstacheln. Für Eltern eine besonders schwere Situation.

Was kann man tun, wenn das Kind immer weiter abdriftet, nicht mehr bereit ist, auf die Eltern zu hören? Maike Reimer: "Wenn die Kinder keine Hilfe wollen, sollte man trotzdem immer versuchen mit dem Kind in Kontakt zu bleiben. Man sollte immer wieder sein Kind ansprechen und sagen: Ich mache mir Sorgen. Man sollte weniger darüber sprechen, was es isst und wie es isst. Das lässt das Kind nur weiter abblocken. Im Kontakt mit den Kindern bleiben, ist enorm wichtig."

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