Magermodel-Verbot: Hat so der Schlankheitswahn ein Ende?

BMI von mindestens 18 bald Bedingung?

Französische Mode und französische Designer genießen weltweit einen hervorragenden Ruf. Nun plant das Mutterland der Eleganz, in dieser Branche keine Magermodels mehr zu beschäftigen. Künftig sollen nur noch Models gebucht werden können, die einen BMI von mindestens 18 haben. Das bedeutet zum Beispiel, dass ein 1,75 Meter großes Model um die 55 Kilogramm wiegen muss.

Isabelle Caro hungerte sich zu Tode.
Mit 1,63 Meter bringt sie nur 31 Kilo auf die Waage.

Von Jutta Rogge-Strang

Tatsächlich werden wieder Stimmen laut, die diese Regierungs-Kampagne kritisieren: Eine solche Vorgabe nur auf Frankreich zu beschränken, würde anderen europäischen Agenturen einen Vorteil verschaffen. Es müsse im hart umkämpften Model-Markt eine einheitliche Regelung her. Doch immerhin sind auch Spanien, Italien, Belgien und Israel bereits gegen extrem dünne Models eingeschritten.

Aber ist ein Model mit einem BMI von 18 wirklich dick? Natürlich geht es den Designern darum, dass ihre Entwürfe gut aussehen. Ein etwas dickerer Mantel oder ein Rock mit vielen Falten kann auf dem Catwalk bereits zum Problem werden. Man darf nicht vergessen, dass die Designer ihre Mode auch verkaufen müssen, und da achtet man natürlich besonders auf die Sehgewohnheiten der Kundinnen. Denn die wollen natürlich auch schlank aussehen.

Und so ist in den letzten Jahren ein Teufelskreis entstanden, in dem immer dünnere Models auf die Laufstege kamen. Es kommt also nicht mehr nur auf Gesicht, Bewegung und Ausstrahlung an, es fallen im Heer der Models nur diejenigen auf, die aus der Menge herausstechen. Mit dürren Beinchen und hervorstehenden Knochen klappt das prima, und das ist genau das Argument für die Modelbooker. Immerhin mogeln Kameras bei Fotos und Filmen noch etwa fünf Kilogramm dazu, und so sieht auch eine extrem dünne Frau auf den Bildern noch gut und gesund aus.

Models sind dazu da, um Produkte zu verkaufen. Und je besser das Model rüberkommt, umso positiver ist der Effekt für das Produkt und letztlich für den Designer oder die Firma, die ihre Waren verkaufen möchte. Ich kann deshalb auch Heidi Klum gut verstehen, wenn sie bei ihrer Suche nach Nachwuchsmodels bestimmte Körpermaße voraussetzen muss. Denn nur Mädchen mit einer bestimmten Norm-Figur haben im Business eine Chance. Denn tausende hübscher Mädchen suchen einen Job - und die Konkurrenz ist extrem hart.

Es wird höchste Zeit, dem Magerwahn entgegenzutreten

Wer einmal hinter die Kulissen einer Modenschau geblickt hat, weiß, wovon ich rede: In der Hektik und dem Stress vor einer Show muss von Norm-Größen ausgegangen werden. Es bleibt fast keine Zeit, die neuen Kreationen zu ändern oder umzunähen. Da muss die Körpergröße stimmen, die Hüfte darf nicht zu breit sein, der Busen nicht zu üppig – ganz pragmatische Erwägungen.

Allerdings wird es höchste Zeit, dem Magerwahn entgegenzutreten. Denn viele junge Mädchen – auch bedingt durch Heidi Klums TV-Show – wollen teilhaben an dem Traum, ein berühmtes begehrtes, wunderschönes Model zu sein. Bereits jedes vierte Mädchen in Deutschland leidet an einer Essstörung, Nach Angaben der Bundesregierung weisen bereits 21,9 Prozent der 11- bis 17-Jährigen Symptome von Essattacken oder Magersucht auf. Logische Argumente bringen da nichts mehr, es müssen die Sehgewohnheiten verändert werden.

Ich bin seit Jahren auf Modemessen unterwegs und habe auch die 'Curvy is sexy'-Messe für Übergrößen besucht. Auf dem Laufsteg habe ich wunderschöne Frauen gesehen, die alle mehr Busen hatten, eine stärkere Taille, Po und Beine, die man auch erkennen kann. Dabei tragen die meisten Übergrößen-Models Konfektionsgröße 42, sind also nicht wirklich übergewichtig.

Danach war ich bei mehreren Shows der „normalen“ Fashionweek, und mir fiel tatsächlich auf, wie klapprig, mager und letztlich unsexy viele Models waren. Da habe ich die Erkenntnis gewonnen, dass alles nur eine Frage der Seh-Gewohnheiten ist. Ich bin jedenfalls klar für ein Magermodel-Verbot und für eine größere Vielfalt auf dem Catwalk. Außerdem haben mir die sexy Models viel besser gefallen. Aber vielleicht kommt nach der Hungerhaken-Ära nun endlich wieder die Zeit der kurvigen Models.

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