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Magenprobleme: Stress statt Laktoseintoleranz

Magenprobleme: Stress statt Laktoseintoleranz
Oft ist nicht eine Laktoseintoleranz schuld an Magen-Darm-Problemen, sondern die Psyche. © studiovespa - Fotolia, Krzysztof Szpil

Stress schlägt auf den Magen

Bei vielen Menschen zieht sich allein bei der Vorstellung an Milch – im wahrsten Sinne des Wortes - der Magen zusammen. Schätzungen zufolge leiden ungefähr 15 bis 25 Prozent der Deutschen an einer Laktoseintoleranz. Dabei kann der Milchzucker nicht verdaut werden, die Folge sind Magenschmerzen, Blähungen und Durchfall. Doch oft ist nicht eine Milchzuckerunverträglichkeit schuld, sondern die Psyche, stellte Guido Basilico von der Universität Mailand fest.  

Die Menschen leiden oft einfach unter Stress, Ängsten oder Depressionen, anstatt unter einer Milchzuckerunverträglichkeit. Basilico untersuchte 100 Personen, die an Magenschmerzen, Blähungen und Durchfall leiden und davon überzeugt waren, dass ihre Laktoseintoleranz schuld daran sei. Basilico und sein Team untersuchten die Patienten auf die Unverträglichkeit von Milchzucker und stellten darüber hinaus auch Fragen zu ihrem sonstigen Befinden. Zweifelsohne waren unter den getesteten Personen Menschen, die wirklich unter einer Milchzuckerunverträglichkeit leiden. Bei den meisten ist aber vermutlich die Psyche schuld. Ähnlich wie Stress Kopfschmerzen auslösen könne, kann Stress auch auf den Magen schlagen.

Eingebildete Laktoseintoleranz

Dieses Ergebnis passt zu einer Studie von britischen Wissenschaftlern, die zu dem Ergebnis kamen, dass neun von zehn Briten, die glauben an einer Lebensmittelallergie oder -unverträglichkeit zu leiden, eigentlich kerngesund sind.

Aber nicht nur Erwachsene sind von eingebildeten Allergien und Lebensmittelunverträglichkeiten betroffen, sondern auch Kinder und Babys. Oft entscheiden besorgte Eltern darüber einfach zu leichtfertig.

Bei einem Hautausschlag vermuten Eltern oft eine Lebensmittelallergie oder -unverträglichkeit als Ursache - zu vorschnell, wie Wissenschaftler der Universität Portsmouth herausfanden. Sie beobachteten für eine Studie Kleinkinder. Bei ungefähr der Hälfte der beobachteten Kinder ließen die Eltern ein Nahrungsmittel weg - aus Angst vor einer Allergie oder Unverträglichkeit. Völlig zu Unrecht, fanden die Wissenschaftler heraus. Nur bei ungefähr vier Prozent der Kinder wurde tatsächlich eine Lebensmittelallergie beziehungsweise eine Lebensmittelunverträglichkeit festgestellt.

Laktoseintoleranz: Vorschnelle Diagnose

Diese Forschungsergebnisse sind wichtige Erkenntnisse. Wird bei einem Menschen eine Laktoseintoleranz festgestellt, hat dies nämlich enorme Auswirkungen auf seine Ernährungsweise. Milchprodukte sind dann tabu. Dies kann einen Kalziummangel bewirken, der unter anderem negative Auswirkungen für die Knochen haben kann.

Ärzte sollten sich reiflich überlegen, ob wirklich eine Laktoseintoleranz vorliegt oder ob die Symptome nicht durch psychische Probleme hervorgerufen werden. Gegenüber der britischen Zeitschrift 'Daily Mail' erklärte Basilico: "Es sollte davon abgeraten werden auf Milchprodukte zu verzichten und die Ärzte sollten den psychologischen Problemen der Patienten mehr Beachtung schenken."

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