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Männergesundheitsbericht: Das starke Geschlecht schwächelt

Männergesundheits-Bericht: Starke Männer schwächeln
Männergesundheits-Bericht: Starke Männer schwächeln © Fotowerk - Fotolia

Männergesundheitsbericht: Männer schwächeln

Arme Männer! In Sachen Gesundheit liegen sie immer noch eindeutig hinter den Frauen zurück. Sie konsumieren öfter und mehr Genussmittel, sind selbstmordgefährdeter und haben häufiger Unfälle. Kennt man ja von Zuhause: Statt rechtzeitig bei Beschwerden zum Arzt zu gehen, jammern sie lieber dem Rest der Familie die Ohren voll und fordern noch einen Tee mehr. Nur hilft das leider nicht.

Von Merle Wuttke

Keine Ahnung, was das immer soll, aber es ist doch jedes Mal dasselbe: Der Mann im Haus kommt vor Schmerz kaum noch die Treppen hoch, steht schließlich ächzend und schweißgebadet vor der Tür, aber der Vorschlag vielleicht jetzt doch mal zum Arzt zu gehen, wird kategorisch abgewimmelt. "Der macht doch sowieso nichts!" oder "Das geht schon wieder von allein weg" lauten in solchen Momenten die typischen Männer-Argumente, um bloß kein Wartezimmer zu betreten. Warum tun sie das? Gibt es da irgendwo im Männerhirn eine aus alter Zeit übrig gebliebene Schaltzentrale, die ihnen unbewusst einbläut, ein echter Kerl kenne keinen Schmerz? Oder ist es viel banaler und die haben einfach nur Angst vorm Onkel Doktor? Sicher ist nur: Es nervt und – ist vor allem ungesund.

Männer sind Meister im Verdrängen

Das zeigen auch die vorläufigen Ergebnisse, die für den ersten staatlichen Männergesundheitsbericht gerade vom Robert-Koch-Institut ausgewertet wurden. Darin zeigt sich, dass Männer zu stärkerem Konsum von Tabak und Alkohol tendieren, zu Unfällen neigen (finanziell schlechter Gestellte im Job, Besserverdiener in der Freizeit) und 75 Prozent der Selbstmorde von Männern begangen werden! Zwar hat sich ihre Lebenserwartung leicht verbessert, aber sie sterben im Schnitt immer noch fünf Jahre früher als Frauen.

Noch sind nicht alle Daten ausgewertet, aber es dürften weitere interessantere Ergebnisse heraus kommen. Und es stellt sich in der Tat die Frage, warum Männer auch heute immer noch fahrlässig mit ihrer Gesundheit umgehen. Zumal die jüngeren Generationen ja schon wesentlich mehr Wert auf körperliche Fitness legt als deren Großväter oder Väter. Aber die große Mehrheit bewegt sich offenbar immer noch zu wenig, ernährt sich schlecht und glaubt, nur weil sie sich nicht allzu schlecht fühlen, ginge es ihnen gut. Männer waren und sind eben Meister im Verdrängen. Nur leider bleibt man davon nicht gesund.

Einige clevere Ärzte haben den Unwillen der Männer bereits erkannt und verschicken vorsorglich Briefe per Post, um rechtzeitig an die nächste Vorsorge oder den Check-up zu erinnern. Vielleicht wollen sie auch nur ein bisschen Kasse machen, mir persönlich ist es allerdings ganz recht, wenn nicht ich, sondern der Arzt meines Mannes den Zeigefinger hebt und deutlich macht: "Junge, Du bist mal wieder an der Reihe!" Ich brauch den schließlich noch – wir haben Kinder, eine teure Wohnung und noch einiges vor in diesem Leben. Also liebe Männer, wenn Ihr schon nicht für Euch etwas für eure Gesundheit tun wollt, so macht es doch bitte für uns!

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