LIEBE LIEBE

Männer loben - nur dann hält die Partnerschaft?

Männer loben - nur dann hält die Partnerschaft?

Männer wollen gelobt werden

„In jedem Mann steckt ein Kind“ - das war der Leitspruch meiner Mutter. Daraus folgerte sie: Lobe den Mann stets über den Klee, umsorge ihn, koche ihm seine Leibspeisen, umhülle ihn mit Liebe und Zärtlichkeit. Das sei das Geheimnis einer guten Ehe. 1962 hat meine Mutter das gesagt. Schnee von gestern, möchte man meinen. Wir Frauen haben schließlich die Emanzipation geschafft und sind heutzutage keine Kindergärtnerinnen in unseren Beziehungen. Doch genau diese altmodische „Philosophie“ ist das erschütternde Ergebnis einer Studie, die jetzt veröffentlicht wurde.

Die Studie kommt zu dem Schluss: Das seelische und körperliche Wohlergehen des Mannes ist die Basis einer harmonischen Langzeitbeziehung. Die Säule! Wie es der Frau geht, das trägt für den Bestand und das Glück der Partnerschaft nichts aus. Das muss man sich mal vorstellen! Mit solchen Erkenntnissen kommt uns die Wissenschaft im Jahr 2014. Ist das nicht ein fürchterliches Relikt aus der grauen Vorzeit, dass die Wünsche von Frauen keinen interessieren? Stattdessen nur die des Herrn? Fakt ist: Die Studie basiert auf einer wissenschaftlich fundierten Umfrage. Und es wurden Tausende von Paaren befragt.

Es muss also etwas dran sein an den Forschungsergebnissen. Deshalb werde ich mich zähneknirschend damit befassen. Vielleicht gibt es im Mann in der Tat etwas, das wirklich nicht erwachsen werden will. Vielleicht ist es weise, dieses Phänomen als Frau auch 2014 anzuerkennen und dem Mann ständig Honig ums Maul zu schmieren und Honigbrote zu servieren, so er sie mag. Egal, wie blöd er sich anstellt oder wie banal sein Tun ist. Beispiel: Er hat den Müll runtergebracht. Endlich. Soll man dann in Lobeshymnen verfallen, ihn preisen und ehren für eine Selbstverständlichkeit? Ist das klug? Weil er dadurch gute Laune kriegt und die Beziehung einen positiven Kick? Möglicherweise ist das ein pragmatischer Angang, der einer Frau zu netten Momenten mit dem Liebsten verhilft. Ich bin sogar sicher, dass diese Strategie funktioniert. Ich kenne meine Pappenheimer.

Erwachsene Männer brauchen keinen Lob

Aber: Ich möchte hier auf keinen Fall pragmatisch sein. Ein Mann, der auf diese erbärmliche Weise ein guter Mann wird, agiert doch am Ende wie ein Hund. Selbst ein kleines Kind kriegt mit, wenn man es lobt und es keinen Anlass dafür gibt! Ein Hund, der bellt erfreut, wenn man ihn lobt, fragt nicht nach Gründen, kann gar nicht darüber reflektieren.

Ein Mann, der abgeht wie Schmidts Katze, wenn man ihn mit schmeichelnden Worten den Nobelpreis verleiht, weil er eine Mini-Alltagspflicht erledigt hat, steht also auf einer Stufe mit einem Haustier. Weil ihm nicht dämmert, dass das Lob ein Trick ist.

Der Leitspruch meiner Mutter müsste demnach verändert werden wie folgt: In jedem Mann steckt ein Dackel. Wer will das? Welche Frau will einen Dackel als Mann? In Wahrheit keine. Manche Sachen funktionieren – und sie sind trotzdem doof. Ich bestehe auf erwachsene Männer, die freiwillig den Müll entsorgen und auch sonst nett sind und verantwortungsbewusst und liebevoll. Dann will ich sie auch gern einmal loben oder ihnen über den Kopf streichen und ihnen ein Leckerli geben.

Eure Birgit

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