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Männer kochen: Warum Frau es liebt, wenn Mann den Kochlöffel schwingt

Birgit Ehrenberg
Liebesexpertin Birgit Ehrenberg

Kochbereitschaft genügt, um Herzen zu erobern

Seitdem ich als Liebesexpertin im Amt bin, habe ich schon das eine oder andere Wort darüber verloren, wie sehr mich die seit Jahren stetig anwachsende Kochbereitschaft von Männern erfreut. Noch bin ich selbst nicht in den Genuss eines kochenden Mannes gekommen. Ich partizipiere allerdings an den Männern meiner Freundinnen.

Zum Beispiel an Volker, das ist der Lebensgefährte von Grit. Etwa einmal im Monat kocht er für Grit und mich und für unsere Kinder. Wir müssen nichts tun, es ist wie im Schlaraffenland, wo einem die gebratenen Gänsekeulen in den Mund fliegen. Dabei habe ich noch keine Gänsekeule aus Volkers Küche gegessen, aber Rouladen. Sie waren derart exzellent, dass ich glaube, dass Volker mit seiner Kochkunst Grits Herz erobert hat. Eine andere Spezialität von ihm ist Pizza.

Der Verzehr dieser Pizza ähnelt einer Andacht. Still wird es dann am Tisch, und alle Augen ruhen dankbar auf Volker, während es im Mund eine gigantische Geschmacksexplosion gibt. Die geniale Mischung der Gewürze, der Teig, der gerade richtig geraten ist, der Belag - all das ist eine Komposition. Eine Sinfonie. In diese stimmt auch der Mann meiner Freundin Petra ein, Nico. Seine Pizza ist eine kulinarische Legende, die ihm vorauseilt.

Meine Freundin Kerstin hat ebenfalls das Glück, mit einem begnadeten Koch verheiratet zu sein. Bin ich bei Kerstin zu Gast, geht es in erster Linie ums Essen. Christof, so heißt ihr Zauberer, ist ebenfalls Spezialist für Rouladen, eigentlich für jede Art von Hausmannskost. Ich habe seinen Tafelspitz noch nicht probiert, doch Kerstin kriegt feuchte Augen, wenn sie davon spricht. Er muss ein Gedicht sein.

Das Getriebe der (sehr großen) Liebe zu Kerstin hält Christof überdies mit regelmäßig servierter Kräuterbutter nach seinem Geheimrezept geschmeidig.

Was ist eigentlich das Faszinierende an einem kochenden Mann? Ich glaube, es ist der Kick des Rollentauschs. Seien wir ehrlich: In ganz vielen Bereichen des Lebens ist die Emanzipation nicht wirklich gelungen. Frauen verdienen in der Regel weniger als Männer, sie kümmern sich meistens um das Putzen, sie sind bei der Partnersuche oft passiv, hoffen, dass der Mann den ersten Schritt auf sie zu macht. Oder sie meinen, dass sie darauf warten müssen, dass der Mann aktiv wird.

Ein kochender Mann ist eine "Erlösung"

Wir Frauen sind in vielerlei Hinsicht gefangen in Zwängen, die uns die Gesellschaft auferlegt und die wir selbst gewählt haben. Da ist ein kochender Mann eine Einladung in die Freiheit. Wir geben gewissermaßen den Löffel ab, lassen eine Domäne los, die seit Jahrhunderten die unsere war: Der Herd. Es gibt diesen traurigen Ausdruck "Heimchen am Herd".

Damit wir uns richtig verstehen: Ich meine den häuslichen Herd, ich meine Muttis Küche, nicht die Glamour-Küche, in der männliche Sterne-Köche kochen. Ich meine den harten Alltag, in dem Frauen daran gewöhnt sind, stets zu sorgen, zu versorgen. In ihren eigenen vier Wänden emsig "vor sich hin zu sorgen", keiner sieht es, keiner würdigt es. Da fällt schon mal eine Träne in die Hühnersuppe. Und dann kommt da eine männliche Lichtgestalt, die einer Frau das Kochen abnimmt. Das ist gelebte Liebe, total unschlagbar.

Eine bekochte Frau fühlt sich gesehen und geliebt, (bei Frauen geht das Hand in Hand). In dieser sinnlichen und geistig-seelischen "Ansprache" liegt die magische Anziehung eines kochenden Mannes. Ich darf übrigens verraten, dass ein kochender Mann sich eher eine Schwäche erlauben kann, als ein nicht kochender, denn er hat immer einen gut bei der Frau.

Nun gibt es Männer, die selbst nicht kochen können oder wollen, die aber begriffen haben, wo der Hammer bei einer Frau hängt. Was machen diese armen Herren? Die kaufen selbstgekochte Gerichte und tun so, als seien sie von ihnen.

Ich finde diese kleine Notlüge rührend. Ich freue mich über jeden Mann, der die Frauen versteht und sie glücklich machen möchte. Neulich traf ich einen solchen kleinen Schummler im Geschäft meiner Freundin Sibel. Der Mann war außer sich, er wollte den besten Rote-Beete-Salat der Welt kaufen, einen mit Koriander, eine der ganz großen Kreationen von Sibel. Der Salat war ausverkauft, der Mann verzweifelt, er sah seine Verführer-Felle wegschwimmen. Er ging dann mit einem Linsensalat nach Haus, und ich hoffe, er hat auch damit bei seiner Angebeteten gepunktet. In diesem Fall hat nun mal wieder eine Frau, Sibel, die Liebe leicht gemacht, aber das darf auch noch sein in der besten aller möglichen Kochwelten der Männer. Oder?

Lasst es Euch schmecken,

eure Birgit

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