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Mädchen oder Junge: Bei wem fällt die Erziehung leichter?

Rabauke: Junge streckt Zunge raus
Stimmt das Bild vom 'Rabauken-Junge' wirklich? © Spiber - Fotolia

Rabauken-Jungs und brave Mädchen: Welche Vorurteile stimmen wirklich?

Mädchen spielen stundenlang für sich, haben es gern ruhig und reagieren zickig. Jungs sind laut, reden wenig und wälzen sich ständig im Dreck. Das sind sie, die typischen Schubladen, in die wir unsere Kinder je nach Geschlecht gern stecken. Und auch unsere Art sie zu erziehen sehen wir daher gern durch die Geschlechterbrille. Aber stimmt das auch, haben es Mädchen-Eltern wirklich leichter?

Von Merle Wuttke

Fragt man Mädchenmütter wie sie es schaffen, dass die Schuhe ihrer Kinder auch nach zwei Monaten des Tragens immer noch fleckenfrei und ohne gerissene Verschlüsse daherkommen, schauen die einen in der Regel nur verständnislos an. Jungs-Eltern dagegen stöhnen in der Regel alle paar Wochen auf, weil die Söhne es wieder einmal geschafft haben, die gerade neu gekauften Hosen mit Rissen und Löchern zu versehen. Ein paar Verhaltensweisen scheinen tatsächlich sehr geschlechtsspezifisch bei Kindern ausgeprägt zu sein. Aber lässt sich das auch generell für ihre ganze Art sich zu verhalten sagen?

Rabauken-Jungs und brave Mädchen

Die Dreifach-Mama Georgina Fuller aus Großbritannien meint: Ja. Sie hat zwei Söhne, sechs und drei Jahre sowie eine Tochter, ein Jahr alt. Und sie findet: Der Unterschied zwischen den Jungs und ihrem kleinen Mädchen ist enorm. Während die anderen beiden sich hauptsächlich durchs Haus jagen und im Dreck wälzen, spielt die Kleine leise mit ihrem Teddy vor sich hin, während Mama sich für den Tag zurechtmacht. Ihr Fazit: Jungs sind im Gegensatz zu Mädchen richtig harte Arbeit. Nun, mir geht es ähnlich wie Georgina Fuller. Auch ich habe zwei Jungs, gefolgt von einem Mädchen. Und ich kann nur sagen: Die Kleinste ist die Lauteste von allen. Was natürlich daran liegen mag, dass sie sich gegen zwei große Brüder behaupten muss, aber ich bin nicht wirklich überzeugt, dass der wahre Grund ist. Ich denke, sie ist einfach so wie sie ist.

Jedes Kind ist unterschiedlich!

Sowieso kann ich all die typisch männlichen und typisch weiblichen Attribute, die wir unseren Kindern gern zuschieben in meiner Familie keinem Geschlecht eindeutig zuordnen. Mein erster Sohn ist sehr ruhig, einfühlsam, eine absolute Leseratte und vom Sich-im-Dreck-Wälzen hält er überhaupt nichts. Der Zweite findet das sehr gut, Star Wars dagegen total blöd (anders als übrigens der Rest der Jungs in seiner Klasse), springt am liebsten Springseil und ist ausschließlich mit Mädchen befreundet. Die Dritte im Bunde ist mutig, klettert am besten von ihren Freundinnen, flucht wie ein Husar und liebt alles mit Glitzer. Also ich persönlich steige da nicht mehr durch, was jetzt typisch für die Jungs und typisch für das Mädchen ist. Und das ist auch gut so.

Natürlich werfen die Mutter aus Großbritannien und ich einen völlig subjektiven Blick auf unsere Kinder und ihr Verhalten, daraus kann man nichts wirklich objektiv ableiten. Aber ich für meinen Teil kann nur sagen: Ich bin froh, dass es in unserer Familie nicht darum geht, welches Geschlecht nun einfacher zu handhaben ist. Jedes Kind hat ganz einfach seine eigenen Baustellen, dafür bringt es im Gegenzug ziemlich viel Vielfalt mit. In sein eigenes Leben und in das der Anderen. Mein Sohn (der mit den Mädchen-Freundinnen) ist in seiner Grundschulklasse nämlich immer noch der einzige Junge, der freiwillig mit dem anderen Geschlecht spielt. Das finde ich großartig – und ganz schön krass, dass die anderen 8-Jährigen um ihn herum immer noch stark in der Geschlechterfalle stecken und sich weigern mit Mädchen zu spielen.

Da frage ich mich schon: Ist das vielleicht hausgemacht? Welche Rollenbilder werden bei denen zu Hause unbewusst durch die Erziehung vermittelt? Eine Studie aus dem Jahr 2011 ergab jedenfalls, dass Kinder nur in Zukunft gewinnen können, wenn sie Geschlechterstereotypen hinter sich lassen – wenn Jungs etwa mehr auf ein harmonisches Zusammensein mit Anderen achten und Mädchen mehr Egoismus beweisen. Ich für meinen Teil mache mir da überhaupt keine Sorgen...

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