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'Lovetrotter': Wie sieht die Liebe in anderen Ländern aus?

'Lovetrotter': Wie sieht die Liebe in anderen Ländern aus?
Wlada Kolosowa weiß, wie die Welt liebt.

Was macht Liebe in anderen Ländern aus?

Wie liebt die Welt? Was finden die Menschen in anderen Ländern romantisch? Was unterscheidet die Liebe in anderen Ländern im Vergleich zu Deutschland? Um diese Fragen beantworten zu können, macht sich Autorin Wlada Kolosowa auf die Suche nach Liebesgeschichten aus aller Welt. Uns hat Wlada Kolosowa im Interview verraten, was die Liebe in anderen Ländern ausmacht und was Sie von anderen Ländern über die Liebe gelernt hat.

Fünf Monate, neun Länder: Für Ihr neues Buch 'Lovetrotter' (Kailash Verlag) haben Sie eine Weltreise auf der Suche nach Liebesgeschichten gemacht. Woher hatten Sie die Idee für das Buch?

Wlada Kolosowa: Ich habe mir schon immer gern Liebesgeschichten angehört, von Freunden, Bekannten und gänzlich Unbekannten. Später fing ich an, sie aufzuschreiben. Für 'jetzt.de', das Jugendmagazin der 'Süddeutschen Zeitung', habe ich mit insgesamt 60 Menschen über ihre Beziehung gesprochen. Und Reisen fand ich sowieso immer super. Also beschloss ich, die beiden Sachen zu vereinen, die ich am liebsten tat: eine Weltreise, bei der ich mit Einheimischen über die Liebe quatsche.

Ihre Suche nach Liebesgeschichten hat Sie nach Ägypten, Iran, Kambodscha, China, Brasilien, in die USA, Russland, Deutschland und in die Türkei geführt. Welche Liebesgeschichte hat Sie am meisten berührt und warum?

Wlada Kolosowa: Jedes Paar, dass mich an seinem Leben teilhaben ließ, berührte mich. Es gab zum Beispiel einen kambodschanischen Mönch, der vier Jahre gegen seine Gefühle kämpfte und dann doch die Robe ablegte, um seine Liebe zu heiraten und ein Paar aus dem Iran, das sich heimlich im Internet kennenlernte und gegen den Wunsch der Familien für ihre Beziehung kämpfte. Besonders bleiben mir zwei jüdische Immigranten in Erinnerung, die Anfang des 20. Jahrhunderts nach New York flohen. Ihre Beziehung habe ich anhand ihrer Liebesbriefe rekonstruiert – sehr poetische, zärtliche Schriftstücke, die der Mann bis zu seinem Tod behielt, und die mir seine Familie später zeigte.

Was unterscheidet die Liebe in anderen Ländern im Vergleich zu Deutschland?

Wlada Kolosowa: Die Liebe ist so tief im Menschen verschraubt, dass es sie überall auf dem Planeten gibt. Nur ist sie nicht überall ein Handlungsimperativ. Viele halten die romantische Besessenheit des Westens für Wohlstandssorgen oder Wahnsinn. Und aus der Sicht von jemandem, der einen Partner braucht, um das tägliche Überleben zu sichern, scheint es das auch. „Die westliche Liebe“ kommt vielen „hart“ und „kapitalistisch“ vor, weil man immer auf Probe zusammen ist und ständig danach schaut, ob man das, was man investiert, auch zurück bekommt.

Auf Ihrer Weltreise haben Sie auch Ihre eigene Liebesgeschichte Revue passieren lassen. Inwiefern hat sich Ihr Verständnis von Liebe durch diese Reise verändert?

Wlada Kolosowa: Liebe ist nicht für alle auf der Welt das, was wir in Deutschland darunter verstehen. Nicht überall auf der Welt suchen Menschen nach einem gleichberechtigten Partner, der ihr Selbst bereichert und offenbart. Nicht jeder kann sich Gleichberechtigung und Selbstverwirklichung leisten. Die Liebe, die aus romantischen Gefühlen angerührt ist, kommt vielen so abgefahren vor, wie uns die Vorstellung, dass unsere Eltern unsere Partner aussuchen.

Welche gesellschaftlichen Zwänge oder Einflüsse erlebten die Paare, die Sie begleiteten? Ein Paar aus New York liebt sicher anders als ein Paar im Iran?

Wlada Kolosowa: Das mit Sicherheit. Die Zwänge sind in einigen Ländern stärker als in anderen. Druck gibt es aber überall. In Iran ist es vielleicht der Druck, seine eigenen Partnerwünsche mit denen der Familie und der Gesellschaft zu koordinieren. In New York ist es der Druck, die perfekte Wahl aus dem vermeintlich unendlichen Pool der Möglichkeiten zu treffen.

Haben Sie mit den Paaren auch über Sex gesprochen?

Wlada Kolosowa: Nicht mit allen. In vielen Ländern wäre es sehr unhöflich gewesen.

Von Dranfile Kurteshi

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