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Louise Doughty weiß: 'Was du liebst, gehört dir nicht'

'Was du liebst, gehört dir nicht' von Louise Doughty
'Was du liebst, gehört dir nicht' von Louise Doughty © C. Bertelsmann

Leseinfo zu 'Was du liebst, gehört dir nicht'

Die neunjährige Betty wird auf dem Schulweg von einem Auto überfahren – das ist sicher der schlimmste Alptraum, den eine Mutter je erleben kann. Auch Laura, gerade frisch geschieden, fällt in ein tiefes Loch: Verzweiflung, Trauer, aber auch Hass und Rachegefühle bestimmen nun ihr Leben. In ihrem Schmerz verliert Laura zunehmend die Kontrolle. Sie will sich an dem Todesfahrer rächen, in dem sie ihm nehmen will, was er am meisten liebt ...

Über 'Was du liebst, gehört dir nicht'

Dieses Buch einzig auf das schreckliche Drama um den Tod von Betty zu reduzieren, wäre nicht gerecht: Es erzählt viel mehr als nur den Unfalltod des kleinen Mädchens. Der Roman ist ein spannendes Psychogramm mit vielen Verflechtungen. Zum einen ist da natürlich der Kern der Geschichte: der Unfall mit Fahrerflucht, begangen von einem Migranten aus dem Balkan. Hinzu kommen die ethnischen Spannungen in der Kleinstadt, die nach dem Unfall eskalieren und die Rachegedanken von Laura.

Doch der Roman blickt auch zurück auf die zunächst hoffnungsvolle Liebesbeziehung von David und Laura, die mit der Affäre von David und der anschließenden Trennung endet. Bringt der Tod ihrer Tochter David und Laura wieder näher, obwohl Laura zunehmend den Verstand zu verlieren scheint? Aber offenbar ist sie nicht die Einzige – denn wer schreibt die Erpresserbriefe, die Laura seit der Scheidung erhält? All diese Nebenschauplätze verknüpfen das Buch zu einem absolut empfehlenswerten Drama mit ziemlich überraschendem Ende …

Autorin Louise Doughty griff in ihrem Roman eine wahre Geschichte auf: Das Nachbarskind einer Freundin war beim Spielen vors Auto gelaufen und daraufhin gestorben. Diese Geschichte ließ sie nicht mehr los, obwohl sie die betroffene Familie gar nicht kannte. "Zu Beginn des Romans ist Laura jemand, mit dem die meisten Leser wohl automatisch sympathisieren würden - doch damit, dass ihr Verhalten immer weiter entgleist, bis an den Rand der Gewalttätigkeit, möchte ich erreichen, dass man sich fragt, ab wann das Unglück, das ihr zugestoßen ist, nicht mehr die Übergriffe rechtfertigen, zu denen sie selbst bereit ist."

Über die Autorin Louise Doughty

Louise Doughty wurde 1963 geboren. Sie ist Journalistin für BBC Radio, schreibt Theaterstücke und Kritiken. Sie bekam schon mehrfach Auszeichnungen für ihre Romane. Auf Deutsch erschien 'Eine Wiege aus Stein'.

(Text: Esther Hörbelt)

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