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Lotusgeburt immer beliebter: Die Plazenta bleibt am Baby, bis sie abfällt

Lotusgeburt: Warten bis die Nabelschnur selbst abfällt
Lotusgeburt: Warten bis die Nabelschnur selbst abfällt Neugeborene bleiben tagelang mit Nachgeburt verbunden 00:01:12
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Bei der Lotusgeburt bleiben Nabelschnur und Plazenta bis zu 10 Tage am Kind

Spätestens seit eine der Kardashian-Frauen sich ihre Plazenta zu Pillen hat drehen lassen, sind wir sensibilisiert für dieses Thema. Nun gibt es im Internet einen neuen Plazenta-Trend: Die so genannte Lotusgeburt wird momentan in den sozialen Netzwerken gefeiert. Auf den Bildern sind die frisch geborenen Babys mit ihrer Nachgeburt bestehend aus Nabelschnur und Plazenta zu sehen. Der Mutterkuchen bleibt dabei so lange am Kind, bis er von selbst abfällt. Das dauert in der Regel drei bis zehn Tage. Aber wie sinnvoll ist die in Amerika so beliebte 'Lotus Birth Methode' überhaupt?

Medizinische Risiken der Lotusgeburt

Bisher gibt es für die alternative Geburtsmethode nur Studien an Schimpansen, nicht an Menschen. Trotzdem gibt es immer mehr Mütter, die sich für eine Lotusgeburt entscheiden, denn die soll unter anderem das Immunsystem des Babys stärken und für einen höheren IQ sorgen. Mediziner warnen allerdings vor den Risiken: "Es besteht eine Infektionsgefahr, da man die Plazenta ja am Kind belässt", so Dr. Janine Straub, Gynäkologin. "Außerdem hat man die Gefahr, dass der Nabel verletzt wird und eher unpraktische Gründe, dass man die Plazenta bis zu zehn oder zwölf Tage rumtragen muss." In Deutschland ist die Lotusgeburt durch die Keime im Krankenhaus nur bei Privatgeburten möglich.

Wie eine Lotusgeburt aussieht, sehen Sie im Video!

Alternativ: Lassen Sie die Nabelschnur am Kind auspulsieren

​Judith Kulesza ist Hebamme seit mehr als 30 Jahren und erklärt uns: "Ich empfehle jeder Schwangeren, nach der Geburt die Nabelschnur auspulsieren zu lassen, es sei denn, das Kind muss sofort intensivmedizinisch betreut werden." Dies bedeutet, dass die Nabelschnur erst von der Plazenta getrennt wird, wenn kein Puls mehr dazwischen messbar ist, was in der Regel nicht länger als 15 Minuten dauert. So abwegig wie sie klingt ist die Idee des späten Abnabelns also auch in Deutschland nicht - sie sollte nur im Rahmen gehalten werden. 

Die Vorteile des Auspulsierens: Durch das späte Abnabeln gelangen noch wichtige Blutzellen in den Blutkreislauf des Babys und kommen so dem Kind nach der Geburt zugute. Außerdem erhalten die Kinder so mehr Eisen, das sechs Monate eine gute Versorgung des Kindes gewährleistet. Nicht nur das: Trennt man das Kind vorschnell von der Nabelschnur, muss der Körper des Kindes auf 100 Milliliter Blut verzichten. Nur 300 Milliliter hat es im Körper. Werden ihm 100 Milliliter verwehrt, kann es zur Blutarmut und Unterkühlung kommen. Außerdem profitiert das Immunsystem des Kindes davon, die Nabelschnur nicht frühzeitig abzuklemmen. Dazu rät auch die Gynäkologin. 

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