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Loslassen in der Liebe: Wie geht das?

Ist "Loslassen" die Lösung?
Beziehungs-Probleme lösen

Wie funktioniert das "Loslassen"?

Es gibt ein Wort, das ich in letzter Zeit immer öfter höre. Und zwar "Loslassen". Dieses Wort taucht ständig auf, wenn es Probleme in der Liebe gibt. Als sei es ein neuer Zauber. Der garantiert, dass die Liebe leicht ist, wird, bleibt.

Nun bin ich mächtig daran interessiert, die Liebe leicht zu machen. Nur: Was soll das sein, dieses ominöse Loslassen? Ein gedanklicher Akt, nehme ich an. Ich habe dieses Loslassen als gedanklichen Akt schon Menschen empfohlen, die sich liebesmäßig in eine Sache verbissen haben. Diese armen Menschen fragen mich dann (mit Recht): "Birgit, wie geht das? Loslassen?"

Und Birgit weiß nicht, wie es geht. Ich weiß so viel, aber wie loslassen geht, das weiß ich leider nicht. Ich habe mit mir experimentiert. Ich leide schließlich auch manchmal unter komplizierten Liebesdingen. Ich finde zum Beispiel jemanden gut, der sagt, dass er mich auch gut findet. So richtig zeigt er mir das leider nicht. Ab und zu bin ich richtig versessen auf Beweise seiner Zuneigung. Dann verrenne ich mich, werde wütend und traurig.

In solch einem Moment habe ich mir einmal gesagt: "Loslassen!" Nichts geschah. Ich schloss die Augen, konzentrierte mich, stellte mir bildlich vor, wie ich etwas in der Hand halte, die Hand öffne, das "Etwas" fallen lasse. Nichts geschah.

Mein Herz schmerzte, es war schwer. Ich hielt fest. So geht es fast allen, die sich im Loslassen üben. Ich mache keine guten Erfahrungen damit. Einige Frauen und Männer, die meine Beratung suchen, sind sogar stinksauer. Sie wollen reden, wollen ihren Kummer loswerden, das ist ihr Anliegen. Loswerden statt loslassen.

Dazu gehört eine amtliche Analyse des Problems. Dieses endlose Quatschen, warum das geliebte Gegenüber so oder so handelt oder eben nicht handelt.

In meinem Fall ist das haargenau das, was ich will und brauche. Gerate ich in die Liebes-Klemme, will ich etwas loswerden, indem ich mit einer Freundin spreche. Und ich wünsche mir, dass sie sich Zeit dafür nimmt, mich aufbaut, mir einen Tee kocht, mir übers Haar streicht. Und wenn ich dann so quatsche und quatsche und Tee trinke und mein Haar gestreichelt wird, wird mein Herz leichter.

Vielleicht ereignet sich in mir sogar ein Prozess, den man "Loslassen" nennen kann. Jedenfalls temporär. Irgendwann sitze ich wieder in der Klemme. Und brauche wieder ein aufmerksames Ohr, das mir zuhört. Ich brauche, dass sich jemand Zeit nimmt,

Mir scheint, dass dieses moderne Konzept von "Loslassen" eine Farce ist. Wer denkt sich so etwas aus?

Beziehungs-Probleme lösen: Reden und Zuhören

Kann es sein, dass es aus dem Kopf von Leuten stammt, die nicht die Liebe leicht machen wollen? Sondern die sich vielmehr ihr eigenes Leben erleichtern wollen? Die keine Lust haben, zuzuhören, zu analysieren, zu trösten, Händchen zu halten, Tee zu kochen. Die also keine guten Freunde sein sollen. Die ihre leidenden Mitmenschen einfach wegschicken mit dem doofen und irgendwie auch kaltherzigen Rat: "Du musst einfach loslassen! Viel Spaß dabei und Tschüss!"

Nein, meine Damen, das funktioniert das nicht. Da wird kein Schuh draus. Regeln wir die Probleme mit der Liebe, wie wir sie immer gelöst haben. Mit Reden und geduldigem Zuhören. Lassen wir zu, dass unsere Freunde ihr Leid bei uns lassen. Vertrauen darauf, dass wir umgekehrt auch mit Leid auf sie zukommen können.

Dieser Weg kostet Zeit und Kraft, aber er fühlt sich herrlich warm und liebevoll an.

Haltet Euch fest aneinander in den stürmischen Zeiten der Liebe!

Das ist mein Rat!

Eure Birgit!

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