Lohndiskriminierung: Deutsche Frauen besonders benachteiligt

Weniger Lohn für Frauen in Deutschland: Hilft eine Frauen-Quote?
Weniger Lohn für Frauen in Deutschland: Hilft eine Frauen-Quote?

22 Prozent weniger Lohn für Frauen als für Männer

Frauen verdienen in Deutschland viel weniger als in anderen europäischen Ländern. Und in Führungspositionen sind sie besonders selten vertreten. Trotzdem wehrt sich die Familienministerin Kristina Schröder gegen eine von der EU-Kommission angeregte Frauenquote für große Unternehmen. Es ist erschütternd.

Von Christiane Mitatselis

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) teilte in dieser Woche in Paris mit, dass eine Frau hierzulande in einem Ganztagsjob im Schnitt 22 Prozent weniger als ihr männlicher Kollege bekommt. Der Schnitt der 34 OECD-Länder beträgt 16 Prozent. Damit liegt Deutschland im europäischen Vergleich ganz hinten. In Sachen Frauen in Führungspositionen sieht es ebenfalls sehr traurig aus: Nicht mal vier von hundert deutschen Vorstands-Stellen sind mit Frauen besetzt, im OECD-Durchschnitt sind es etwa zehn Prozent.

Anders als ihre Vorgängerin Ursula von der Leyen, die eine große Anhängerin der Frauenquote ist, scheint Frau Schröder die Realität nicht sehen zu wollen. Sie kanzelt den EU-Vorschlag, eine europäische Frauen-Quote zu etablieren, jedenfalls mit nichtigen Argumenten ab. Zu viel Vorschrift, zu viel Bürokratie, so etwas brauche man nicht.

Das Gegenteil ist wahr. Ohne Zwang bleibt alles beim Alten. In Deutschland kommen die Frauen nicht von der Stelle.

Frauen können schlecht blenden

In Norwegen wurde dagegen im Jahr 2006 eine Frauen-Quote von 40 Prozent eingeführt, dort gibt es nun die meisten Frauen im Topmanagement. Man braucht die Quote vor allem deshalb, weil hochqualifizierte Frauen sonst überhaupt keinen Zugang zu den hohen Posten bekommen, die traditionell von Männerbünden regiert werden. Sie gehen zusammen golfen, segeln und machen vieles, was Männern sonst gern zusammen tun. Vakante Stellen vergeben sie natürlich bevorzugt an eigene Günstlinge oder die ihrer Kumpels.

Frauen machen diesen Herren in der Regel Angst – verständlicherweise: Sie haben oft bessere Studienabschlüsse, sprechen in der Regel mehr Fremdsprachen. Sie sind belastbarer, sie jammern weniger und können – im Gegensatz zu Männern – multitasken.

Was sie allerdings meist weniger gut können, ist blenden. Frauen sind oft zu bescheiden, wenn es darum geht, sich selbst anzupreisen. Wenn eine Frau Überstunden macht, vielleicht den Teil der Arbeit eines indisponierten Kollegen miterledigt, dann hängt sie das in der Regel nicht an die große Glocke. Sie schuftet, schweigt und hofft, dass ihr Einsatz honoriert werden möge. Was leider zu selten geschieht. Herren neigen jedoch dazu, bereits Kleinigkeiten als Heldentaten zu verkaufen und sich selbst dafür zu preisen. Worauf männliche Chefs, die in der Mehrheit sind, reagieren - und dem Prahlhans womöglich sogar eine Prämie zahlen.

Solange es keine Quote gibt, heißt es also: Sprechen Sie über Ihre Erfolge, weg mit der falschen Bescheidenheit, Stellen Sie Forderungen! Es kann sich nur günstig auf das Gehalt ausüben. Anders als ein männlicher Kollege muss eine Frau dabei meistens noch nicht einmal blenden.

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