Locked-In-Syndrom: Martin ist zwölf Jahre im eigenen Körper gefangen

Er bekam alles mit, konnte sich aber nicht bewegen

Gefangen im eigenen Körper – dieses Gefühl kennt Martin Pistorius aus London nur zu gut. Denn der 39-Jährige lag zwölf Jahre lang im Koma. Er hatte keine Kontrolle über seinen Körper und konnte sich nicht bewegen. Geistig jedoch war er bei vollem Bewusstsein. Eines Tages bemerkt seine Familie, dass Martin noch da ist - hinter dieser leeren, regungslosen Hülle.

Martin war zwölf Jahre alt, als es ihm plötzlich nicht gut ging und seine Beschwerden anfingen. Die Ärzte versuchten ihm zu helfen, doch sein Zustand verschlechterte sich, bis er schließlich ins Krankenhaus kam. Die Diagnose: Tuberkulose und eine Hirnhautentzündung. Der damals 12-jährige Junge fiel ins Wachkoma.

Was darauf folgte, sind zwölf qualvolle Jahre. Denn Martin gilt alt Hirntod und ist für seine Familie nicht mehr der, der er mal war. Diese sah einen Jungen, der nicht reagierte, sich nicht bewegte. Was sie nicht wussten: Martin bekommt alles mit und hört sie. Er kann sich nur einfach nicht bewegen und bemerkbar machen. Angst, Hoffnungslosigkeit und extreme Frustration sind die Gefühle, die Martin während seiner Zeit im Koma durchlebt hat. In der Zeit, in der er in seinem eigenen Körper gefangen war.

Doch er beschließt zu kämpfen und schafft es, sich durch ein Blinzeln bemerkbar zu machen. Heute sitzt Martin im Rollstuhl und kann über sein Tablet sprechen. Er ist glücklich mit seiner Frau Jonah verheiratet. Zusammen mit ihr will er eine Familie gründen. Seine Lebensgeschichte und die schrecklichen Jahre im Koma hat er in seinem Buch ‚Ghost Boy‘ festgehalten.

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