'Lobola-Calculator': Umstrittene App bestimmt den Brautpreis einer Frau

'Lobola-Calculator': Umstrittene App bestimmt den Brautpreis einer Frau
Frauen in Südafrika sind von Brautpreisen besonders betroffen (Symbolbild) © picture alliance / blickwinkel/W, W. G. Allgoewer

Wie viele Kühe ist eine Frau eigentlich wert?

Südafrika ist eigentlich ein modernes Land. Bevor es aber vor den Traualtar geht, muss ein altertümlicher Brautpreis - Lobola - für die Zukünftige bezahlt werden. Mit einer Handy-App geht die Berechnung jetzt in Sekundenschnelle: Wie viele Kühe ist eine Frau eigentlich wert?

Von Jutta Rogge-Strang

Größe, Gewicht, Taillenumfang und Aussehen bestimmen den Wert einer Frau, dazu kommt noch der Bildungsstand, frühere Ehen und die Zahl der Kinder. Die neue App, der 'Lobola-Calculator', berechnet für südafrikanische Männer den Brautpreis - Lobola - der Zukünftigen. Die praktische App nimmt automatisch Abzüge vor für für uneheliche Kinder oder eine Scheidung: Dann rutscht der Brautpreis gerne in den Keller. Das könnte theoretisch lustig sein. Wenn man selbst allerdings ernsthaft berechnet wird, hört der Spaß ganz schnell auf.

Eine Beispielrechnung: Für eine 30 Jahre alte Frau, 1,65 Meter groß, 55 Kilogramm schwer, die sich selbst als gut aussehend bezeichnet, eine Beschäftigung hat und vorher nicht verheiratet war, muss man einen Brautpreis von 75.000 Rand (5.800 Euro) oder neun Kühe berappen. Ist sie allerdings geschieden, wären nur noch 50.000 Rand oder sechs Kühe fällig. Die künftige Ehefrau wird als Rohstoff gesehen, als Gefäß, dass der Ehemann mit Sinn und Nutzwert füllen muss. Ihr Marktwert orientiert sich ganz praktisch an einer Kuh - auch die hat ja einen ganz praktischen Nutzen zu erfüllen.

In vielen Ländern Afrikas ist es Tradition, dass vor der Hochzeit Lobola gezahlt wird. Das kann Bargeld sein, aber manchmal reicht auch ein Kühlschrank, ein neuer Herd oder eben Kühe. Auch heutzutage zahlen fast 90 Prozent aller Eheleute, die einem afrikanischen Stamm angehören, Lobola, auch wenn sie jung und modern eingestellt sind. Abgesehen davon, dass die jahrhundertealte Tradition auf Europäer extrem frauenfeindlich wirkt, macht sie es auch den Männern schwer: Denn wenn Lobola nicht gezahlt werden kann, findet eben keine Hochzeit statt. So einfach ist das.

Frauen mit Bildung haben einen hohen Preis

Lehrerinnen oder Krankenschwestern, also Frauen mit Bildung, stehen besonders hoch im Kurs. Denn es wird erwartet, dass sie das Geld wieder zurück ins Haus bringen und ihren Brautpreis refinanzieren. Lobola ist nur eine Art Entschädigung für die Brauteltern, die ihrer Tochter die Ausbildung finanziert haben und mit der Heirat eine Arbeitskraft verlieren. Wenn sie nicht mehr bei den Eltern lebt und ein selbständiges Leben führt, gibt es vermutlich ebenfalls Abzüge. Vor der Hochzeit wird Lobola jedenfalls hart verhandelt: Da zählt jedes Argument!

Wie wäre es wohl, wenn wir für unsere zukünftigen Ehemänner einen Bräutigam-Bonus bezahlen müssten? Würde der sich in Bierkästen errechnen? Ich stelle mir vor, dass Rauchen, Saufen, die Anzahl der Stunden vor dem Fernseher und die Zahl der besten Kumpels den Bierkasten-Preis erheblich senken würden. Natürlich schlagen Exfrauen, Kinder und Arbeitslosigkeit ebenfalls schwer auf den Marktwert. Da könnte so mancher locker mit nur 10 Bierkästen davonkommen.

Anzeige